Steigende Umsätze, sinkende Erträge: Factoringanbeiter stöhnen über die Niedrigzinspolitik der EZB.

Jchambers/Thinkstock/Getty Images

27.09.16
Banking & Berater

Factoringanbieter ächzen unter Niedrigzinsen

Die deutschen Factoringanbieter rennen von Rekord zu Rekord – allerdings nur bezogen auf den Umsatz. Niedrigzinsen und intensiver Wettbewerb mit Banken setzen die Gewinne der Forderungsfinanzierer unter Druck.

Die Wachstumsdynamik des Factoringmarkts scheint kaum aufzuhalten zu sein: Im vergangenen Jahr ist das Factoring-Volumen in Deutschland um gut 10 Prozent auf 209 Milliarden Euro gewachsen – eine historische Bestmarke. Aber nicht nur das Volumen der Forderungsverkäufe, sondern auch die Anzahl an Kunden stieg 2015, und zwar auf 20.300. Das entspricht einem Plus von 7,6 Prozent. In den ersten sechs Monaten diesen Jahres geht die Erfolgsserie weiter: Die Umsätze sind die auf 104,5 Milliarden Euro gewachsen – immerhin noch 4 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Allerdings sorgen die von der EZB verordneten Niedrigzinsen bei immer mehr Anbietern für Sorgenfalten. „Spaß macht die Zinspolitik nicht“, sagt Joachim Secker von Targo Commercial Finance, das bis vor kurzem noch unter GE Capital Germany firmierte. Der Factoringanbieter verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang des Ergebnisses der normalen Geschäftstätigkeit im Factoring-Bereich um 30 Prozent auf rund 29 Millionen Euro. Davon kann ein deutlicher Anteil den fehlenden Zinseinnahmen zugeschrieben werden.

Das Factoringvolumen war mit 7,4 Prozent aber ebenfalls rückläufig, was der deutsche Marktführer zum Teil auf „die Beendigung einer Großkundenbeziehung“ zurückführt. Deren Auswirkung konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht vollständig durch Neu- und Bestandsgeschäft kompensiert werden.

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Eurofactor: Niedrigzinsumfeld drückt auf Margen

Die Oberhachinger Factoringgesellschaft Eurofactor hätte hingegen allen Grund zur Freude: Der Factoringumsatz belief sich 2015 auf 17,9 Milliarden Euro, was einer Steigerung um 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Doch auch Geschäftsführer Jens Hoter stöhnt über den Druck auf die Margen: Das Jahresergebnis nach Steuern ist im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 12 Millionen Euro gesunken. Eurofactor führt das vor allem auf die EZB-Politik zurück: „Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die erhebliche Liquidität im Markt“ drückten „deutlich auf die Margen“, heißt es im 2015er Geschäftsbericht.

Gerade im Wettbewerb um Kunden müssen die Factoringgesellschaften zunehmend Zugeständnisse machen, erklärt Hoter. Die daraus resultierenden Preisnachlässe belasten auch das Geschäft mit Bestandskunden. Da viele von diesen gute Bonitäten haben, mussten die Oberhachinger „Konditionenzugeständnissen“ machen, „um die Kunden nicht an den Wettbewerb zu verlieren“, heißt es im Eurofactor-Bericht.  Deshalb sei die Ertragskraft bei steigenden Factoringumsätzen gegenüber dem Vorjahr „leicht gesunken“. Fazit: „Das sehr ambitionierte Budget wurde deutlich verfehlt.“

Südfactoring beklagt „verstärkten Wettbewerb“

Auch die Stuttgarter Südfactoring, die zum LBBW-Konzern gehört, klagt über das vergangenen Jahr: „Vor dem Hintergrund der hohen Verfügbarkeit an Liquidität für Unternehmen, der starken Wettbewerbssituation im Factoring-Markt und der Konkurrenz zu klassischen Finanzierungen ist ein deutlicher Preisverlust in der Neuakquisition wie auch im Bestandsgeschäft festgestellt werden,“, berichtet Südfactoring. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit brach bei der LBBW-Tochter um nahezu die Hälfte auf rund 8 Millionen Euro ein.

Der Wettbewerb finde nicht nur zwischen Factoring-Anbietern, sondern zunehmend auch mit Kreditinstituten statt. Die Banken treten laut Südfactoring „mit ähnlichen Produkten wie ABS, ABS light oder Forfaitierungsmodellen am Markt“ auf. Schuldige benennen die Schwaben auch: vor allem „angelsächsische und französische Banken wie auch andere Landesbanken oder genossenschaftliche Dachorganisationen“.

Refinanzierung des Factoringgeschäfts günstig

Der hohe Wettbewerb um Kunden und die abnehmenden Erträge treffen die Anbieter in unterschiedlichem Maße. Auch die Kosten-Ertrags-Relationen sind nach FINANCE-Information recht unterschiedlich: Während diese wichtige Kennzahl bei Eurofactor bei 41 Prozent liegen soll, ist sie bei Südfactoring mit 66 Prozent deutlich höher.

Doch selbst die effzientesten Factoringanbieter können sich den grundlegenden Trends entziehen. „Ich befürchte, dass die Preise weiter fallen werden“, sagt Factoringveteran Secker. Für die Factoringbranche ist der EZB-Turm im Frankfurter Ostend ein Hort des Übels. „Zu viel Geld jagt zu wenige Kunden“, fügt Secker hinzu.

Allerdings profitieren die Anbieter an anderer Stelle auch von den günstigen Refinanzierungsbedingungen. „Die geringen Kapitalmarkt- und Kreditzinsen sorgten auch 2015 dafür, dass die Refinanzierungskosten der auf Leasing und Factoring spezialisierten Anbieter niedrig blieben“, heißt es etwa im Geschäftsbericht der ABCFinance, dem  Factoringanbieter der Werhahn Gruppe in Köln.

In diesem Umfeld sei es Abcfinance 2015 gelungen, „seine Position weiter zu verbessern und Marktanteile hinzugewinnen“. Über die Profitabilität des Factoringgeschäfts schreibt der Finanzdienstleister des Familienunternehmens im Konzern-Geschäftsbericht jedoch nichts.

markus.dentz[at]finance-magazin.de


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