Die Landesbank Baden-Württemberg muss wegen der Übernahme der SachsenLB aus dem Jahr 2008 ihren Firmenwert komplett abschreiben. Das hat Auswirkungen auf den Gewinn im Firmenkundengeschäft.

Landesbank Baden-Württemberg

03.03.17
Banking & Berater

LBBW schreibt im Firmenkundengeschäft fast 400 Millionen Euro ab

Eine große Abschreibung verhagelt der LBBW den Gewinn im Firmenkundengeschäft. Mut für 2017 macht das Geschäft mit Schuldscheinemissionen und potentielles Zusatzgeschäft mit Großkunden.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat im vergangenen Jahr im Firmenkundengeschäft weniger Gewinn gemacht. Das zeigen die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016. Der Vorsteuergewinn im Corporate-Segment sank um fast 70 Prozent auf 250 Millionen Euro.

Das hat zwei Gründe: Zum einen hat die LBBW nach eigenen Angaben einen hohen Modernisierungs- und IT-Aufwand betrieben. Der Hauptgrund ist allerdings eine 379 Millionen Euro schwere Abschreibung auf den immateriellen Unternehmenswert (Goodwill), die sich vollständig im Firmenkundengeschäft (Corporates) niederschlägt. Ohne die Abschreibung läge der Vorsteuergewinn bei 630 Millionen Euro und damit nur rund 20 Prozent unter Vorjahr.

Die massive Abschreibung habe die LBBW fast ausschließlich wegen der 2008 übernommen SachsenLB vorgenommen, da sich die Ertragsperspektiven für die Bankenbranche im Firmenkundengeschäft eingetrübt hätten.

LBBW macht mehr Geschäft mit Großkunden

Aber auch ohne den Sondereinfluss schnitt die LBBW im Firmenkundengeschäft leicht unter Vorjahresniveau ab. Das Zinsergebnis sank um 10 Millionen auf rund 1,13 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss ging um 15 Millionen auf 221 Millionen Euro zurück. 

Dafür hat die LBBW ihr Engagement mit Großkunden ausgebaut. Nach eigenen Angaben stieg das Volumen der an große Konzerne vergebenen Kredite um 2 Milliarden auf 12,5 Milliarden Euro an. Die Großkunden machen damit 30 Prozent der insgesamt 41 Milliarden Euro aus, die die LBBW an Unternehmen ausgereicht hat.

Indem die Banken mehr Kredite an große Unternehmen vergeben, erhöhen sie die Chancen, an lukratives Zusatzgeschäft zu gelangen, da die Großunternehmen derzeit verstärkt den Kapitalmarkt für Finanzierungen anzapfen. Die Banken erhoffen sich davon höhere Provisionserlöse, um die wegen der anhaltenden Niedrigzinsen schrumpfenden Kreditmargen zu kompensieren.

Gewinn der LBBW im Kapitalmarktgeschäft bricht ein

Während das Firmenkundengeschäft  die Wertberichtigung ausgeklammert  nur leicht unter dem Vorjahresniveau abgeschlossen hat, muss die LBBW im Kapitalmarktgeschäft (Financial Markets) größere Rückschläge hinnehmen. In dem nicht von der Abschreibung betroffenen Geschäftssemgent ging der Vorsteuergewinn um rund 42 Prozent auf 127 Millionen Euro zurück.

Das Zinsergebnis hat sich hier mit 211 Millionen Euro nahezu halbiert. Das Provisionsergebnis lag mit 99 Millionen ungefähr auf dem Vorjahresniveau. Die LBBW begründet den Ergebnisrückgang mit den hohen Einmalaufwendungen, die notwendig gewesen seien, um das Kapitalmarktgeschäft näher am Kunden auszurichten.

LBBW legt bei Schuldscheinemissionen zu

Hoffnung macht derweil das Schuldschein- und Konsortialgeschäft der LBBW. Nach eigener Aussage unter Berufung auf Bloomberg-Daten haben die Schwaben im vergangenen Jahr Schuldscheinplatzierungen im Gesamtvolumen 10,8 Milliarden Euro begleitet und kommen auf einen Marktanteil von 21,9 Prozent. Es folgen die Helaba mit 15,4 Prozent und die BayernLB mit rund 14 Prozent Marktanteil. 

Diese Auflistung verdeutlicht die Marktmacht der Landesbanken bei Schuldscheinen, da sie die Schuldscheine problemlos in ihrem Sparkassennetzwerk unterbringen können. Die erste Nicht-Landesbank ist die HSBC mit Marktanteilen von 8,3 Prozent. Neuen Schwung in den Markt könnte die Anfang der Woche an den Start gegangene Schuldscheinbörse bringen, über die die bilateralen Kreditverträge künftig handelbar sein sollen.

Bei den Konsortialkrediten landet die Bank nach eigener Aussage als Bookrunner 2016 mit 44 Transaktionen auf dem vierten Platz, hinter der Commerzbank, der Unicredit und der Deutschen Bank. Vor allem an der Commerzbank führte mit 94 Transaktionen im vergangenen Jahr kein Weg vorbei.

Die LBBW tritt im Firmenkundengeschäft auf der Stelle, die französische Crédit Agricole will mehr Firmenkunden und die HSBC legt im Corporate & Investmentbanking zu. Lesen Sie mehr zu den Banken auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.