Melville Mummert hat große Pläne auf dem Übernahmemarkt.

Mummert & Company

05.09.16
Banking & Berater

Melville Mummert: “Wollen M&A-Beratungen in London kaufen”

Die Münchener M&A-Boutique Mummert & Company ist im Finanzkonzern Raymond James aufgegangen. Mit Unterstützung der Amerikaner will Melville Mummert jetzt quer durch Europa expandieren.

Melville Mummert hat große Pläne auf dem europäischen M&A-Markt. Anfang Juni hat der US-amerikanische Finanzkonzern Raymond James seine 25 Mitarbeiter große Münchener M&A-Boutique übernommen.

Bei Raymond James ist Mummert seitdem Europachef der Investmentbanking-Sparte. Der Titel ist programmatisch: Raymond James‘ Auftrag an ihn ist nicht weniger als der Aufbau einer europäischen Investmentbank mit Spezialisierung auf mittelgroße Deals. Die Amerikaner sind bislang allein auf ihrem Heimatkontinent vertreten und wollen das schnell ändern.

Für Mummert ist das eine ambitionierte Vorgabe, war sein Team bislang doch allein in Deutschland tätig. Die bisher eigenständige Münchener M&A-Beratung soll sich von München aus nun auf dem ganzen Kontinent ausbreiten. „Der nächste Schritt für uns ist es, ein Büro in London zu gründen“, sagt Melville Mummert im Interview mit FINANCE. Der 58-Jährige ist zwar gebürtiger Amerikaner, hat aber den größten Teil seines Lebens in Deutschland verbracht.

Mummert: „Klassische Midcap-Häuser nicht europaübergreifend“

Mummerts Visionen sind groß: „Im Midmarket gehören wir schon zu den drei größten M&A-Beratungen in Deutschland“, sagt der M&A-Berater. „In diese Größenklasse wollen wir es jetzt auch europaweit schaffen.“ Nach eigenen Angaben bringt es Mummert im Zeitraum von 2009 bis zum vergangenen März auf 52 Sell-Side-Mandate von Unternehmen im Wert von weniger als einer halben Milliarde Euro. Zuletzt hat die Boutique etwa den Investor Aurelius beim Verkauf des Personaldienstleisters Fidelis beraten.

Der Markt sei für die Expansionspläne seiner Firma aufnahmebereit, glaubt Mummert, schließlich gibt es ihm zufolge bisher im Midmarket keinen echten paneuropäischen M&A-Spieler. „Die klassischen Midcap-Häuser in Deutschland arbeiten nicht europaübergreifend, während Investmentbanken wie Rothschild oder Lazard mittelgroße Deals nur in Ausnahmefällen machen“ , argumentiert Mummert.

Um sich auf dem britischen Markt für M&A-Berater schnell zu etablieren, will er mit der Finanzkraft von Raymond James im Rücken dortige Wettbewerber übernehmen. „Wir wollen M&A-Beratungen in London kaufen“, kündigt er an. „Wir interessieren uns für Boutiquen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen fünf und 50.“ Außerdem sei er auf der Suche nach einzelnen, erfahrenen M&A-Beratern in der britischen Hauptstadt.

Unter Raymond James will Mummert Mitarbeiterzahl verdoppeln

Auch hierzulande stehen die Zeichen auf Expansion. „In Deutschland wollen wir unsere Mitarbeiterzahl in den nächsten drei bis fünf Jahren verdoppeln“, kündigt Mummert an. „Dabei erwägen wir auch, ein Büro in Frankfurt für die Beratung der dort ansässigen Finanzinvestoren sowie von kapitalmarktbezogenen M&A-Deals aufzumachen.“

Mummert wirbt auch um verkaufswillige deutsche Unternehmer, die bislang auf andere M&A-Berater gesetzt haben. Sein Hauptargument sind die von ihm postulierten Vorzüge eines internationalen Finanzkonzerns. Die neue Mutter Raymond James ist in den USA börsennotiert und derzeit mehr als 8 Milliarden US-Dollar wert. „Als Raymond James können wir den Mittelständlern eine stärkere Internationalität bieten. Das hilft bei Verkaufsmandaten in die USA, aber auch bei Börsengängen: In Deutschland sind die Märkte für Mittelständler nicht gerade aktiv. Wir können helfen, eine europäische Firma an die US-Technologiebörse Nasdaq zu bringen.“

Tatsächlich geht der Branchentrend unter M&A-Beratungen in diese Richtung. Zuletzt gab es gleich mehrere Übernahmen deutscher Häuser durch internationale Konkurrenten. Beispielsweise hat sich die Wiesbadener Beratung @visory mit dem internationalen und deutlich größeren Wettbewerber Clearwater zusammengetan. Die Münchener Boutique Cartagena wurde von der Pariser Investmentbank Bryan Garnier übernommen.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Schon immer befassen sich M&A-Boutiquen mit Deals. Aber dass sie das Wissen um Fusionen und Übernahmen auf sich selbst anwenden, ist neu. Lesen Sie alles über die Entwicklung auf unserer Themenseite M&A-Berater.