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07.06.16
Banking & Berater

Wirbel um Unabhängigkeit des Investmentfonds von McKinsey

Einem Bericht der Financial Times zufolge soll ein interner Investmentfonds von McKinsey in Unternehmen investieren, die das Haus berät. Das wirft Fragen zur Unabhängigkeit des Unternehmens auf. McKinsey sieht diese gewahrt.

Was darf eine Beratungsfirma? Mit dieser Frage muss sich aktuell das weltweit größte Beratungsunternehmen McKinsey auseinandersetzen. Der Grund ist ein mehrere Milliarden US-Dollar schwerer Investmentarm des Beratungshauses, der der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbekannt war: die Investmentfirma McKinsey Investment Office Partners (MIO), die der Berater 1985 gegründet hat.

Dieser Fonds verwaltet aktuell ein Vermögen von 9,5 Milliarden Dollar, das Geld stammt etwa zur Hälfte aus dem McKinsey-Pensionsfonds und zur anderen Hälfte von aktuellen und ehemaligen McKinsey-Partnern, wie die Financial Times schreibt. Der Fonds soll dabei helfen, die Bindung zu aktuellen und vor allem ehemaligen Mitarbeitern zu erhalten.

McKinsey investiert Geld aus Pensionsfonds

Das Brisante: Offenbar investiert der Fonds auch in Unternehmen, die von McKinsey beraten wurden sowie in Unternehmen, in denen ehemalige McKinsey-Partner mittlerweile hohe Managementpositionen innehaben, so die Financial Times. Und auch der zwölfköpfige Verwaltungsrat von MIO soll aus Beratern von McKinsey bestehen, heißt es weiter.

Da die aktuellen und ehemaligen Partner über Interna der Unternehmen Bescheid wissen könnten, die Externen nicht bekannt sein dürften, stellt sich die Frage nach einem Interessenskonflikt.

McKinsey: „MIO arbeitet als ‚blind trust‘ “

Das Beratungshaus betont, dass die Unabhängigkeit gewahrt sei. Wissentliche Investitionen in Kunden der Beratung soll es nicht geben. Gegenüber FINANCE sagte ein McKinsey-Sprecher: „MIO arbeitet als ‚blind trust‘. Seine Investmentmanager haben keinerlei Kenntnis, wer unsere Beratungsklienten sind und was wir bei ihnen machen.“ Umgekehrt wüssten auch die Berater nicht, in welche Papiere MIO investiert sei. Das sei durch Chinese Walls und vollständig getrennte IT-Systeme sowie Räumlichkeiten sichergestellt. Wenn es also zu einem Investment in eine Firma komme, die von McKinsey beraten werde, sei das Zufall, so das Beratungshaus.

Angesichts dessen, dass McKinsey eine Vielzahl von Kunden weltweit berät, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ab und an ein Mandant unter den Investments ist. In der öffentlichen Wahrnehmung könnten solche Konstellationen dennoch einen schlechten Beigeschmack haben – zumal jetzt, da McKinseys Investmentarm vielen Beobachtern erst bekannt geworden ist.

Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer werden streng beobachtet

Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer stehen immer wieder unter strenger Beobachtung, wenn es um Ihre Unabhängigkeit geht. Zuletzt handelte die weltweit größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sich mit einer Studie Ärger ein, weil einige Kritiker ihre Unabhängigkeit anzweifelten. Die Wirtschaftsprüfer hatten ausgerechnet, wie teuer eine Abstimmung in Australien zur Homo-Ehe wäre und mit dem Ergebnis die politische Position der australischen Homosexuellenvertreter gestärkt.

Das Problem daran: PwC war erst kurz zuvor zum wiederholten Male zum besten Arbeitgeber Australiens für Lesben und Schwule gekürt worden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de