Der Investor Petrus greift die Commerzbank und deren Tochter Comdirect an. Petrus sieht bei der Direktbank viel Potential, das nicht genutzt wird.

Comdirect

14.09.17
Banking & Berater

Aktivist attackiert Commerzbank-Tochter Comdirect

Der Aktivist Petrus Advisers kritisiert die Commerzbank und ihre Tochter Comdirect scharf. Vor allem die Kosten- und IT-Struktur der Direktbank sind dem Investor ein Dorn im Auge. Die Kritik fällt direkt auf den Dax-Konzern zurück.

Der aktivistische Investor Petrus Advisers hat die Commerzbank und ihre Direktbanktochter Comdirect angegriffen. Wie das „Handelsblatt“ schreibt, beschreiben die Petrus-Partner Klaus Umek und Till Hufnagel in einem Brief an Commerzbank-CEO Martin Zielke das Geldhaus als „dominierenden und ideenlos agierenden Aktionär“.

Das Geldhaus bestimme die Unternehmenspolitik der Comdirect, und diese bliebe hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dadurch würden die übrigen Aktionäre vernachlässigt.

Zu diesen zählt auch Petrus. Der Aktivist hält laut eigenen Angaben 1 Prozent der Comdirect-Aktien. Damit ist Petrus hinter der Commerzbank, die 82 Prozent hält, der zweitgrößte Aktionär der Schleswig-Holsteiner.

Direktbank Comdirect soll ihre Kostenstruktur verbessern

Petrus nennt zahlreiche Stellschrauben, an denen die Commerzbank drehen sollte. Die Cost-Income-Ratio der Comdirect lag im vergangenen Jahr etwa bei vergleichsweise hohen 68,6 Prozent. Das bedeutet, um 1 Euro zu verdienen, müssen die Norddeutschen knapp 70 Cent ausgeben. Zum Vergleich: Die BayernLB-Tochter DKB kommt auf knapp 46 Prozent, die ING Diba sogar nur auf 40 Prozent.

Der Investor bemängelt weiter, dass die auf das Online-Banking spezialisierte Comdirect IT-Dienstleistungen von der Mutter bezieht, und diese seien im Vergleich zum Wettbewerb zu teuer. Das „Handelsblatt“ zitiert einen Konzern-Insider, der zwar behauptet, dass die Commerzbank keine überzogenen Preise verlange. Da die IT des Geldhauses aber auf das Filialnetz ausgerichtet ist, passe diese nicht ideal zu einer Online-Bank.

Zudem kritisiert Petrus, dass Vorstand und Aufsichtsrat der Comdirect von Commerzbankern dominiert werden. So seien mit jeweils einer Ausnahme alle Vorstände und Aufsichtsräte aus dem eigenen Haus. Finanzchef Dietmar von Blücher etwa war vor seiner Berufung zum Comdirect-CFO bei der Commerzbank als Bereichsleiter für die Group-Finance-Aktivitäten des Segments Non-Core Assets zuständig.

Commerzbank soll Comdirect-Aktionäre entschädigen

Auch die Anreizstrukturen des Managements seien verbesserungswürdig, so Petrus. Der Comdirect-Vorstand erhalte einen Teil seiner variablen Vergütung in Commerzbank-Aktien und nicht etwa in Comdirect-Wertpapieren. Petrus bezeichnet das als „groben Verstoß gegen alle Regeln sauberer Corporate Governance“ und einen „Schlag ins Gesicht aller geplagten Minderheitsaktionäre“.

Der Investor fordert von der Commerzbank und Comdirect nun eine überzeugende Wachstumsstrategie, die die Comdirect vor allem wegführen solle vom Deutschland-fokussierten Geschäft. Wenn die Commerzbank den Forderungen nicht nachkommen wolle, solle sie einen Beherrschungsvertrag abschließen, der die Bank verpflichtet, Minderheitsaktionären erlittene Nachteile auszugleichen.

Die Commerzbank weist gegenüber FINANCE sämtliche der von Petrus erhobenen Vorwürfe zurück. Man sei mit der Entwicklung der Comdirect sehr zufrieden. Bedarf für Änderungen gebe es nicht.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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