Deloitte ist 2015 sehr stark gewachsen – doch PwC, Ernst & Young und KPMG sind immer noch weit Vorne.

Deloitte

06.10.16
Banking & Berater

Deloitte verfehlt Milliardenmarke nur knapp

Deloitte überrascht mit einem starken Umsatzwachstum auf fast 1 Milliarde Euro. Im Corporate Finance legt die WP-Gesellschaft sogar um mehr als 50 Prozent zu – ein lauter Warnschuss für andere M&A- und Finanzierungsberater.

Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 in Deutschland vorgelegt. Insgesamt ist Deloitte um 22 Prozent gewachsen und hat mit einem Umsatz von 963 Millionen Euro die Milliardenmarke nur knapp verfehlt. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 790 Millionen Euro.

Mit diesem Wachstum ist Deloitte deutlich näher an die anderen Big Four KPMG, Ernst & Young und PwC gerückt, liegt allerdings immer noch weit hinten auf dem 4. Platz. Im Geschäftsjahr 2014 hatte PwC einen Umsatz von 1,65 Milliarden Euro, Ernst & Young 1,53 Milliarden Euro und KPMG 1,51 Milliarden Euro. Zahlen für 2015 legen die drei Gesellschaften in den kommenden Wochen vor.

Deloitte wächst vor allem in der Beratung

Der stärkste Wachstumstreiber war allerdings nicht das klassische Geschäft mit der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, sondern die Beratungsleistungen. So ist Deloitte im Bereich Financial Advisory um 51 Prozent auf 157 Millionen Euro gewachsen, im Vorjahr lag das Wachstum noch bei nur knapp 6 Prozent. Zu Financial Advisory gehören Beratungsleistungen etwa im Bereich Versicherungen, Bewertungen und M&A. Für viele Corporate-Finance-Berater dürfte das starke Wachstum ein Warnschuss sein.

Ebenfalls stark ist das Consulting-Geschäft gewachsen. Es hat um 37 Prozent auf 314 Millionen Euro zugelegt, im Vorjahr lag das Wachstum noch bei rund 4 Prozent. Zum Consulting-Geschäft gehört die strategische Unternehmensberatung, die laut Deloitte momentan durch die digitale Transformation getrieben wird.

Wirtschaftsprüfung ist nicht mehr das umsatzstärkste Feld bei Deloitte

Überraschend ist, dass die Unternehmensberatung zum ersten Mal mehr zum Umsatz beiträgt als die Wirtschaftsprüfung als ursprüngliches Kerngeschäft. Dort liegt der Umsatz bei 303 Millionen Euro, das Wachstum ist mit 7 Prozent mager – und sinkt: Im Geschäftsjahr 2014 lag es noch bei rund 15 Prozent. Und das, obwohl Deloitte auch die starken Wachstumsfelder Cybersecurity und Risk Analytics in den Bereich Wirtschaftsprüfung einsortiert.

Auch das Steuerberatungsgeschäft schneidet im Vergleich zur Beratung eher mau ab, dort ist der Umsatz um 9 Prozent (Vorjahr: knapp 5 Prozent) auf 189 Millionen Euro gewachsen.  

Der Trend, dass die Wirtschaftsprüfer immer stärker in der Beratung wachsen, zeigt sich bereits seit einigen Jahren. Dass eine Wirtschaftsprüfung mehr Umsatz in der Beratung als in der Prüfung macht, kam bisher allerdings noch nicht vor.

Wirtschaftsprüfer kaufen Unternehmensberatungen

Wie wichtig die Beratung für die WP-Gesellschaften ist, zeigt sich auch darin, dass diese im vergangenen Jahr in diesem Bereich verstärkt zukauft haben. So hat Ernst & Young Innovalue gekauft und PwC mit Persicon  und der Outbox Group sogar zwei Beratungshäuser.

Dabei stehen sie nicht nur in Konkurrenz zueinander, sondern auch in Konkurrenz zu den großen Strategieberatern McKinsey , BCG und Bain sowie spezialisierten Beratungshäusern wie Accenture und Horváth. Deloitte-Chef Martin Plendl ist allerdings überzeugt, dass Deloitte einen entscheidenden Vorteil hat: „Was Deloitte von den großen Strategieberatern unterscheidet, ist, dass wir neben technologischen und branchenspezifischen Kompetenzen auch Know-How in Regulatorik, Steuern, Recht und Risk haben“, findet er.

Für das laufende Geschäftsjahr sagt Deloitte ein zweistelliges Wachstum voraus. Denkbar wäre, dass das Wachstum wieder in einem ähnlichen Bereich wie 2015 liegt, so Plendl. Im ersten Quartal 2016 wuchs Deloitte um 21 Prozent.

Deloitte hat Bayer und Tui als neue Mandate gewonnen

In den kommenden Jahren dürfte dann wieder die Wirtschaftsprüfung einen stärkeren Beitrag zum Umsatz leisten. Durch die verpflichtende Abschlussprüferrotation bietet sich Deloitte – die Gesellschaft hat bisher kaum große Prüfungsmandate im Dax – die Chance, große Unternehmen als Kunden zu gewinnen. „Die Vorbereitungen laufen bei uns auf Hochtouren“, sagt CEO Plendl.

Insgesamt will Deloitte 10 bis 15 Prozent der Dax-30-Konzerne gewinnen. „Wir nehmen zwar nur sehr selektiv an Ausschreibungen teil – doch diese Mandate wollen wir dann auch unbedingt gewinnen“, so Plendl.  

Bisher hat diese Strategie bei Bayer und – wie seit gestern bekannt ist – bei Tui funktioniert. Bei Bayer hatte Deloitte sich drei Jahre lang auf den Pitch vorbereitet und die Teams explizit im Bereich Healthcare geschult. Ähnlich dürfte die Vorgehensweise nun im Bereich Automotive oder Banken sein, wenn Deloitte dort ein Dax-30-Mandat gewinnen will.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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