Grenkeleasing-CFO Jörg Eicker (rechts) bei FINANCE-TV: „Keine Margenverwässerung durch Factoring“

FINANCE-TV

18.02.16
Banking & Berater

Grenkeleasing drängt ins Factoring

Mit großer Vehemenz expandiert Grenkeleasing ins Factoringgeschäft. Dies geht zu Lasten der Gewinnmargen. Grenke-CFO Jörg Eicker will die Schlagzahl trotzdem hochhalten, denn der Kapitalmarkt macht Druck.

Der Finanzdienstleister Grenkeleasing forciert seine Expansion ins Factoringgeschäft. Im abgelaufenen Geschäftsjahr holten die Baden-Badener Factoringgeschäft mit einem Volumen von fast 325 Millionen Euro an Land– das sind 55 Prozent mehr als im Jahr davor. Das Expansionstempo hat ebenfalls deutlich zugelegt: 2014 war das Factoringvolumen im Vergleich zum Vorjahr nur um 16 Prozent gewachsen. Für dieses Jahr rechnet Grenke mit einem Ausbau des Factoringvolumens um weitere 30 bis 35 Prozent.

Ein Factoringvolumen  von einer halben Milliarde Euro würde damit in greifbare Nähe rücken. Nichtsdestotrotz wäre Grenke auch nach einem solchen Wachstumsschub noch nicht unter den großen Anbietern am deutschen Factoringmarkt, denn auch andere Factoringhäuser wachsen stürmisch. Auch der Gesamtmarkt hat 2015 deutlich zugelegt.

Das liegt vor allem daran, dass das Portfolio sehr kleinteilig ist. Wie im Kerngeschäft Leasing zielt Grenke auch beim Factoring auf Kleinunternehmen ab. Die angekauften Forderungsvolumina liegen daher oft nur bei wenigen Tausend Euro. Der größte Teil des Zuwachses des vergangenen Jahres wurde zudem nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz erzielt.

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Grenke-CFO Jörg Eicker: „Inkassogeschäft drückt Factoringmargen“

Dies belastet die Profitabilität: Im internationalen Factoringgeschäft, zu dem auch noch Ungarn und Großbritannien zählen, ist Grenkes Gewinnmarge zwischen dem ersten und dem vierten Quartal 2015 von 1,6 auf 1,3 Prozent zurückgegangen. Im sehr hart umkämpften deutschen Factoringmarkt verdiente der börsennotierte Konzern zuletzt immerhin noch 2,0 Prozent. 

Befürchtungen, wonach sich der erfolgsverwöhnte Leasingspezialist in den Preiskriegen auf dem Factoringmarkt aufreiben könnte, weist Finanzchef Jörg Eicker jedoch weit von sich: „Im Factoring erwirtschaften wir ähnliche Margen wie in unserem Kerngeschäft Leasing“, erklärte Eicker gegenüber FINANCE-TV. Dass die Profitabilität der Factoringgeschäfte auf niedrigem Niveau tendenziell weiter zurückgeht, führt Eicker auf eine temporäre Verschiebung im Produktmix zurück: „In unserem reinen Factoringgeschäft hat sich an der Marge nichts verändert. Aber der Anteil des Inkassogeschäfts ist gestiegen, und weil das deutlich risikoärmer ist, sind dort auch die Margen niedriger.“

Aktienkurs von Grenkeleasing hat sich verdoppelt

Für Eicker und Firmenchef Wolfgang Grenke ist ein rund laufendes Factoringgeschäft strategisch wichtig. Denn mit steigender Unternehmensgröße wird es immer schwerer, die hohen Wachstumsraten im Leasinggeschäft – 20 Prozent im vergangenen Jahr, 13 Prozent im Jahr davor – durchzuhalten.

Die zusätzlichen Leasingkontrakte zieht Grenke an Land, indem der SDax-Konzern in der Fläche expandiert und an immer kleineren Standorten in Deutschland und dem europäischen Ausland Niederlassungen eröffnet. Gleichzeitig betritt Grenke jedes Jahr ein bis zwei Auslandsmärkte, im vergangenen Jahr öffneten die Badener ein Büro in Singapur. Doch das Volumen der dort generierten Geschäfte fällt gegenüber dem Stammgeschäft noch nicht nennenswert ins Gewicht. 

Die Investoren erwarten indes Wachstum: Nachdem sich der Aktienkurs seit Ende 2014 mehr als verdoppelt hat, bringt das börsennotierte Familienunternehmen inzwischen eine Marktkapitalisierung von 2,5 Milliarden Euro auf die Waage – bei einem Nettogewinn, der in diesem Jahr auf 93 bis 98 Millionen Euro ansteigen soll. Hohe Wachstumsraten sind an der Börse bereits eingepreist. Auch deshalb muss Eicker das Tempo im Factoringgeschäft hoch halten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr Infos über Karriere und Werdegang von Grenke-CFO Jörg Eicker finden Sie bei FINANCE-Köpfe. Das vollständige FINANCE-TV-Video mit Jörg Eicker sehen Sie hier.