Bilanzierung & Controlling
17.06.15

Online-Auktion über Penell-Assets startet am 25. Juni

Nach Bilanzskandal: Penell wird liquidiert

Von Jakob Eich

Der insolvente Kupferkabelhersteller Penell hat einem Medienbericht zufolge alle Möglichkeiten zur Rettung erfolglos ausgeschöpft: Das Unternehmen wird liquidiert. Den Anlegern der Mittelstandsanleihe könnte der Totalverlost drohen.

Firmengebäude von Penell in Ober-Ramstadt. Der insolvente Kupferhersteller wird wohl liquidiert.

Penell

Firmengebäude von Penell in Ober-Ramstadt. Der insolvente Kupferhersteller wird wohl liquidiert.

Es hatte sich lange angebahnt, nun ist es offiziell: Der insolvente Kupferkabelhändler Penell soll liquidiert werden. Dies berichtet das hessische Nachrichtenportal „Echo-Online“ unter Berufung auf Insolvenzverwalter Jan-Markus Plathner. Das Unternehmen war zuletzt noch auf der Suche nach einem Investor gewesen, wurde aber demnach nicht mehr fündig. Den 30 Mitarbeitern des Unternehmens sei bereits gekündigt worden. Für eine Stellungnahme gegenüber FINANCE war Plathner zunächst nicht zu erreichen.

Die Liquidierung ist anscheinend schon in Vorbereitung: Auf der Website des Ober-Ramstädter Unternehmens befindet sich bereits ein Link zu einem Verkaufsangebot. Zum Verkauf stehen unter anderem Büromöbel und Maschinen. Die Online-Auktion soll am 25. Juni starten.

Penell: Anlegern droht ein Totalausfall

Für die Anleger der Mittelstandsanleihe von Penell ist diese Meldung ein weiterer Rückschlag. „Den Anlegern droht der Totalverlust“, sagt der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Joachim Cäsar-Preller. In einer Mitteilung verweist er auf einen Bericht des Treuhänders, dem zufolge Penell „nie ausreichende Lagerbestände zur Besicherung der Anleihe“ gehabt haben soll. Zudem soll das Unternehmen bereits seit 2012 rote Zahlen geschrieben haben, so der Anwalt weiter.

Das familiengeführte Unternehmen hatte im Sommer 2014 einen Mini-Bond über 5 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren an den Markt gebracht. Im Dezember wurde jedoch bekannt, dass der Wert der zur Absicherung der Anleihe dienenden Kupferbestände anscheinend um etwa 3,5 Millionen Euro geringer war, als angegeben.

Ein extrem hoher Wert für den Kupferkabelhersteller, der im Geschäftsjahr 2013/2014 einen Umsatz in Höhe von 18,3 Millionen Euro ausgewiesen hat. Das Unternehmen geriet ins Wanken und die Anleihe fiel binnen weniger Wochen von 100 auf 10 Prozent. Derzeit notiert das Papier bei knapp 20 Prozent. Im Januar dieses Jahres war der Druck auf den Inhaber Kurt Penell so groß geworden, dass er die Anteile an der Schwesterfirma Synchro Plus zur Nachbesicherung der Anleihe abtreten musste.

Zur Aufklärung des Kupferschwunds beauftragte Penell Anfang des Jahres die Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle, den Treuhänder MSW und den Gläubigervertreter One Square Advisory damit, den Bilanzskandal aufzudecken. Bislang sind jedoch noch keine Ergebnisse bekannt.

Penell-Insolvenz lockt Spekulanten an

Inzwischen hat der Bilanzskandal bei Penell auch Spekulanten angelockt. Der Blogger und Anleger Ralf Koch hat sich eigenen Angaben zufolge rund 20 Prozent der Penell-Anleihe gesichert. Er erhofft sich offenbar einen Spekulationsgewinn: „Ich bin der Meinung, dass die Anleger wahrscheinlich nicht viel Geld verlieren werden, wenn sie etwas Zeit mitbringen“, sagte Koch vor kurzem in einem Interview gegenüber dem Onlineportal finanzen.ch. Er prüfe zudem, ob der Wirtschaftsprüfer, der die Testate für die Bilanz abgegeben hat, in Haftung genommen werden könne.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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