Ervin Schellenberg (links) und Michael Fabich (rechts) sind die beiden Gründer der Wiesbadener Corporate-Finance-Beratung EquityGate.

EquityGate

18.04.16
Banking & Berater

M&A-Berater Equitygate fusioniert mit Capitalmind

Das Wiesbadener Corporate-Finance-Haus Equitygate schließt sich mit den M&A-Beratern von Capitalmind zusammen. Es entsteht eine europaweite M&A-Beratung – das erhöht den Druck auf die großen Netzwerke.

Die Konsolidierungswelle unter den M&A-Beratern geht weiter. Wie vor wenigen Minuten bekannt wurde, schließt sich die Wiesbadener M&A-Boutique Equitygate mit dem vor allem in Frankreich und in den Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg vertretenen Beratern von Capitalmind zusammen. Unter deren Namen wird das neue Beratungshaus künftig auch firmieren. Beide Häuser gehörten bereits seit längerem zu dem M&A-Netzwerk Global Mergers Alliance.

Laut Ervin Schellenberg, Mitgründer von Equitygate, sei der Zusammenschluss „unbedingt notwendig“, da der Wunsch der Kunden nach einem paneuropäischen Corporate-Finance-Berater immer größer geworden sei. „Wichtig ist dabei vor allem eine vollintegrierte Partnerschaft, mit einer einheitlichen Sprache, unter einer einheitlichen Führung“, so Schellenberg gegenüber FINANCE.

Die Zugehörigkeit zu einem internationalen M&A-Netzwerk reiche inzwischen laut Schellenberg nicht mehr aus. „Die Netzwerke bestehen aus zu vielen einzelnen Firmen, was ihre Schlagkraft begrenzt. Wir sehen uns mit Capitalmind international als Partnerschaft und nicht als Netzwerk“, ergänzt Equitygate-Mitgründer Michael Fabich.

Ervin Schellenberg rückt in das Management-Board von Capitalmind

Geführt wird Capitalmind auf internationaler Ebene künftig von einem dreiköpfigen Management-Board um die drei Managing Partner Jan Willem Jonkmann (Benelux), Michael Degryck (Frankreich) und Ervin Schellenberg (Deutschland). Getragen wird Capitalmind von insgesamt 16 Equity-Partnern, zu denen neben den beiden Equitygate-Gründern Schellenberg und Fabich auch der bisherige Equitygate-Partner Uwe Kröger und der vor 18 Monaten dazugekommene Robert Schulhauser zählen werden. Ergänzt wird das Team um rund 40 weitere Corporate-Finance-Professionals. Schellenberg und Fabich betonten, dass alle bisherigen Equitygate-Partner an Bord bleiben. Tendenziell sollen sogar neue Partner aufgenommen werden.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein europaweites Corporate-Finance-Beraterhaus, das ausgehend von sechs Büros in den Niederlanden, Frankreich, Dänemark, Deutschland und Slowenien in insgesamt sechs Kernsektoren beraten wird. In Deutschland wird das Industrie- und das Healthcare-Geschäft angesiedelt. Frankreich koordiniert die Bereiche Business-Services und Consumer, die Niederlande die Sektoren Food und TMT. Capitalmind ist hauptsächlich, aber nicht nur bei M&A-Transaktionen engagiert: Das M&A-Geschäft macht laut Schellenberg 60 Prozent der Geschäftsaktivitäten aus. Die restlichen 40 Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen auf Management-Buyouts und Growth & Debt Financing.

Capitalmind zielt nach dem Merger auf kleinere M&A-Deals

Equitygate hat seine Wurzeln ursprünglich in der Restrukturierungsberatung, in den zurückliegenden Jahren wurde der M&A-Arm jedoch zunehmend stärker. „Durch den Merger wird der Sweetspot unserer Beratungsmandate eher kleiner, unser Fokus liegt auf dem deutschen Midcap-Markt“, erklärt Schellenberg. Während das Dealvolumen bei Equitygate früher in der Spitze bis zu 1 Milliarde Euro  betrug, wolle man sich künftig vor allem auf Volumina zwischen 50 und 250 Millionen Euro konzentrieren.

Punktuell gehe man jedoch auch in kleinere Transaktionen, zum Beispiel wenn es um die Nachfolgereglung von Mittelständlern geht. Kerngeschäft werden nun auch Transaktionen, die früher nur punktuell begleitet wurden. Als Beispiel nennen Schellenberg und Fabich den Verkauf von Maier Sports an den Private-Equity-Investor Findos, der allerdings schon viereinhalb Jahre zurückliegt, oder den Einstieg von Caldec bei der Technogroup. „Deutsche Mittelständler zu internationalisieren und mit privatem Eigenkapital und Know-how für grenzüberschreitendes Wachstum auszustatten, birgt großes Potential“, so Schellenberg.

Equitygate und Capitalmind erhöhen Druck auf M&A-Netzwerke

In diesem Sweetspot ist Capitalmind/Equitygate jedoch nicht alleine, der deutsche Mittelstand ist heiß umkämpft: M&A-Boutiquen, Investmentbanken und auch die großen M&A-Netzwerke wie IMAP oder M&A International buhlen um die lukrativen Mandate. Offenbar machen die Kunden derzeit aber reichlich Druck auf ihre Berater, ihnen Zugang zu einer seriösen internationalen Aufstellung zu ermöglichen. Dies hat schon mehrere Fusionen von M&A-Beratern angestoßen: Zuletzt hatten sich beispielsweise die M&A-Berater von @visory mit Clearwater zusammengeschlossen. Die pan-europäische N+1-Gruppe fusionierte mit Downer.  

Dies erhöht den Druck auf die Netzwerke, nachzuweisen, dass ihre lockerere Form der Zusammenarbeit noch zeitgemäß ist. Zuletzt gab es unter den deutschen Mitgliedern der führenden Netzwerke Personalabgänge zu vermelden: Die Mannheimer IMAP M&A Consultants verlor gleich mehrere Senior-Manager. Bei Angermann M&A International zog sich der Chef des Frankfurter Büros, Ali Tasbasi, vor kurzem zurück.  

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

M&A-Boutiquen fusionieren mit Partnern, Investmentbanken sichern sich durch die Übernahme deutsche Häuser den Eintritt in den Markt. Alles über die Konsolidierungen, die wichtigsten personellen Zu- und Abgänge sowie aktuelle Einschätzungen der Branchenteilnehmer zum Markt finden Sie auf der FINANCE-Themenseite M&A-Berater.