Die italienische HVB-Mutter Unicredit hat ein Mega-Sparpaket bekanntgegeben. Die Kosten des geplanten Umbaus belaufen sich auf 12,2 Milliarden Euro.

Unicredit

13.12.16
Banking & Berater

Unicredit kündigt Mega-Sparpaket an

Die Unicredit will ihre Kosten bis 2019 massiv senken und nimmt dafür 12 Milliarden Euro in die Hand. Die Firmenkunden der Italiener müssen sich auf große Veränderungen einstellen.

Die italienische Großbank Unicredit hat heute Morgen das lange erwartete Sparpaket vorgelegt. Wie die Mutter der deutschen Hypovereinsbank (HVB) mitteilte, soll der Konzernumbau 12,2 Milliarden Euro kosten. Alleine auf faule Kredite schreibt die Unicredit 8,1 Milliarden Euro ab. Die Nettorestrukturierungskosten liegen der Unicredit zufolge bei 1,7 Milliarden Euro.

Zentral beim Versuch, die in Bedrängnis geratene Großbank zu retten, wird das Projekt „Fino“. Dabei will die Unicredit in zwei Phasen faule Kredite im Nennwert von 17,7 Milliarden Euro an die Allianz-Tochter Pimco und den US-Finanzinvestor Fortress verkaufen. Die erste Tranche soll noch 2017 veräußert werden und mindestens 20 Prozent des Portfolios ausmachen. Den Rest will die Unicredit bis 2019 verkaufen.

Der NPL-Verkauf reißt tiefe Löcher in die Bilanz. Um sie zu schließen, nimmt die Unicredit im kommenden Jahr auch eine schon lange erwartete Kapitalerhöhung in Angriff. Die Bank will bis Juni 13 Milliarden Euro einsammeln. Dadurch soll die harte Kernkapitalquote (CET1, fully loaded) bis 2019 von 10,4 auf über 12,5 Prozent ansteigen. Die harte Kernkapitalquote ist eine zentrale Kennzahl, die die EZB ihre Kreditinstituten vorgibt, um für Krisen gewappnet zu sein.

Unicredit gliedert Investmentbanking im Firmenkundengeschäft an

Für die Firmenkunden der Unicredit dürfte sich im Zuge des Großreinemachens einiges ändern. Der Bereich Corporate & Investment Banking (CIB) soll an das Commercial Banking angeschlossen werden. Der Bereich CIB soll FINANCE-Informationen erhalten bleiben und durch die neue Zuordnung enger ans Firmenkundengeschäft gebunden werden. Im Commercial Banking bündelt die Bank das Geschäft mit Firmen- und Privatkunden. Über Joint Ventures will die Unicredit ihren Firmenkunden weitere CIB-Produkte anbieten. Dadurch will die Bank unter anderem den Bereich Global Transaction Banking stärken.

Damit kopieren die Italiener die Strategie, die in Deutschland auch die Deutsche Bank und die Commerzbank eingeschlagen haben, indem sie weite Teile des Investmentbankings an das Firmenkundengeschäft angeschlossen haben. Ziel der Unicredit ist es, dadurch die administrativen Kosten zu senken und dem Risikomanagement und der Kreditqualität mehr Aufmerksamkeit zu schenken, heißt es in der Mitteilung. Außerdem erhoffen sich die Italiener Synergien und besseres Cross-Selling. Mit dem Konzernumbau dürften auch  Managementwechsel in beiden Bereichen einhergehen.

Bei der deutschen Unicredit-Tochter HVB leitet das Firmenkundengeschäft seit kurzem Robert Schindler. Chef des Privatkundenbereichs ist Peter Buschbeck, CIB-Vorstand ist Michael Diederich. Ob sich in der Aufteilung des HVB-Vorstands etwas ändert, teilte die Unicredit nicht mit. Eine FINANCE-Anfrage ließ die Bank zunächst unbeantwortet.

Unicredit will weitere 6.500 Stellen abbauen

Dem Konzernumbau fallen auch noch einmal 6.500 Vollzeitstellen zum Opfer. Inklusive bereits angekündigter Sparmaßnahmen wird sich die Unicredit damit  bis 2019 von 14.000 Mitarbeitern trennen. Dadurch sinkt die Mitarbeiterzahl unter 120.000. Noch 2010 beschäftigte die Unicredit über 160.000 Mitarbeiter. Die zusätzlichen Stellenkürzungen sollen die Personalkosten um 1,1 Milliarden Euro reduzieren, plant die Unicredit. In Deutschland sollen 1.500 weitere Stellen gestrichen werden, zusätzlich zu den 1.200 bereits angekündigten, berichtet das Nachrichtenportal „N-TV“. Vor allem im Investmentbanking soll die HVB demnach Kürzungen vornehmen wollen. Pläne für einen Verkauf der HVB gebe es aber nicht.

Durch eine zusätzliche Reduzierung der operativen Kosten in Höhe von 600 Millionen Euro wollen die Italiener die jährlichen Kosten insgesamt um 1,7 Milliarden Euro auf 10,6 Milliarden Euro senken. Das Verhältnis von Kosten zum Einkommen (Cost-Income-Ratio) soll so von derzeit knapp 62 auf rund 52 Prozent sinken.

Unicredit steckt 1,6 Milliarden Euro in die IT

Die Unicredit plant auch massive Investitionen in die IT. Das Geldhaus will insgesamt 1,6 Milliarden Euro in diesen Bereich stecken, um ihre Systeme zu modernisieren. Diese Investition ist nicht ungewöhnlich: Bei vielen Instituten sind die Systeme veraltet und müssen auch aus Sicherheitsgründen überarbeitet werden. Zudem ist eine moderne IT-Infrastruktur zentral, damit Banken die Herausforderungen meistern können, die durch die Digitalisierung entstehen. Die Commerzbank etwa hat bereits hunderte Millionen Euro in ihre IT investiert. Auch bei der Deutschen Bank läuft ein milliardenschweres Projekt zur Ertüchtigung der IT-Landschaft.

Den jetzt angekündigten Einschnitten waren bereits zahlreiche M&A-Deals vorangegangen: Erst gestern hatte die Unicredit ihren Vermögensverwalter Pioneer Investment für 3,5 Milliarden an den französischen Asset-Manager Amundi verkauft. Den Anteil am Onlinebroker Fineco hatte die HVB-Mutter bereits im Oktober reduziert. Auch die Mehrheit an der polnischen Tochter Pekao hat die Unicredit abgegeben. Diese Maßnahmen sollen die harte Kernkapitalquote um 164 Basispunkte erhöhen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Der Kampf um die deutschen Firmenkunden ist voll entbrannt. Was die Unicredit und ihre Konkurrenten machen, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft.