Hubert Barth und Julie Teigland übernehmen den Posten von Georg Graf Waldersee bei Ernst & Young.

EY

08.12.15
Banking & Berater

Ernst & Young: Neuer Deutschlandchef will Dax-Mandate verdoppeln

Die Wirtschaftsprüfung Ernst & Young tauscht ihre Führungsmannschaft. Eine EU-Reform soll dem neuen Deutschlandchef helfen, der Konkurrenz Mandate abzujagen.

Ernst & Young plant, der Konkurrenz mit neuer Besetzung die Kunden abzuknöpfen. Der bisherige Chef Georg Graf Waldersee geht zum Juli 2016 in den Aufsichtsrat. Für ihn kommt als Chefin für den deutschsprachigen Raum Julie Linn Teigland, Deutschlandchef unter ihr wird Hubert Barth.

Hubert Barth, bisher Mitglied der Geschäftsführung und Managing Partner Regional Markets, soll in seinem neuen Job eine EU-Reform für Ernst & Young nutzen: Mit der Abschlussprüferreform will der Gesetzgeber Prüfung und Beratung stärker voneinander trennen und durch eine Rotationspflicht die seit Jahrzehnten zementierten Prüfmandate aufbrechen. Bis 2020 müssen die Mandate neu verteilt werden.

Diese Rotationspflicht steht daher bei allen Big Four ganz oben auf der Agenda, die die Chance nutzen wollen, die Mandate der jeweils anderen abzugreifen. EY prüft derzeit 10 Prozent der Dax30-Unternehmen (Siemens, Beiersdorf und HeidelbergCement) und will in den kommenden Jahren auf 20 Prozent kommen, wie Waldersee erklärt. Die meisten Mandate hat mit Abstand derzeit KPMG, danach folgt PwC. Deloitte hat mit K+S nur ein Mandat, K+S war im September 2008 in den Dax aufgestiegen. Deloitte-Chef Martin Plendl erklärte kürzlich im Interview mit FINANCE, die Rotationspflicht sei eine „Jahrhundertchance“ für Deloitte. 

Julie Teigland soll die Digitalisierung bei Ernst & Young vorantreiben

Hubert Barth kennt sich im deutschen Geschäft gut aus: Der 47-Jährige Diplom-Kaufmann  begann seine Karriere zunächst bei PwC und wechselte 2003 als Leiter des Finanzmanagements zu Allianz Global Investors. Zu EY kam er 2006 als Partner in den Bereich Financial Services. Zuletzt war er Leiter der Region Deutschland Süd von München aus. Barth soll außerdem das Geschäft mit dem Mittelstand stärken, wo sich EY derzeit als Marktführer sieht.

Die zwei große Herausforderung, die EY mit dem Führungswechsel stemmen will, ist die Digitalisierung. Darum soll sich Julie Teigland, bisher Managing Partner EMEIA Accounts bei EY, kümmern. Die Digitalisierung krempelt derzeit die Arbeit die Wirtschaftsprüfer in einem bisher nicht dagewesenen Maße um, sie verändert den gesamten Prüfungsprozess und die Analysetools. Wie viel EY künftig in die Digitalisierung investieren will, wollte Waldersee nicht konkret beziffern – er sprach lediglich von „Megainvestments“.

Teigland soll sich außerdem um die internationalen Kunden kümmern. Ein Blick auf Ihre Biographie erklärt, warum: Die 46-Jährige wurde in Michigan (USA) geboren, lebt seit 30 Jahren in Deutschland und war in der Wirtschaftsprüfung international tätig.  Sie war bei EY für das strategische Wachstumsportfolio von in Deutschland, dann in Zentraleuropa und schließlich in EMEIA (Europa, Mittlerer Osten, Indien und Afrika) verantwortlich. 2015 wurde sie zur stellvertretenden Partnerin DACH ernannt.

Starkes Umsatzwachstum bei Ernst & Young

Georg Graf Waldersee hatte den Chefposten seit 2010 inne. Er ist seit Jahrzehnten bei Ernst & Young und wird jetzt in den Aufsichtsrat des Unternehmens einziehen. Marktbeobachter vermuten, dass er dort den Vorsitz übernehmen könnte.

Während seiner Amtszeit ist EY stark gewachsen. Mit der Entwicklung der Geschäftszahlen im Jahr 2014/2015 zeigt sich Georg Waldersee zufrieden. Die deutsche Gruppe hat beim Umsatz um 9,2 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro zugelegt. Von den Wachstumsraten her ist die Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr etwas besser als bei den anderen Gesellschaften: Der Umsatz von Deloitte ist um 8 Prozent auf 790 Millionen Euro gestiegen, bei PwC um 6,3 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. KPMG hat noch keine aktuellen Zahlen veröffentlicht.

EY: Managementberatung wächst am stärksten

Wie zu erwarten ist das traditionell größte Feld – die klassische Wirtschaftsprüfung – am schwächsten gewachsen. Der Umsatz stieg um 6,5 Prozent auf 536 Millionen Euro an. In der Steuerberatung liegt der Umsatz bei 528 Millionen Euro (+11,6 Prozent). Die Transaktionsberatung hat sich nach einem negativen Wachstum in den vergangenen Jahren wieder erholt und ist um 11,4 Prozent auf 283 Millionen Euro gewachsen. Der Bereich Managementberatung, der bei den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften derzeit die stärksten Wachstumsraten aufweist, ist um 12,6 Prozent auf 248 Millionen Euro gewachsen. Im Vorjahr war der Bereich mit 33 Prozent vergleichsweise enorm gewachsen, was aber vor allem mit dem Kauf der Beratungsfirma J&M Management Consulting im Jahr 2013 zusammenhing.

Für das kommende Geschäftsjahr zeigt sich Waldersee optimistisch: EY werde in einem ähnlichen Ausmaß wie vergangenes Jahr wachsen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de