KPMG

18.05.16
Banking & Berater

PwC, KPMG, EY: Wer die höchsten Honorare bekommt

Welcher Wirtschaftsprüfer hat 2015 die höchsten Honorare bekommen? KPMG hatte zwar die meisten Dax30-Mandate und in Summe das höchste Honorar. Doch der wahre Gewinner ist ein Wettbewerber.

Der Kampf der Big Four um die wertvollsten Dax-Mandate ist in vollem Gange: Die verpflichtende Abschlussprüferrotation eröffnet KPMG, Deloitte, PwC und Ernst & Young die einmalige Chance, den Kuchen neu zu verteilen. Es geht um Ansehen, denn große Dax-Mandate sorgen sowohl bei den eigenen Mitarbeitern als auch bei anderen Unternehmen für ein gutes Image.

Aber vor allem geht es um Geld, denn die Prüfung eines großen Dax-Unternehmens bringt ein wesentlich höheres Honorar ein als die Prüfung eines kleinen Mittelständlers. Eine von FINANCE durchgeführte Analyse der Geschäftsberichte der Dax30-Unternehmen, in denen die Abschlussprüferhonorare offengelegt werden müssen, zeigt, welche WP-Gesellschaft 2015 am meisten Honorare kassiert hat.

Das mit Abstand höchste Honorar eines Klienten hat die KPMG-Gruppe erzielt: Ganze 76 Millionen Euro hat die Deutsche Bank an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für ihre Leistungen gezahlt. 53 Millionen Euro musste die Deutsche Bank für die reine Wirtschaftsprüfung zahlen, den Rest hat sie für prüfungsnahe Leistungen sowie Steuerberatung bezahlt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der deutschen KPMG AG die gesamten 76 Millionen Euro zugeflossen sind: Die Summe schließt auch die Prüfung von ausländischen Deutsche-Bank-Töchtern mit ein, die zum Teil durch ausländische KPMG-Gesellschaften beziehungsweise KPMG-Netzwerke erbracht wurden. Dieser Anteil liegt bei 38 Millionen Euro. Das verdeutlicht, wie wichtig die hochvolumigen Dax-Mandate für die Wirtschaftsprüfer sind, denn sie bringen nicht nur der deutschen WP-Einheit Geld ein, sondern auch den Schwestergesellschaften im Ausland. 

KPMG streicht bei Daimler zweithöchstes Honorar ein

Der Blick in die Geschäftsberichte macht auch deutlich, wer die höchsten Einbußen haben wird, wenn er aufgrund der Prüferrotation sein Mandat abgeben muss. Das Deutsche-Bank-Mandat muss beispielsweise bis spätestens bis 2021 neu ausgeschrieben werden, nicht selten findet ein Prüferwechsel aber auch schon vorher statt. Für KPMG dürfte das ein schmerzlicher Verlust werden, der neue Prüfer hat – zumindest was die voraussichtliche Höhe des Honorars angeht – hingegen das große Los gezogen.

Auch das zweithöchste Honorar im Dax geht derzeit an KPMG, auch wenn dieses bereits wesentlich niedriger ist: Insgesamt 54 Millionen Euro hat Daimler im Geschäftsjahr 2015 an KPMG gezahlt. Auch hier gilt – wie bei den anderen Honorarzahlungen auch –, dass ein Teil davon an Auslandsgesellschaften und Netzwerke geht. Je nachdem, wie viele ausländische Töchter ein Unternehmen hat, kann dieser Teil bis zu 50 Prozent der Gesamtsumme ausmachen. Im Falle von Daimler sind es 21 Millionen Euro, die an Auslandsgesellschaften von KPMG gehen. Noch höher ist der Anteil bei der Allianz, die KPMG ein Gesamthonorar von ebenfalls 54 Millionen Euro bezahlte, wovon aber nur 18 Millionen an die deutsche KPMG gingen. Dabei entfielen vom Gesamthonorar 40 Millionen für die reine Abschlussprüfung und der Rest für prüfungsnahe Leistungen, Steuerberatung oder sonstige Leistungen.

