Ernst & Young habe seine Beratungsleistungen erbracht, das entsprechende Honorar aber immer noch nicht erhalten, sagen die Berater.

Ernst & Young

06.04.17
Banking & Berater

Ex-Apassionata-Chef: EY klagt wegen nicht gezahlter Honorare

Ernst & Young hat den ehemaligen Apassionata-Chef Peter Massine bei der Suche nach einem Investor beraten – das entsprechende Honorar wurde aber offenbar nie gezahlt. Jetzt hat EY geklagt.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) befindet sich in einem Rechtsstreit, in dem es um exklusive Verträge und verweigerte Honorare von bis zu 1,4 Millionen Euro geht. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: Peter Massine, der Gründer und ehemalige Geschäftsführer von Apassionata, einem Unternehmen, das Live-Entertainment-Shows mit Pferden veranstaltet. Im Kapitalmarkt bekannt geworden war Apassionata, als das Unternehmen im Frühjahr 2015 eine Mittelstandsanleihe begeben wollte, die Emission aber schlussendlich absagte.

Der Hintergrund des aktuellen Rechtsstreits: Im Januar 2015 hatte die frühere Peter Massine Entertainment Holding, die heute in der Massine-Group aufgegangen ist, Ernst & Young nach Angaben der WP-Gesellschaft damit beauftragt, nach einer Finanzierungslösung für den Bau eines großen Showpalasts für Apassionata in München zu suchen.

Als Bezahlung für den Auftrag sollte EY zeitlich begrenzt für einige Monate ein verhältnismäßig geringes monatliches Honorar sowie ein erheblich höheres Erfolgshonorar dann bekommen, wenn es zu einem erfolgreichen Vertragsabschluss mit einem Investor oder einer Finanzierungsvereinbarung gekommen wäre. Wie üblich orientiert sich die Höhe dieses Honorars an der Investitionssumme.

Hinzu kam: EY wurde nach Angaben seiner Rechtsanwälte Exklusivität zugesichert, was bedeutet, dass nur EY mit der Vorbereitung und Unterstützung bei der Investorensuche betraut wird.

Apassionata soll bis heute kein Honorar an EY gezahlt haben

EY habe daraufhin auftragsgemäß „umfangreiche Analysen, Prozessdefinitionen und Vorgespräche“ durchgeführt, wie die Kanzlei Redeker Sellner Dahs, die EY bei der Klage vertritt, schreibt. Doch dann verständigte sich Apassionata offenbar überraschend selbst mit einem Investor, vermutlich einer Tochterfirma des chinesischen Immobilienentwicklers Hongkun International Holdings Limited, so die Kanzlei. EY war dabei offenbar außen vor, was nach Ansicht der Anwälte ein Verstoß gegen die Exklusivitätsvereinbarung sei.

Zudem habe EY nur das geringe monatliche Honorar bekommen, nicht aber die Erfolgsprämie. EY verklagte daraufhin die Massine-Group, deren Geschäftsführer Peter Massine ist, vor dem Landgericht Berlin im Wege der Stufenklage auf Auskunft und anschließende Zahlung.

Die Massine-Group hat sich nach Aussage der EY-Anwälte gegen die Klage nicht verteidigt. Daraufhin habe das Landgericht durch Versäumnisurteil die Massine-Group dazu verurteilt, vollständige Auskunft über die geschlossene Investitionsvereinbarung aller Gruppenunternehmen einschließlich der Apassionata World zu erteilen, schreiben die EY-Anwälte. Da Massine offenbar auch darauf nicht reagierte, hat Rechtsanwalt Peter-Andreas Brand von der Kanzlei Redeker Sellner Dahs inzwischen einen Antrag auf Festsetzung eines Zwangsgeldes und ersatzweise Zwangshaft gestellt. Peter Massine war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

EY rechnet mit einem Honorar von bis zu 1,4 Millionen Euro

Für den Berater ist der Rechtsstreit bitter, denn das Geld des Investors ist offenbar geflossen. Im Frühjahr 2016 jedenfalls haben die Bauarbeiten für den Showpalast begonnen. „Wir gehen hier von einem Erfolgshonorar von bis zu 1,4 Millionen Euro aus“, lässt sich Carsten Risch, Partner bei EY, zitieren. „Wir können nur hoffen, dass wir das uns zustehende Geld noch bekommen.“

Für EY wie auch für die anderen Big Four KPMG, Deloitte und PwC sind Beratungsmandate wie jenes bei Apassionata ein besonders wichtiges und lukratives Geschäft. Da die Wirtschaftsprüfung kaum noch wächst – bei EY ist der Umsatz in diesem Kerngeschäft 2016 sogar geschrumpft –, bauen die Gesellschaften ihre Beratungstätigkeiten immer stärker aus. Hinzu kommt, dass die Tagessätze in der Beratung wesentlich höher sind als in der Wirtschaftsprüfung.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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