Die Kaufkraft chinesischer Investoren ist hoch. Der M&A-Berater CV Capital will sein Netzwerk nutzen, um mehr Geschäft in Europa zu tätigen.

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27.03.17
Banking & Berater

Ernst Ludes soll Europageschäft von CV Capital aufbauen

Die chinesische M&A-Beratung CV Capital will in Europa stärker mitmischen. Dabei helfen soll der frühere EQT-Partner Ernst Ludes.

Das Interesse chinesischer Investoren an deutschen M&A-Zielen hat im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht, und auch für europäische Unternehmen ist der Wachstumsmarkt China interessant. Von dem daraus resultierenden Wachstum der Transaktionstätigkeit möchte auch der chinesische M&A-Berater CV Capital profitieren. Das Beratungshaus, das sich auf die Begleitung von M&A-Deals, Leveraged Buy-outs und Kapitalvermittlung spezialisiert, hat nach eigenen Angaben seit 2007 weltweit M&A- sowie Private-Equity-Transaktionen im Gesamtvolumen von mehr als 10 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.

In diesem Jahr will CV Capital sein Europageschäft aufbauen: Nach Büros in China und den USA eröffnete das Unternehmen zu Jahresbeginn einen Standort in München. Geleitet wird dieser von Ernst Ludes. Dieser war von 2005 bis 2010 Partner bei dem internationalen Private-Equity-Investor EQT und arbeitete zuvor bei dem britischen Private-Equity-Fonds Alchemy Partners sowie der M&A- und Corporate-Finance-Beratung Drueker & Co. Seine Karriere startete er bei McKinsey. 2010 gründete Ludes das Beratungshaus Turning Point Investments zur Beratung von Unternehmen in Sondersituationen. 

Ernst Ludes bringt Private-Equity-Erfahrung mit zu CV Capital

Neben Ernst Ludes, der als Managing Director bei CV Capital eingestiegen ist, arbeiten drei Associates aus München heraus an Transaktionen. Das chinesische Beratungshaus will auch in Deutschland in erster Linie potentielle Käufer für verkaufswillige Unternehmer finden. „In mehr als 90 Prozent der Fälle werden wir von der Verkäuferseite mandatiert“, sagt Ludes. Die lange Jahre im Mittelstand verwurzelte Skepsis gegenüber chinesischen Käufern geht seiner Wahrnehmung nach zurück: „Es ist bekannt, dass chinesische Bieter in Transaktionen sehr faire Preise zahlen. Zudem spricht sich herum, dass chinesische Investoren angenehme Shareholder sind.“

In Deutschland ist CV Capital bislang jedoch kaum in Erscheinung getreten. Im vergangenen Jahr waren die Chinesen Co-Financial Advisor bei der Übernahme des Hamburger Unternehmens Smaato durch das chinesische Werbeunternehmen Spearhead. Die Übernahme des Vermittlers von Smartphone-Werbung hatte ein Volumen von 148 Millionen US-Dollar.

Wie viele andere M&A-Berater setzt auch CV Capital auf eine eng umrissene Sektorexpertise. Als Fokusindustrien nennt Ludes die Branchen TMT, Healthcare und Manufacturing. „Der deutsche Markt wird einen erheblichen Stellenwert für unser Europageschäft haben“, sagt Ludes, der bereits im laufenden Jahr mit ersten Transaktionen rechnet. Zielvorgaben für die geplante Entwicklung des Europageschäfts nennt CV Capital nicht. Wenn das Geschäft gut anläuft, ist Ludes zufolge jedoch denkbar, das europäische Team von derzeit vier Leuten aufzustocken.

M&A-Deals mit China-Bezug sind heiß umworben

Bei CFOs und PE-Investoren will CV Capital mit seiner Kenntnis des chinesischen Marktes punkten. Gegenüber den China-Desks anderer M&A-Berater sieht CV Capital sich aufgrund seines Netzwerks im Vorteil. Auch Anbieter aus dem Private-Equity-Umfeld, die sich darauf konzentrieren, chinesische Investoren und europäische M&A-Ziele zusammenzubringen, sieht Ludes nicht als direkte Konkurrenz. „Sie arbeiten als Investoren, während wir als Berater arbeiten“, sagt er.

Dennoch sind verkaufswillige Unternehmen derzeit hart umworben. Im Private-Equity-Umfeld ist in Deutschland beispielsweise der Investor Agic im Markt, der europäische Mittelständler kaufen will, um ihnen dann Zugang zu chinesischen Absatzmärkten zu verschaffen. Auch der italienisch-chinesische Private-Equity-Investor Mandarin Capital wächst und hat im Dezember 2015 seinen zweiten Fonds über 200 Millionen Euro abgeschlossen. Mandarin sucht ebenfalls nach Zielunternehmen in Europa, die nach China expandieren wollen. Seit Beginn dieses Jahres ist Inna Gehrt Deutschlandchefin von Mandarin Capital.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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