Die Deutsche Bank gewinnt am Kapitalmarkt Vertrauen zurück. Mit der angekündigten Kapitalerhöhung entspannen sich die CDS-Spreads. CFO Markus Schenck hat diesen Trend bereits genutzt.

Deutsche Bank

10.03.17
Banking & Berater

CDS-Spreads der Deutschen Bank gehen zurück

Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank sorgt für Entspannung bei den CDS-Spreads des Instituts. Im internationalen Vergleich halten die Investoren die deutschen Großbanken aber immer noch für hoch riskant.

Vor einer Woche bestätigte die Deutsche Bank, dass sie über eine Kapitalerhöhung und einen teilweisen Börsengang ihrer Asset-Management-Tochter insgesamt 10 Milliarden Euro frisches Eigenkapital einsammeln will. Das drückt, wie bei Kapitalerhöhungen üblich, zwar zunächst auf den Aktienkurs, bringt Noch-CFO Markus Schenck dafür aber wertvolles Vertrauen am Kapitalmarkt zurück.

Den wichtigsten Hinweis liefert der Risikoindikator  die CDS-Spreads. Diese messen die Risikoaufschläge auf eine als Benchmark dienende fünfjährige Unternehmensanleihe, welche Kapitalmarktversicherer verlangen, um einen Investor gegen das Ausfallrisiko der Deutschen Bank abzusichern. Laut des Datenlieferanten S&P Capital liegt der CDS-Spread der Deutschen Bank aktuell bei rund 127 Basispunkten. Zum Vergleich: Im September betrug der Risikoaufschlag für die Deutsche Bank noch 249 Basispunkte.

Hohe CDS-Spreads verteuern Deutscher Bank die Refinanzierung

Hohe CDS-Spreads haben durchaus auch handfeste finanzielle Konsequenzen: Ein hoher Risikoaufschlag macht die Refinanzierung für die Deutsche Bank indirekt teurer, da die CDS-Spreads als Indikator für die Bonität des Schuldners dienen. Je höher der Spread ist, desto höher schätzt der Kapitalmarkt das Ausfallrisiko des Emittenten ein. Dieses Risiko lassen sich Investoren von der Deutschen Bank bei Anleiheemissionen über höhere Zinsen zumindest teilweise kompensieren.

Da sich die Deutsche Bank ihre Liquidität laut des Halbjahresberichts 2016 zu 21 Prozent über Kapitalmarktemissionen und Eigenkapital beschafft hat, spielen die CDS-Spreds in der Liquiditätsplanung des scheidenden CFOs Schenck, der in Kürze Chef des Kapitalmarktgeschäfts werden wird, eine zentrale Rolle. Wichtigere Refinanzierungsquellen waren zum Halbjahr nur die Einlagen von Privatkunden (31 Prozent) und von Firmenkunden aus dem Transaction Banking, die 20 Prozent der insgesamt 992 Milliarden Euro an externen Finanzierungsquellen der Deutschen Bank ausmachten.

Deutsche Bank legt wichtige Rechtsstreitigkeiten bei

Die Eigenkapitalmaßnahmen sind nicht die einzigen Schritte, die die Deutsche Bank unternimmt, um ihre CDS-Spreads zu senken. Einen wichtigen Meilenstein hat das Geldhaus bereits im Dezember erreicht, als sich CEO John Cryan mit den US-Behörden auf einen 7,2 Milliarden US-Dollar schweren Vergleich im Streit um faule Hypothekenpapiere geeinigt hat. Die USA hatten zunächst 14 Milliarden Dollar gefordert und damit stellenweise für Panik unter den Investoren der Deutschen Bank gesorgt.

Ende Januar schaffte die Bank dann bei einem zweiten wichtigen Rechtsstreit Klarheit und einigte sich mit einer britischen und einer amerikanischen Behörde wegen dubioser Wertpapiergeschäfte in Russland auf eine Strafe von 590 Millionen Euro. Weil damit die beiden gravierendsten Rechtsstreitigkeiten beseitigt sind, zeichnet sich seitdem eine stetige Erholung des CDS-Spreads der Deutschen Bank ab. Zum Jahreswechsel waren die CDS-Spreads schon auf 180 Punkte zurückgegangen, Ende Januar auf 159 und zuletzt dann auf den aktuellen Stand von 127.

CDS-Spreads: Deutsche Bank fast auf Augenhöhe mit Commerzbank

Die Deutsche Bank ist mit ihrem Risikoaufschlag von 127 Basispunkten nun fast wieder auf dem Niveau der Commerzbank (109 Basispunkte) angelangt. Sie steht inzwischen auch wieder besser da als die zum Verkauf stehende HSH Nordbank, die mit einem CDS-Spread von 152 Basispunkten vom Kapitalmarkt nun als die riskanteste deutsche Bank betrachtet wird. Dies sah vor wenigen Monaten noch anders aus

Am stabilsten schätzen die Kapitalmarktversicherer derzeit die beiden Landesbanken Helaba (53,8) und LBBW (44,7) ein. Die Hypovereinsbank – im Verbund mit der Konzernmutter Unicredit betrachtet – liegt mit 91,2 Basispunkten dazwischen. Hier hat sich der CDS-Spread seit dem Jahresende nur leicht um rund 6 Punkte verringert. Auch die Unicredit hat ihr Kapital massiv erhöht, und zwar um 13 Milliarden Euro. 

Amerikaner sind für Deutsche Bank und Commerzbank unerreichbar

Im internationalen Vergleich machen Deutschlands größte Banken seit Jahresbeginn zwar wieder etwas Boden gut, von der amerikanischen oder europäischen Konkurrenz sind aber sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank noch weit entfernt. Die Spreads von Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley, der Citigroup und der Bank of America Merrill Lynch liegen derzeit im Schnitt bei 63 Basispunkten.

Die amerikanischen Banken hatten früh nach der Finanzkrise ihr Eigenkapital gestärkt und Risiken abgebaut. Zudem sind sie weniger stark im Kreditgeschäft engagiert als die deutschen Banken. Die Ankündigung des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, die Bankenregulierung wieder lockern zu wollen, schlägt sich bisher noch nicht wesentlich in höheren CDS-Spreads nieder.

Deutsche Bank nutzt Spread-Erholung für günstigere Anleihe

Auch in Europa gehören die Deutsche Bank und Commerzbank nicht zur Spread-Elite. Die französischen Banken BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale kommen durchschnittlich auf 82 Basispunkte. Und auch die holländischen Häuser ING und die Rabobank werden vom Kapitalmarkt mit Spreads von 64 und 53 deutlich sicherer beurteilt als die beiden deutschen Großbanken. Nur die Landesbanken können im internationalen Vergleich mithalten.

Am Kapitalmarkt hat die positive Spread-Entwicklung der Deutschen Bank dennoch genutzt. Mitte Januar begab die Bank eine 1,5 Milliarden Euro schwere unbesicherte Anleihe. CFO Schenck muss seinen Investoren dafür jährlich nur 1,5 Prozent bezahlen und damit 150 Basispunkte weniger als ursprünglich angekündigt. Setzt sich die Spread-Entwicklung fort, könnte der Kupon bei den nächsten Emissionen noch weiter sinken.