Die NordLB will bei Fintechs etwas Eigenes machen. Damit hebt sich sich von den meisten anderen Landesbanken ab. Die ersten Investments sollen bereits in Q1 erfolgen.

NordLB

28.01.16
Banking & Berater

Die NordLB ist der Fintech-Primus unter den Landesbanken

Frankfurt, Berlin – Hannover? Allerdings. Denn keine Landesbank geht das Thema Fintechs so angriffslustig an wie die NordLB. Mit einem Joint Venture will sie die Firmenkunden bezirzen. Teil 3 der FINANCE-Serie.

Keine Bank kann es sich leisten, Fintechs zu ignorieren. Neben der aktuellen Diskussion über den besten Fintech-Standort – Frankfurt oder Berlin – beschäftigt die Banken vor allem die Frage nach dem Kooperationsmodell für ihre Fintech-Strategie. Die Bank-DNA spielt dabei eine genauso große Rolle wie die finanziellen Mittel. Die FINANCE-Serie „Fintech-Strategien deutscher Banken“ zeigt, wie unterschiedlich deutsche Geldhäuser sich dem Thema nähern. Teil 3 fragt bei der Norddeutschen Landesbank nach.

NordLB hebt sich mit Fintech-Strategie von Landesbanken ab

Bernd Sablowsky leitet die Strategieentwicklung der Norddeutschen Landesbank (NordLB) und ist einer der zentralen Fintech-Beauftragten seines Hauses. Er gibt sich angriffslustig: „Wir fürchten Fintechs nicht, sondern sehen eher die Chancen“, sagt er im Interview mit FINANCE. Klingt wie eine Phrase – doch tatsächlich ist die NordLB bei dem Zukunftsthema deutlich aktiver als andere Landesbanken.

Während diese ihre Fintech-Aktivitäten überwiegend über den Deutschen Sparkassen und Giroverband (DSGV), die Sparkassen-Finanztechnik und den Sparkassen-Verlag abwickeln, will Sablowsky mit der NordLB mehr: „Uns war von Anfang an klar, dass wir etwas Eigenes machen wollen.“ Da verschiedene eigene Anläufe, in die Fintech-Welt einzutreten, sich laut Sablowsky schwierig gestalteten, hat sich die Bank externe Hilfe ins Haus geholt und im November 2015 ein Joint Venture mit Dieter von Holtzbrinck Ventures (kurz DvH Ventures) gegründet.

Joint-Venture-Modell mit Holtzbrinck Ventures

Das Joint Venture firmiert unter der Bezeichnung FinTech GmbH & Co. KG und sitzt in Köln. Das Unternehmen steht unter der operativen Führung von DvH Ventures und will weitere strategische Ankerinvestoren aufnehmen. Bei der Wahl für das Kooperationsmodell spielte auch der ökonomische Faktor eine wichtige Rolle. So gerne die NordLB eine eigene Fintech-Schmiede eröffnet hätte, sind der Landesbank doch finanzielle Grenzen gesetzt. Ein Inkubatoren-Modell, wie es die Commerzbank betreibt, ist mit hohen Kosten verbunden.

Das Joint Venture mit DvH Ventures bringt der NordLB aus ihrer Sicht einen weiteren Vorteil, mit dem sich die Bank von ihren Konkurrenten abgrenzt: „Neben unserer Bankexpertise, der Finanzierung und Infrastruktur bietet ein neu gegründeter Venture-Capital-Fonds den Fintechs über die wirtschaftsnahen Publikationen der Holtzbrinck-Verlage auch mediale Kanäle und damit öffentliche Präsenz“, erklärt Sablowsky.

DvH Ventures beteiligt sich in der Regel an wachstumsstarken Unternehmen in einer frühen Unternehmensphase. Primär investiert das Unternehmen in Seed- und Early-Stage-Phasen, jeweils mit einem Betrag von bis zu 500.000 Euro. Weitere Finanzierungsrunden wie etwa Serie-A-Finanzierungen, begleitet DvH Ventures mit ähnlichen Beträgen. Alles, was danach kommt, sei laut Sablowsky „nicht mehr primärer Fokus“.

