Scope-Gründer Florian Schoeller (links) und der Rating-Chef Torsten Hinrichs forcieren den Angriff auf die europäische Ratingspitze.

Scope

30.06.16
Banking & Berater

Scope übernimmt Rating-Sparte von Feri

Die Berliner Ratingagentur Scope drückt bei ihren Wachstumsplänen aufs Gas und übernimmt die Ratingsparte von der zum MLP-Konzern gehörenden Feri-Gruppe. Der Druck auf S&P, Moody’s und Fitch steigt.

Das Berliner Rating- und Researchhaus Scope übernimmt Feri Eurorating Services von dem Finanzdienstleister MLP. Wie beide Unternehmen heute mitteilten, wurde der Deal in der vergangenen Woche unterschrieben und wird am 1. August vollzogen. Das Vermögensverwaltungsgeschäft der Feri-Gruppe bleibt unter dem Dach von MLP.

Scope erschließt sich mit Feri Ratings neue Geschäftsfelder

Scope erhofft sich von Feri in erster Linie Expertise in den Bereichen Länderratings, Immobilienresearch und Fondsanalyse. Dort ist Scope bislang noch nicht nennenswert vertreten. Die Übernahme von Feri führt bei Scope zur Gründung neuer Geschäfsfelder: „Scope Analysis“, wo vor allem Fonds und Asset-Manager unter die Lupe genommen werden, sowie “Scope Investor Services“. „Durch Feri gewinnen wir Geschäftsbereiche hinzu, die wir bislang noch nicht abgedeckt haben“, begründet Florian Schoeller, Chef der Scope-Holding, den Zukauf. Auch im Bereich der Sovereign Ratings – der Bewertung von Staatsanleihen – werde Feri Scope stärken, ließ Schoeller verlauten.

Bislang liegt der Schwerpunkt der Berliner auf Unternehmens- und Bankenratings sowie der Beurteilung von strukturierten Finanzprodukten (Structured Finance). Geleitet wird das Geschäft von Torsten Hinrichs, dem ehemaligen Deutschlandchef von S&P, der im September 2014 zu Scope wechselte. Hinrichs brachte zahlreiche renommierte Ratingspezialisten von S&P mit und hat Scope ehrgeizige Wachstumsziele verordnet: Er will die kleine Ratingagentur zu einer europäischen Ratingagentur aufbauen und auf Augenhöhe mit S&P, Moody’s und Fitch bringen. Zielrichtung ist derzeit noch das Small- und Midcap-Segment, mittelfristig strebt Scope aber auch eine nennenswerte Marktposition bei der Bewertung von Blue-Chip-Konzernen an.    

Auch Feri Ratings befand sich eine Weile auf dem Expansionspfad und hatte zum Sprung in das damals noch wachsende Segment der Mittelstandsanleihen angesetzt. Doch die Offensive blieb früh stecken, als sich die Pleitefälle häuften und auch Feri davon betroffen wurde – die Bad Homburger hatten den an einem Bilanzskandal zu Grunde gegangenen Fahrradproduzenten Mifa geratet.

Stefan Quandt und Manfred Gentz finanzieren Expansion von Scope

Die Expansion lassen sich die Berliner viel Geld kosten. Über 20 Millionen Euro hat Scope laut eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren investiert. Finanziert wird das Wachstum von prominenten Investoren. Neben dem Ankerinvestor Stefan Quandt sind viele weitere bekannte Köpfe aus der deutschen Industrie bei Scope investiert. so zum Beispiel der langjährige Daimler-Chrysler-CFO Manfred Gentz und der Gründer des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners, Hermann Simon.

Laut Scope beträgt das rollierende 12-Monats-Umsatzwachstum derzeit über 50 Prozent. Konzernchef Schoeller kündigt eine Fortsetzung dieses Kurses an: „Wir werden weiterhin sowohl in interessante Wachstumsfelder als auch in passende Übernahmekandidaten investieren.“

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Verfolgen Sie die ganze Wachstumsstrategie der Berliner Ratingagentur mit der FINANCE-Themenseite zu Scope