Bilanzierung & Controlling
24.07.17

Big Four drängen Next Ten zurück

Deloitte-CEO Plendl: „Beratung von Dax-Konzernen treibt unser Wachstum“

Von Julia Schmitt

Die Big Four sind 2016 wieder enorm stark gewachsen und lassen die Next Ten immer weiter hinter sich. Wie genau sich die Umsätze von PwC, Deloitte, BDO, Ebner Stolz und Co. entwickelt haben, zeigt jetzt eine Analyse.

Die Big Four – darunter insbesondere Deloitte – sind 2016 sehr stark gewachsen. Das Wachstum der Next Ten war deutlich schwächer.

Deloitte

Die Big Four – darunter insbesondere Deloitte – sind 2016 sehr stark gewachsen. Das Wachstum der Next Ten war deutlich schwächer.

2016 haben sich die Big-Four-Gesellschaften KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young (EY) erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert und dabei die Next Ten immer stärker zurückgedrängt. Das zeigt die Lünendonk-Studie, bei der der Marktforscher Lünendonk & Hossenfelder jährlich den Wirtschaftsprüfermarkt untersucht und dabei auch die bekannte Lünendonk-Liste erstellt, die die 25 größten WP-Gesellschaften in Deutschland aufzählt.

So sind die Big Four im vergangenen Geschäftsjahr um knapp 12 Prozent gewachsen, im Vorjahr waren es noch rund 8 Prozent. Die Prognose für 2017 ist mit 10 Prozent nur wenig moderater. Treiber des starken Wachstums war vor allem Deloitte, das mit 22 Prozent Wachstum mit Abstand dynamischste Big-Four-Haus. 

KPMG drängt EY wieder auf den Platz zwei

Nach wie vor ist PwC mit einem Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro klarer Anführer der Lünendonk-Liste. Eine Änderung gab es allerdings auf den Plätzen zwei und drei: Hatte EY KPMG vor einem Jahr noch überholt, ist die WP-Gesellschaft wegen eines sehr schwachen Wachstums von 2,7 Prozent wieder auf den dritten Platz gefallen.

Jetzt rangiert KPMG mit 1,6 Milliarden Euro auf Platz zwei, während EY mit 1,57 Milliarden Euro ganz knapp dahinter liegt. Deloitte befindet sich nach wie vor auf Platz vier, kratzt aber mit einem Umsatz von 963 Millionen Euro an der Milliardenmarke und dürfte diese sehr wahrscheinlich im aktuellen Geschäftsjahr zum ersten Mal überspringen. Damit schrumpft der frühere Abstand zur Konkurrenz merklich.

Deloitte setzt auf Beratung von Dax-Konzernen

Gut möglich, dass die Plätze in naher Zukunft zum ersten Mal seit Jahren durcheinandergeworfen werden, denn bald schlagen die Effekte durch, die die verpflichtende Prüferrotation erzeugt, welche die Unternehmen zur Ausschreibung ihres Prüfungsmandats zwingt. Zwar zeigt sich in den Zahlen aus 2016 noch nichts davon, doch für die kommende Jahre haben beispielsweise bereits die Commerzbank, Bayer und die Allianz ihre Prüfer gewechselt, wie eine FINANCE-Auswertung der Geschäftsberichte der Dax160-Konzerne zeigt.

Starkes Wachstum erhoffen sich die Big Four aber vor allem durch das Beratungsgeschäft, wie Deloitte-CEO Martin Plendl bei der Präsentation der Lünendonk-Liste erklärte: „Die Beratung von Dax-Konzernen treibt bereits jetzt unser Wachstum.“ Die kleinste Big-Four-Gesellschaft kann im Dax30 viel beraten, weil sie mit Bayer bisher nur ein einziges Unternehmen in diesem Segment prüft.

Schere zwischen Big Four und Next Ten geht auseinander

Im Vergleich zu den Big Four haben sich die Next Ten mit einem Wachstum von 5,3 Prozent wesentlich schwächer entwickelt, im Vorjahr lag das Wachstum noch bei 7,6 Prozent. Die Schere zwischen den KPMG, PwC, EY sowie Deloitte und den Next Ten geht also immer weiter auseinander – sowohl in absoluten Zahlen wie inzwischen auch in Wachstumsraten. Dieser Trend wird durch die Abschlussprüferrotation noch weiter verstärkt, prognostiziert Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk & Hossenfelder.

