KPMG muss schon 2019 sein Prüfungsmandat bei BMW abgeben.

BMW

20.03.17
Banking & Berater

KPMG verliert BMW-Mandat früher als gedacht

Zwei Jahre früher als gedacht muss KPMG sein Abschlussprüfungsmandat bei BMW aufgeben. Der Verlust des prestigereichen und gutbezahlten Mandats ist aber auch eine große Chance für KPMG.

BMW hat sein Abschlussprüfungsmandat neu ausgeschrieben. Der Automobilkonzern sucht ab dem Geschäftsjahr 2019 einen neuen Abschlussprüfer, wie aus einer Ausschreibung im Bundesanzeiger hervorgeht. Das Dax-Unternehmen wird bisher von KPMG geprüft.

Der Grund für die Ausschreibung ist die verpflichtende Prüferrotation, die seit vergangenem Jahr gilt. Demnach müssen Unternehmen spätestens nach zehn Jahren ihr Prüfungsmandat neu ausschreiben. Hat das Unternehmen den bisherigen Prüfer noch nicht länger als zehn Jahre mandatiert, darf er an der Ausschreibung teilnehmen und nochmal für maximal zehn weitere Jahre prüfen.

Da KPMG BMW aber bereits seit 1987 prüft, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage erklärte, darf KPMG nicht erneut antreten. Damit wird der Prüfer das Mandat ab 2019 mit Sicherheit abgeben müssen. Anders war es bei dem Handelsriesen Metro, da durfte KPMG nochmal antreten und gewann das Mandat auch.

KPMG hätte noch bis 2021 BMW prüfen dürfen

Allerdings hätte BMW den bisherigen Prüfer KPMG laut Gesetz eigentlich noch bis 2021 behalten dürfen, hat sich aber dazu entschieden, den Abschlussprüfer zwei Jahre früher zu wechseln. Zu den Gründen wollte BMW keine Stellung nehmen.

Einerseits versuchen Unternehmen, die erlaubte Prüfungsdauer so lange wie möglich auszureizen, da ein Prüferwechsel mit einem sehr großen Aufwand verbunden ist. Gerade bei großen und weitverzweigten Konzernen ist die Einarbeitung des neuen Prüfers sehr langwierig.

Andererseits wollen viele Unternehmen mit der Ausschreibung nicht bis zum letzten Tag warten, um die besten Konditionen aushandeln zu können. Bei der Auswahl des neuen Wirtschaftsprüfers spielen häufig bestimmte Köpfe eine wichtige Rolle, Unternehmen lassen sich im Rahmen des Auswahlverfahrens gerne zusichern, dass bestimmte Wirtschaftsprüfer im Team sein werden. Wer zu spät ausschreibt, wird die gewünschte Auswahl womöglich nicht mehr haben.

BMW zahlte 23 Millionen Euro an KPMG

Für KPMG ist der Verlust von BMW der Beginn vieler Mandatsverluste, die in den kommenden Jahren folgen werden. Da KPMG im Vergleich zu den übrigen Big Four Deloitte, PwC und Ernst & Young (EY) die mit Abstand meisten Dax-Konzerne prüft, wird die verpflichtende Prüferrotation ein großer Dämpfer für das Wirtschaftsprüfungsgeschäft sein. KPMG prüft im Dax30 momentan 18 Unternehmen, im MDax zwölf, im SDax 16 und im TecDax 4. Im Rahmen der Prüferrotation musste PwC bereits seine Mandate bei Tui und Bayer an Deloitte abgeben.

Der Verlust von BMW ist für KPMG auch deshalb bitter, weil das Mandat zu den bestbezahltesten im Dax gehört. 2015 zahlte BMW KMPG laut Geschäftsbericht 2015 insgesamt 23 Millionen Euro (einschließlich Steuerberatung und prüfungsnaher Beratungsleistungen), davon kassierte KPMG alleine 15 Millionen Euro für die Abschlussprüfung. Mit der Deutschen Bank (76 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015) und Daimler (53 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016) hat KPMG aber bislang noch weitere gutbezahlte Mandate. Daneben spielt aber auch der Prestigeverlust eine wichtige Rolle. Es ist denkbar, dass einige Mitarbeiter aus den BMW-Prüfungsteams KPMG verlassen werden. 

KPMG hat die besten Chancen auf ein Beratungsmandat bei BMW

Gute Chancen auf das BMW-Mandat könnte jetzt PwC haben. Durch die Prüfung von VW kann die Gesellschaft einschlägige Erfahrungen in der Automobilbranche aufweisen. Denkbar ist aber auch, dass der VW-Abgasskandal die Entscheidung beeinflussen wird.

Trotzdem ist die frühzeitige Ausschreibung auch eine große Chance für KPMG, denn wo die Gesellschaft nicht mehr prüfen kann, darf sie beraten. Kein Externer dürfte BMW so gut kennen wie KPMG, die das Unternehmen seit 30 Jahren durchleuchtet. Die Chancen, künftig als Berater bei BMW tätig zu werden, stehen daher hoch.

Da die Tagessätze in der Beratung häufig deutlich höher sind als in der Prüfung, dürfte ein Beratungsmandat sogar um einiges lukrativer sein. Die höheren Tagessätze sind unter anderem ein Grund, warum die Big Four immer stärker im Beratungsgeschäft expandieren. Mit 12 Prozent auf rund 570 Millionen Euro war das Beratungsgeschäft 2016 das Geschäftsfeld, das bei KPMG am stärksten gewachsen ist.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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