Raymond James will sich mit einer Übernahme der Münchner M&A-Beratung Mummert & Company den Zugriff auf die europäische Private-Equity-Branche erkaufen.

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01.06.16
Banking & Berater

Raymond James kauft M&A-Beratung Mummert & Company

Der Finanzdienstleister Raymond James übernimmt die Münchener M&A-Beratung Mummert & Company. Die Amerikaner haben es vor allem auf Private-Equity-Deals abgesehen. Die deutschen Mitglieder von M&A-Netzwerken geraten unter Druck.

Der große amerikanische Finanzdienstleister Raymond James hat die Münchener M&A-Beratung Mummert & Company übernommen. Das gaben die beiden Häuser heute bekannt. Mummert & Company wird künftig auch in Deutschland unter der Marke Raymond James auftreten.

Raymond James plant, Mummert & Company in die eigene Corporate-Finance-Abteilung einzugliedern. Der bisherige Managing Partner von Mummert & Company, Melville Mummert, führt künftig das europäische Beratungsgeschäft von Raymond James. Wie ein Sprecher gegenüber FINANCE bestätigte bleibt das gesamte Mummert & Company-Team auch nach der Übernahme zusammen. 

Die an der New Yorker Börse notierten Finanzierungsberater von Raymond James wollen sich nach eigenen Angaben mit Mummert & Company den Zugriff auf die europäische Private-Equity-Branche erkaufen. Laut Unternehmensangaben hat Mummert & Company mehr als 50 Transaktionen mit PE-Hintergrund begleitet. Beide Häuser hatten zuletzt zusammen bereits Aurelius beim Verkauf des Personaldienstleisters Fidelis HR an den strategischen Käufer SD Worx beraten.

Fusionswelle bei den M&A-Beratern hält an

Der Deal ist nur die jüngste Fusion unter M&A-Beratern in Deutschland. Den beratenen Unternehmen reicht die oft relativ lockere Verbindung über ein M&A-Netzwerk wie M&A International oder IMAP oft nicht mehr aus. Auch die Wiesbadener M&A-Boutique Equitygate hatte sich gegen ein Netzwerk entschieden und fusionierte stattdessen mit den Beratern von Capitalmind.

Zuvor taten sich @visory mit Clearwater und N+1 mit C.W. Downer zusammen. N+1-Deutschlandchef Wolfram Schmerl sagte bei FINANCE-TV, die Verbindungen eines M&A-Netzwerks seien zu lose. Nötig seien „eine Payroll, eine Marke, gleiche Qualitätsansprüche“. Auch Raymond James vertritt die Meinung, dass Kunden effektiver bedient werden können, wenn die involvierten Berater bei den Transaktionen für die selbe Firma und auf Basis gleicher Abläufe und Interessen arbeiten. Mit Netzwerken arbeite man laut eines Sprechers nur  "gelegentlich" zusammen, insbesondere in Regionen ohne eigene Büros. 

Ein weiterer Schlag für die großen deutschen M&A-Netzwerke ist, dass sie zuletzt die Abgänge von hochkarätigen Beratern verkraften mussten. Das Mannheimer Netzwerk IMAP verlor seinen Partner Werner Warthorst, der inzwischen als Senior Manager bei dem Beratungshaus hww tätig ist. Christian Hamacher, ebenfalls Partner, zog es als Managing Director zu Better Heads, ein Online-Vergleichsportal für Personalberater. Angermann M&A International muss seinen Vorstand Ali Tasbasi ersetzen, der das Netzwerk im April verlassen hat.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Immer mehr M&A-Boutiquen kehren den M&A-Netzwerken den Rücken und fusionieren stattdessen. Wer mit wem fusioniert und wie die Netzwerke reagieren, mit der FINANCE-Themenseite M&A-Berater bleiben Sie auf dem Laufenden.