Die DZ Bank hat von Fintechs gelernt. Davon profitieren auch die Firmenkunden.

DZ Bank

11.09.17
Banking & Berater

Was die DZ Bank von Fintechs gelernt hat

Hippe Arbeitsmethoden und ein moderner Anstrich sind das eine, konkrete Firmenkundenlösungen das andere. Die DZ Bank hat zuletzt viel mit der Fintech-Welt experimentiert. Das sind die Auswirkungen auf das Firmenkundengeschäft.

Vor über einem Jahr kündigte Franz Welter von der DZ Bank gegenüber FINANCE an, dass die Genossen von Fintechs vor allem eins wollen – lernen. Jetzt berichtet der Leiter der Abteilung für Innovationsmanagement, was sich bei dem Zentralinstitut der rund 1.000 Genossenschaftsbanken seitdem getan hat und welchen Einfluss die Start-ups aus der Finanzszene auf das Firmenkundengeschäft der DZ Bank genommen haben.

„Wir sind Beteiligungen eingegangen, haben Kooperationen geschlossen, ein Innovationslabor ins Leben gerufen und mehrere Hackathons durchgeführt“, zählt Welter auf. Seine Abteilung hat die Aufgabe, die einzelnen Innovationsabteilungen der DZ Bank zu vernetzen und die Infrastruktur für Projekte bereitzustellen.

Im April 2016 hat die Bank dazu ein „Innovationsradar“ eingeführt, das Welter als eine Software für Innovationsmanagement nach innen und außen beschreibt. Nach außen, weil eine externe Redaktion mittels der Software anhand von der DZ Bank definierter Parameter nach relevanten Fintechs Ausschau hält. Nach innen, weil alle Innovations-, Digitalisierungs- und Fintech-Projekte der Bank mit der Plattform verlinkt sind.

Trust Bills ist die erste DZ-Bank-Beteiligung im Firmenkundengeschäft

Laut Welter gibt es in der DZ-Bank-Gruppe aktuell rund 25 Kooperationen mit Fintechs und anderen Start-ups. Zur Gruppe gehören nach der Fusion mit der WGZ-Bank unter anderem auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die R+V-Versicherung und die Fondsgesellschaft Union Investment. Ein Beispiel für den Kooperationswillen der Genossen ist die Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Tech Quartier, für dessen Fintechs Welters Mitarbeiter als Mentoren fungieren.

Eine konkrete Fintech-Kooperation besteht mit Figo, das der Bankdabei hilft, die Anfang 2018 in Kraft tretende Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 umzusetzen. Banken müssen wegen dieser Richtlinie Fintechs und anderen Banken Einblick in ihre Kundenkontodaten gewähren. „Figo liefert eine Software, mit der wir diese Daten von anderen Banken im Auftrag des Kunden abholen können“, erklärt Welter.

Im Sommer 2016 hat sich die DZ Bank zudem mit 25 Prozent an Trust Bills beteiligt, die erste Fintech-Beteiligung der DZ Bank im Firmenkundengeschäft überhaupt. Trust Bills ist eine Online-Auktionsplattform für Handelsforderungen und will noch dieses Jahr live gehen. „An Trust Bills haben wir uns beteiligt, um auch Einzelforderungen für unsere Firmenkunden handelbar zu machen“, begründet Welter das Investment. Verbriefungen waren bisher hauptsächlich großvolumig für Großkunden möglich. Trust Bills will den Forderungshandel im Vergleich zu traditionellen Factoring-Anbietern vor allem schneller und günstiger machen.

DZ Bank forscht an Plattform für Privatplatzierungen

Ein wenig Start-up-Atmosphäre versprüht seit vergangenem September auch das „InnovationLab“ der DZ Bank. Dort können Mitarbeiter aus den Fachabteilungen, Fintechs oder auch DZ-Bank-Vorstände persönlich Ideen einbringen. In dem Forschungslabor werden dann Prototypen entwickelt, die im Erfolgsfall in ein Projekt der DZ-Bank-Gruppe überführt werden. Welters Abteilung koordiniert und stellt die Infrastruktur bereit, die jeweiligen Fachabteilungen bleiben aber immer im Lead.

Ein Beispiel für eine Laborlösung ist der „VR-Finanzguide“, ein digitaler Assistent für das Firmenkundengeschäft. „Der Fachbereich hatte die Idee, wusste aber nicht, wie sie umgesetzt werden kann“, erinnert sich Welter. Nach drei Monaten im Labor gab es einen Prototypen, der zusammen mit DZ-Bank-Firmenkunden entwickelt wurde. Aktuell befindet sich das Produkt in der Testphase.

Die DZ Bank arbeitet auch an einer Vermarktungsplattform für Privatplatzierungen. „Investoren sollen eine Vielzahl von Investitions- und den Emittenten breite Vermarktungsmöglichkeiten geboten werden“, deutet Welter an, ohne zunächst weitere Details zu nennen.

Hackathons bringen DZ Bank neue Firmenkundenlösungen

Die DZ Bank hat in Sachen Fintechs und Digitalisierung zuletzt auch bei sogenannten Hackathons viel experimentiert. Dabei werden Entwicklerteams für mehrere Tage zusammen in einen Raum gesteckt, um neue Ideen für digitale Produkte zu entwickeln. Laut Welter hat die DZ Bank bereits drei solcher Events veranstaltet, an deren Ende 30 Ideen vorgestellt wurden, von denen wiederum neun eine Auszeichnung bekamen.

„Beim ersten Hackathon gewann eine Lösung für Firmenkunden, die das Auslandsgeschäft unterstützt“, berichtet Welter. Die Software hilft Firmenkunden bei der Frage, in welche Länder sie expandieren können und wo Niederlassungen eröffnet werden sollten. Die Idee wurde laut Welter in ein Projekt überführt, das voraussichtlich nächstes Jahr live geht.

Fintechs bringen DZ Bank näher zum Firmenkunden

Klar ist aber auch: Nicht alle Experimente werden ein Erfolg. Eine strategische Partnerschaft mit Plug & Play, dem Venture-Capital-Arm des Springer-Verlags, hat die DZ Bank kürzlich beendet. „Die Kooperation war auf einen bestimmten Zeitraum angelegt und ist irgendwann ausgelaufen“, meint Welter entspannt.

Dass das frühe Einbeziehen der Kunden immer wieder auch zu Rückschlägen führt und eine Idee im Anschluss noch mal neu- oder komplett umgedacht werden muss, bezeichnet Welter als einen der Lerneffekte aus der Zusammenarbeit mit den Fintechs – diese habe in der Bank das Verständnis für die „Trial-und-Error-Arbeitsmethodik“ geschärft.

Die kreative Start-up-Arbeitsmethoden mit Hackathons und Labs würden von den Bankern gut angenommen. Die wohl wichtigste Lektion ist im Grunde aber banal – und trotzdem in der Realität ein großes Problem der traditionellen Banken: „Wir versuchen nicht auf Basis von Hypothesen zu arbeiten, sondern Dinge direkt mit dem Kunden zu erproben“, sagt Welter.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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