So befindet sich BDO zwar noch wie direkt hinter den Big Four auf dem fünften Platz, ist mit einem Umsatz von knapp 215 Millionen Euro aber praktisch unerreichbar weit von Deloitte entfernt. BDOs Umsatz und Mitarbeiterzahl stagnierten im Jahr 2016.

BDO: „Wollen in den nächsten Jahren durchstarten“

Der Grund dafür ist, dass BDO sich in einer Phase der Restrukturierung befindet und im eigenen Unternehmen die Digitalisierung vorantreibt, erklärte Vorstandsmitglied Andrea Bruckner: „Wir wollen dann aber in den nächsten Jahren durchstarten“, verspricht sie.

Dabei spielt auch für BDO neben der Prüfung vor allem das Thema Beratung eine große Rolle. Die mittelständische WP-Gesellschaft werde häufig auch von großen Konzernen zum Pitch um das Prüfmandat eingeladen, erzählt Bruckner. Dabei erhalte in der Regel zwar trotzdem eine der Big Four den Auftrag – BDO habe aber die Chance, ihr Leistungsangebot zu präsentieren und erhöhe so die Chance auf ein lukratives Beratungsmandat. Eine ähnliche Strategie verfolgt auch Ebner Stolz, wie Partner Wolfgang Russ kürzlich im Gespräch mit FINANCE berichtete.

Rödl & Partner ist BDO dicht auf den Fersen

Allzu lange sollte das Wachstum von BDO aber nicht auf sich warten lassen, denn Rödl & Partner ist 2016 mit über 10 Prozent stark gewachsen und hat erstmals die 200 Millionen-Euro-Marke geknackt. Mit einem Umsatz von rund 202 Millionen Euro ist die mittelständische WP-Gesellschaft BDO eng auf den Fersen.

Auf Platz sieben liegt Ebner Stolz mit einem Umsatz von rund 180 Millionen Euro, gefolgt von Baker Tilly (vormals Baker Tilly Roelfs) mit rund 140 Millionen Euro. Auf Platz 9 befindet sich mit einem Umsatz von rund 124 Millionen Euro Roever Broenner Susat Mazars, die vor über zwei Jahren aus der Fusion zwischen Roever Broenner Susat sowie Mazars hervorgegangen ist, gefolgt von Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) auf Platz 10.

Auch WKGT ist kaum gewachsen und setzte 2016 knapp 88 Millionen Euro um. Die Prüfgesellschaft ist momentan damit beschäftigt, die Digitalisierung im eigenen Haus voranzutreiben, erklärte Vorstandschef Joachim Riese. Er folgte vor einem Jahr auf den damaligen Chef Klaus Günter Klein, der unerwartet verstorben war. 

Deloitte investiert 2 Milliarden Euro in Digitalisierung

Nicht nur bei WKGT steht das Thema Digitalisierung momentan ganz weit oben auf der Agenda: Wie Martin Wambach, Geschäftsführender Partner bei Rödl & Partner berichtet, investiert seine WP-Gesellschaft jährlich rund 8 bis 10 Prozent ihres Umsatzes in die eigene Digitalisierung.

Die Next-Ten-Gesellschaften tun sich aber schwer mit derart hohen Investitionen, weil sie als verhältnismäßig kleine Unternehmen relativ betrachtet hohe Summen stemmen müssen. WKGT-Chef Joachim Riese erwartet daher, dass die Konsolidierung im Wirtschaftsprüfermarkt weiter zunehmen wird: „So können die Gesellschaften ihre Investitionen auf mehrere Schultern verteilen.“

Im Vergleich dazu tun sich die Big Four mit solchen Investitionen leichter, wenn die Größenordnung allerdings auch eine völlig andere ist: „Wir haben auf globaler Ebene ein jährliches IT-Budget von 2 Milliarden Euro“, erklärt Deloitte-Chef Plendl. Nationale Werte weise Deloitte nicht mehr aus, da die Digitalisierungsprojekte ohnehin länderübergreifend seien.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb zwischen KPMG, Deloitte, PwC und Ernst & Young (EY) so hart wie jetzt. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu den Big Four.