Das Joint Venture selbst ähnelt einem Inkubator, denn die dort versammelten Fintechs können laut Sablowsky in Ruhe arbeiten und sich entwickeln – jedoch nicht in den Räumen der NordLB, sondern dort, wo sie gegründet wurden. Das ist in den meisten Fällen Berlin.Das primäre Ziel sei es laut Sablowsky, Gründer mit innovativen Geschäftsideen aus der Welt der Finanztechnologie zu finden, die Produkte entwickeln, die die NordLB auch ihren Kunden anbieten kann.

„Eine spätere Übernahme der Start-ups ist prinzipiell nicht ausgeschlossen. Das ist aber kein Muss, denn einem lukrativen Exit verschließen wir uns auch nicht“, so Sablowsky. Hier lauern jedoch potentielle Interessenskonflikte mit Holtzbrinck, denn der Venture-Capitalist dürfte primär eine exitorientierte Strategie verfolgen. Will die NordLB an dem Fintech festhalten, müsste sie Holtzbrinck auszahlen.

NordLB: Fokus auf Working Capital und Supply Chain

Auch wenn die NordLB sich für ein Joint Venture und gegen eine Inhouse-Lösung entschieden hat, sieht Sablowsky durch den Eigenständigkeitsverlust keinen Nachteil für die Bank: „Dieter von Holtzbrinck Ventures ist als Investor und Kenner der Fintech-Szene sehr erfahren und teilt zudem unsere unternehmerische Denkweise, weshalb wir uns mit der Situation sehr wohl fühlen“. Investitionsentscheidungen würden in einem Investment-Komitee gemeinsam getroffen.

Neben den vielen Fintech-Start-ups im Retailgeschäft investiert der Venture-Capital-Fonds auch in den Firmenkunden-Bereich, was Sablowsky in erster Linie mit der DNA der Bank begründet: „Unser Retailgeschäft läuft über die zur NordLB gehörende regionale Sparkasse in Braunschweig. Das Firmenkundengeschäft betreiben wir dagegen überregional.“ Eine Marktführerschaft bei Retail-Fintechs scheint aber eher unrealistisch, weil die großen Wettbewerber wie Deutsche Bank und Commerzbank, vor allem aber große Venture-Capital-Investoren wie Earlybird und Rocket Internet mit zu viel Geld an die Sache gehen.

Bei den Firmenkunden-Fintechs liegt der Fokus aktuell auf drei Bereichen: Dokumentenverkehr, Working-Capital-Management und Supply-Chain-Finanzierungen. Die NordLB verspricht sich viel von diesen Bereichen, verschließt sich damit jedoch nicht spannenden Ideen aus dem Retailgeschäft: „Wir wollen unseren Blick weit und offen halten“, sagt Sablowsky.

Sablowsky: „Die ersten Investments kommen noch im ersten Quartal“

Der Fokus auf die drei Bereiche liefert auch Indizien, warum Corporate-Fintechs noch nicht so weit sind wie die Retail-Geschwister. Im Firmenkundengeschäft ist Strukturierung und nicht Standardisierung gefragt, und Fintechs ziehen ihren großen Nutzen vor allem aus Letzterem. Will heißen: Diejenigen Fintechs, die den Menschen einfache Dienste abnehmen, haben Erfolg.

„Im Retailgeschäft rennen die Fintechs mit ihren Vergleichsplattformen bei Privatkunden offene Türen ein. Der CFO eines großen Unternehmens hat aber andere Anforderungen an Innovation“, sagt Sablowsky. Er glaubt, dass Fintechs im Firmenkunden-Bereich dann nachgefragt werden, wenn sie als „technische Schnittstelle zu den Finanzdienstleistern“ funktionieren.

Das bedeutet, dass die Fintechs die Bankenprodukte nicht automatisch ersetzen werden, jedoch die Prozesse in der Finanzabteilung verschlanken und effizienter machen. Wie so ein „typisches“ Fintech-Start-up aussehen kann, wird sich noch im ersten Quartal des Jahres zeigen. Dann will die NordLB die ersten Investments bekanntgeben.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

DvH Ventures ist ein Frühphaseninvestor und beteiligt sich an technologieorientierten Startups, die disruptive Produkte und Dienstleistungen entwickeln.

 

DvH Ventrues investiert mit Kapital, Management Support und dem Zugang zu den Lesern der Verlage der DvH Medien (Verlagsgruppe Handelsblatt, Tagesspiegel Gruppe und Die ZEIT Verlagsgruppe).

 

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