Scope-Manager Stefan Bund: Die Ratingagentur erhofft sich satte Millionenerlöse aus dem Einstieg ins Risikomanagement-Geschäft.

Scope

26.09.17
Banking & Berater

Scope steigt ins Risikomanagement-Geschäft ein

Die Ratingagentur Scope gründet eine Risikomanagement-Tochter. Die Berliner sehen dort einen großen Markt – und die Basis für die weitere Expansion ins Ausland.

Die Ratingagentur Scope baut einen Geschäftsbereich für Risikomanagement-Dienste auf. Diesbezügliche Informationen aus Unternehmenskreisen bestätigte Scope gegenüber FINANCE . Die Berliner haben eine neue Tochterfirma mit dem Namen „Scope Risk Solutions“ gegründet, die institutionelle Investoren beim Risikomanagement unterstützen soll.

Kernzielgruppe der neuen Scope-Tochter sind kleine und mittelgroße Banken und Versicherungen – die Großkonzerne verfügen in der Regel über selbst entwickelte Risikomanagementsysteme. Auch andere institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versorgungswerke spricht Scope an.

Scope Risk Solutions will von Regulierungswelle profitieren

Sie alle stehen unter einem hohen Druck der Marktregulierer: Bei der Einschätzung von Kreditrisiken dürfen sie sich künftig nicht mehr allein auf externe Ratings verlassen. Der Aufbau eigener Risikomanagementsysteme ist jedoch teuer. Außerdem fehlt es vielen Adressen an der nötigen Datenbasis, um die Risiken in ihren Portfolien sauber abschätzen zu können. „Wir möchten Unternehmen ansprechen, die eine eigene Abteilung für das Credit Risk Management  nicht oder noch nicht aufbauen möchten oder die sich zunächst nur auf bestimmte Bereiche konzentrieren wollen“, umreißt Stefan Bund, Geschäftsführer von Scope Risk Solutions, das Vorhaben.

Scope betritt diesen Markt mit einer recht umfangreichen Palette von Risikomanagementlösungen, aus denen die Kunden die für sie wichtigen auswählen können. In einer einfachen Version stellt Scope ihnen nur Bewertungsmodelle und Datensätze zur Verfügung, mit denen die Investoren ihre bestehenden IT-Systeme füttern. Scope will allerdings auch eine Komplettlösung anbieten, ähnlich jenen Systemen, wie sie die großen Bank- und Versicherungskonzerne selbst entwickelt haben.

Ähnliche Services bieten auch die großen globalen Ratingagenturen an. Allerdings müssen die Asset-Manager die Rahmenbedingungen und Gewichtungen in ihren Systemen selbst definieren beziehungsweise die von ihren Dienstleistern vorgeschlagenen Methoden explizit freizeichnen, sonst drohen ihnen Konflikte mit den Aufsehern.

Scope Risk Solutions startet mit zehn Mitarbeitern – will aber bald mehr

An den Start geht Scope Risk Solutions zunächst mit einer kleinen Mannschaft von zehn Personen mit Sitz in Frankfurt und London. Acht davon sind Analysten. Das Team soll laut Bund aber ausgebaut werden. Denkbar sei, Kreditanalysten auch an neuen Standorten anzuheuern, zum Beispiel in Osteuropa, wo Bund ebenfalls Kunden gewinnen will.

Das Geschäftspotential bezeichnet er gegenüber FINANCE als „hoch“: Für ganz Europa beziffert Bund die Größe des adressierbaren Marktes auf einen dreistelligen Millionenbetrag. „Wir sehen uns in einer guten Position, an diesem Markt zu partizipieren“, so der Scope-Manager.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de 

Auch im Stammgeschäft mit Ratings verfolgen die Berliner ehrgeizige Pläne. Welche genau, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Scope.