Auch wenn die SEB in Deutschland insgesamt abbaut, soll die Anzahl der Mitarbeiter im Firmenkundengeschäft steigen, verspricht der 46-jährige Arne Mühlholm.

SEB

10.08.17
Banking & Berater

„Firmenkundengeschäft hat die Aufmerksamkeit der SEB-Spitze“

Die schwedische Großbank SEB schrumpft in Deutschland, doch das hiesige Firmenkundengeschäft soll wachsen. Wie dies zusammenpassen soll, erklärt Arne Mühlholm, der das Investmentbanking der SEB in Deutschland leitet.

Die SEB ist in Deutschland auf Sparkurs. Von 700 Arbeitsplätzen streicht die Bank hierzulande die Hälfte. Die Büros in Düsseldorf und Hamburg schließt das Haus, und von einer AG wird die deutsche Zweigstelle zur Niederlassung.

Das klingt zunächst einmal nicht nach einer Wachstumsstory. Doch im Firmenkundengeschäft (derzeit rund 200 Mitarbeiter) will die Bank in Deutschland nach eigener Aussage zulegen. Arne Mühlholm ist bei der SEB für die deutschen Unternehmenskunden und das Investmentbanking zuständig. Im FINANCE-Interview präzisiert er, was die SEB hierzulande vorhat.

Schwedische SEB-Spitze schaut auf Deutschland

Herr Mühlholm, die SEB will in Deutschland effizienter werden, etwa in der Verwaltung und der IT. Gleichzeitig wollen Sie das Firmenkundengeschäft ausbauen. Wie gehen Sie sicher, dass der Abbau im Backoffice nicht das geplante Wachstum behindert?

Wir haben mit dieser Art von Umbau schon Erfahrungen. Deutschland ist der einzige Standort, der noch eine eigene Rechtsform hat. In Dänemark, Finnland, Norwegen und dem Baltikum hat die SEB derartige Umstrukturierungen schon erfolgreich vollzogen. Unser Ziel ist der kontinuierliche Auf- und Ausbau von Mitarbeitern mit direktem Kundenkontakt, unterstützt von einem effizienten Back-Office, das in der Zentrale gebündelt und, wo notwendig, vor Ort arbeitet.

Gibt es Bereiche im deutschen Firmenkundengeschäft, bei denen Sie sparen wollen?


Nein, das Front-Office wollen wir weiter stärken, von der LBO-Finanzierung über Debt Capital Markets, Loan Origination, Acquisition Finance und Asset Backed Securities bis hin zu Trade Finance und Projektfinanzierung. Sehen Sie es so: In Skandinavien ist die SEB längst etabliert. Deutschland ist der einzige Kernmarkt, in dem noch deutliche Wachstumsraten möglich sind. Darum hat das hiesige Firmenkundengeschäft die Aufmerksamkeit der SEB-Spitze, bis hin zu Chairman Marcus Wallenberg.

SEB-Manager Mühlholm: „Wir handeln im LBO-Bereich sehr selektiv“

Sie haben im vergangenen Jahr 20 Finanzierungen für Private-Equity-Deals bereitgestellt, laut dem GCA Altium MidCap Monitor ist die SEB damit die Nummer Eins auf diesem Gebiet.

Wir freuen uns über den Titel, gleichzeitig ist es nicht unser Ziel, Ranglisten anzuführen. Unser Ziel sind gute Deals – für unsere Kunden und für uns. Wir handeln im LBO-Bereich sehr selektiv und sind nicht auf Volumen aus. Die Rückmeldungen unserer Kunden zeigen, dass wir einen Unterschied machen, wenn es darum geht, einen Buy-out-Kredit schnell und mit hoher Qualität zu realisieren. Wenn wir erkennen, dass der Leverage rein von der Supply-Demand-Imbalance getrieben ist und in Dissonanz mit den fundamentalen Gegebenheiten des Unternehmens ist, sind wir vorsichtig.

Sie haben SEB-Filialen in Düsseldorf und Hamburg geschlossen, aber die in München bleibt bestehen. Liegt es daran, dass in der bayerischen Hauptstadt mittlerweile der Großteil der Private-Equity-Häuser sitzt?

Nein, wir haben uns für den Standort München entschieden, um von dort die Unternehmen in Bayern und Baden-Württemberg und selektiv im Alpenraum zu bedienen.

SEB ist „für kleinere Unternehmen nicht der richtige Partner“

Die Rechtsabteilung der SEB gilt als agil, verglichen mit anderen Banken. Wie stellen Sie sicher, dass diese Agilität nicht in Sorglosigkeit übergeht?

Wir sind agil, indem wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und bleiben gerade deswegen sorgfältig, da wir uns eingehend mit einer tiefen Analyse des Zielunternehmens befassen. Grundsätzlich sind bei Transaktionen Qualität und Geschwindigkeit unabdingbar und wir sind froh, dass unsere Rechtsabteilung mitzieht und unternehmerisch denkt. Gleichzeitig sind wir traditionell ein konservatives Haus, was Kreditappetit anbelangt. Wir sind für unsere CorporateKunden und Finanzinvestoren sicher nicht der Counterpart, der jede noch so waghalsige Struktur mitmacht.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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