PwC

12.05.16
Banking & Berater

FINANCE-Exklusiv: PwC schließt Standort Dresden doch nicht

Die geplanten Standortschließungen werden für PwC zur Nervenprobe: Viele Mitarbeiter kündigen und wechseln zur Konkurrenz. Der Standort Dresden wird nun verschont – vorerst.

Die Standortschließungen, die PwC im Oktober vergangenen Jahres angekündigt hat, machen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft offenbar mehr Schwierigkeiten als erwartet. Wie FINANCE exklusiv erfahren hat, wird der Standort Dresden nun doch nicht komplett geschlossen. In Dresden, wo bisher 70 Mitarbeiter Mandanten bei der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung betreut haben, sollen FINANCE-Informationen zufolge rund 24 Mitarbeiter ihre Arbeit behalten.

Insidern zufolge liegt das daran, dass einige Partner sich bei der Standortschließung quer gestellt haben sollen. Gegenüber FINANCE bestätigt PwC, dass in Dresden eine kleine Präsenz vorgehalten werde, allerdings nur für eine bisher noch unbestimmte Übergangszeit. „Dieser ‚Desk-Hub‘ wird keinen Standort-Status haben“, sagte ein Sprecher. Die kleine Präsenz solle Mitarbeitern und Mandanten aber lediglich eine logistische Unterstützung gewähren. Es sei nach wie vor geplant, dass der Standort Dresden mit dem Standort Leipzig verschmolzen wird.

Viele PwC-Mitarbeiter kündigen

Auch wenn PwC sich bemüht zu betonen, dass es sich in Dresden nur um eine kleine Präsenz mit Übergangscharakter handeln soll –  für die anderen Standorte, die ebenfalls geschlossen werden sollen, sind das problematische Nachrichten. Denn eine Übergangslösung soll es in Freiburg, Karlsruhe, Magdeburg, Mainz, Oldenburg und Siegen nicht geben, die Standorte dort werden direkt geschlossen. Auch einige der über 600 Mitarbeiter aus internen Service-Funktionen, die von Frankfurt nach Düsseldorf wechseln müssen, werden sich womöglich an der Ausnahmeregelung bei Dresden stoßen.

Die Folge: Viele Mitarbeiter kündigen, so wie jüngst am Standort Karlsruhe. Dort haben mehrere ranghohe Anwälte PwC verlassen und sind zur Konkurrenz wie Deloitte oder zu anderen Anwaltskanzleien gewechselt. Der ehemalige Leiter des PwC-Legal-Büros Andreas Rupp ging zu Ebner Stolz und eröffnet für den PwC-Konkurrenten jetzt ein neues Büro in Karlsruhe. Die Wahrscheinlichkeit, dass PwC-Mandanten ihre Aufträge  diesem Büro übertragen und nicht wie vom Konzern gehofft dem nächstgelegenen PwC-Standort in Stuttgart, ist hoch. FINANCE-Informationen zufolge ist der Widerstand und Missmut der Mitarbeiter in den anderen Standorten, die geschlossen werden, ähnlich stark.

Auch in Heppenheim, wo die PwC-Außenstelle des Standorts Mannheim ist, ist es zu einem ähnlichen Szenario gekommen. Dort wechselt Alexander Wünsche, bisher Partner im Bereich Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC in Mannheim und Heppenheim, zur Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Falk & Co. Wünsche wechselt mit seinem kompletten Team von 17 Personen, damit wird die PwC-Außenstelle aufgelöst. Es ist geplant, dass die Mandanten aber weiterhin von diesem Team beraten werden. Wenn die Mandanten dem Wechsel zustimmen, wird PwC diese demnach an Falk verlieren.

KPMG, EY und Deloitte könnten profitieren

Offiziell hat PwC immer wieder betont, dass es bei den Standortschließungen lediglich um Einsparpotentiale durch niedrige Mieten gehen soll und nicht um Mitarbeiterabbau. Gegenüber FINANCE sagte PwC jetzt: „In vergleichbaren Projekten unterschiedlichster Unternehmen liegen Erfahrungswerte bei rund 30 Prozent Fluktuation und spiegeln damit die persönlichen Lebenssituationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wider. Bei PwC dürfte der Wert ersten Schätzungen zufolge in etwa auf einem ähnlichen Niveau liegen, tendenziell niedriger.“

Ursprünglich war geplant, dass die Standorte bis Ende Juni geschlossen werden, doch dieser Zeitplan verzögert sich. Aufgrund individueller Versetzungstermine sollen die Verlagerungen zum Großteil bis zum Jahresende 2016 abgeschlossen werden, sagte ein Sprecher jetzt.

Dem umsatzstärksten deutschen Wirtschaftsprüfer PwC dürfte daran gelegen sein, das Thema Standortschließungen nun schnell und möglichst geräuschlos abzuschließen. Denn das Thema ist heikel und fällt in eine Zeit starker Konkurrenzkämpfe unter den großen WP-Gesellschaften, den so genannten Big Four.

Für die Konkurrenz von PwC könnten sich aus den Standortschließungen Gelegenheiten ergeben, neue Mitarbeiter und vielleicht sogar neue Mandate zu gewinnen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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