Knapp dahinter folgt mit 51 Millionen das vierthöchste Honorar, das Siemens an die Ernst & Young-Gruppe überwiesen hat, 45 Prozent davon an EY Deutschland. Für EY ist das Siemens-Mandat besonders wertvoll, denn die anderen beiden Dax-Mandate der Prüfungsgesellschaft sind mit rund 7 Millionen Euro (HeidelbergCement) und 2 Millionen (Beiersdorf) wesentlich schlechter dotiert.

Ernst & Young liegt weit hinter der Konkurrenz

Insgesamt konnte EY im Geschäftsjahr 2015 durch die Prüfung dieser drei Dax30-Unternehmen ein Gesamthonorar von rund 60 Millionen erlösen – das ist im Vergleich zu KPMG und PwC eine recht niedrige Summe. Die KPMG-Gruppe hingegen konnte im Geschäftsjahr 2015 zusammengenommen rund 330 Millionen Euro durch die Prüfung von Dax30-Unternehmen erwirtschaften.

Das hohe Gesamthonorar ist kein Wunder, immerhin prüft KPMG mit 18 Unternehmen die mit Abstand meisten Dax30-Unternehmen. Bei den meisten sind die Honorare allerdings weitaus niedriger als bei der Deutschen Bank oder bei Daimler: Manche befinden sich sogar nur im einstelligen Millionenbereich, so wie beispielsweise bei ProSiebenSat1, Vonovia oder der Deutschen Börse, die alle Honorare von jeweils rund 5 Millionen Euro gezahlt haben.

Wie hoch die Honorare für die Prüfer sind, hängt einerseits von der Komplexität der Prüfung ab, die bei der Deutschen Bank sicher höher sein dürfte als beispielsweise bei ProSiebenSat1. Sie hängt aber auch davon ab, wie viel Honorar die Prüfer verlangen – naturgemäß gewinnen jene Prüfer viele Mandate, die niedrigere Preise aufrufen. KPMG musste sich schon häufig den Vorwurf gefallen lassen, mit vergleichsweise niedrigen Preisen Mandate zu gewinnen.

Die vielen Mandate der WP-Gesellschaft sind allerdings auch ein Risiko: Wer viel prüft, muss bei der Rotationspflicht entsprechend viel abgeben. Wie KPMG damit umgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – viele von KPMG geprüfte Unternehmen müssen bis 2021 oder bis 2023 wechseln.

PwC: Hohes Honorar trotz weniger Mandate

Unter diesem Gesichtspunkt könnte der Konkurrent PwC als eigentlicher Sieger hervorgehen. Denn die WP-Gesellschaft hat im vergangenen Jahr mit rund 240 Millionen Euro zwar weniger Abschlussprüfungshonorar als KPMG bekommen, diese hohe Summe hat das Haus allerdings mit nur halb so vielen Mandaten erreicht. Und die Summe könnte sogar noch etwas höher sein, denn drei der von PwC geprüften Unternehmen haben in ihren Geschäftsberichten nur das Honorar für die Prüfung des Deutschlandgeschäfts, nicht aber des gesamten Konzerns veröffentlicht.

Der Grund für das vergleichsweise hohe Honorar liegt auf der Hand: PwC prüft zwar weniger Unternehmen, die einzelnen Prüfaufträge sind aber wesentlich besser bezahlt. Bei E.on kassierte die PwC-Gruppe ein Honorar von 45 Millionen Euro, bei der Commerzbank 38 Millionen Euro, bei Bayer 36 Millionen Euro und bei RWE 25 Millionen Euro. Weil PwC nicht ganz so viele Mandate wie KPMG hat, ist die Rotationspflicht für diese Gesellschaft eher eine Chance als ein Risiko. Das Haus könnte weitere Kunden hinzugewinnen.

Klar ist aber schon jetzt, dass PwC ab 2017 ebenfalls erste Einbußen hinnehmen muss: Dann geht das Bayer-Mandat voraussichtlich an den Wettbewerber Deloitte, der seit dem Abstieg von K+S kein Mandat im Dax30 mehr hat. Für eine Big-Four-Gesellschaft, die global sogar die größte WP-Gesellschaft ist, ist das auf Dauer eine schwierige Situation. Für sie bietet die Rotationspflicht daher die größte Chance – auf mehr Mandate und höhere Honorare.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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