Bilanzierung & Controlling
25.07.17

PKF verliert MDax-Mandat vorzeitig

PwC soll neuer Stada-Prüfer werden

Von Julia Schmitt

Die Next-Ten-Wirtschaftsprüfer verlieren eines ihrer letzten prestigeträchtigen Prüfmandate. Stada wechselt den langjährigen Prüfer PKF gegen PwC aus – auch auf Druck großer Aktionäre.

PKF darf Stada nicht länger prüfen. Neuer Abschlussprüfer des MDax-Unternehmens wird PwC.

Stada

PKF darf Stada nicht länger prüfen. Neuer Abschlussprüfer des MDax-Unternehmens wird PwC.

Die Neuverteilung der großen Prüfmandate geht weiter: Jetzt wechselt auch der Arzneimittelkonzern Stada seinen Abschlussprüfer und wird aller Voraussicht nach PwC mandatieren. Das geht aus der Einladung zur Hauptversammlung am 30. August hervor, in der der Aufsichtsrat vorschlägt, PwC ab dem Geschäftsjahr 2017 zum neuen Prüfer zu wählen.

Dabei hat sich PwC gegen Ernst & Young (EY) durchgesetzt, die nur die zweite Wahl des Stada-Prüfungsausschusses waren. Die Bestätigung auf der Hauptversammlung ist in der Regel nur noch Formsache, so dass PwC mit größter Wahrscheinlichkeit tatsächlich künftig der neue Stada-Prüfer sein wird.

AOC hatte bei Stada auf neuen Abschlussprüfer gedrängt

Der Grund für den Wechsel ist laut Stada die verpflichtende Abschlussprüferrotation, bei der kapitalmarktorientierte Unternehmen spätestens nach zehn Jahren ihr Prüfmandat neu ausschreiben müssen. Bisher wurde das MDax-Unternehmen von der mittelständischen WP-Gesellschaft PKF geprüft. Diese hielt das Mandat seit 2009 und hätte eigentlich noch länger Prüfer bleiben können.

Allerdings war zuletzt auch der Druck auf Stada wegen des Abschlussprüfers gestiegen: Der aktivistische Investor Active Ownership (AOC), der im Mai 2016 bei Stada eingestiegen war, hatte darauf gedrängt, dass Stada anstatt eines kleineren Prüfers wie PKF eine der Big-Four-Gesellschaften KPMG, PwC, EY oder Deloitte mandatiert.

Stada blieb PKF lange treu

AOC bemängelte damals das Fehlen von Transparenz. Die neue WP-Gesellschaft sollte dafür sorgen, dass Stada den Corporate-Governance-Kodex für gute Unternehmensführung besser einhalte, forderte AOC. Auch die Aktionäre waren mit PKF offenbar nicht mehr zufrieden: Bei der Hauptversammlung im Jahr 2015 stimmten rund 27 Prozent gegen die Wiederwahl von PKF, in der Regel liegt die Zustimmung zu einem Prüfer bei fast 100 Prozent.

Trotzdem entschied sich Stada im vergangenen Jahr dafür, PKF erneut zu mandatieren, der Prüfer wurde daraufhin von der HV mit immerhin 95 Prozent wiedergewählt. AOC ist im Juni dieses Jahres wieder bei Stada ausgestiegen, trotzdem hat sich Stada nun für eine der Big Four entschieden – und auch noch für die größte in Deutschland.

Doch das Honorar, das PwC von Stada erwarten kann, dürfte überschaubar bleiben – 2016 zahlte Stada PKF etwas mehr als 600.000 Euro für die Prüfung der inländischen Gesellschaft samt Töchter. Gleichwohl baut PwC mit dem erfolgreichen Pitch bei Stada seine Marktführerschaft bei Deutschlands Großkonzernen aus: Das WP-Haus wird inklusive Stada  knapp 40 Prozent des MDax und knapp 30 Prozent der Dax-Familie (Dax, MDax, SDax, TecDax: „Dax160“) als Prüfungskunden haben.

Big Four dominieren die Dax-Familie

Mit diesem Mandatswechsel verlieren die Next Ten – mittelständische Wirtschaftsprüfer, die auf die Big Four folgen – eines der wenigen Mandate, die sie noch in den Dax160 haben. Momentan wird im MDax noch die Deutsche Euroshop von BDO geprüft, im SDax haben Adler Real Estate, die Indus Holding und Takkt Ebner Stolz mandatiert, während Hypoport und Cewe von BDO geprüft werden.

Bet-At-Home.com wird von PKF geprüft, was nun auch das letzte Mandat der WP-Gesellschaft in der Dax-Familie ist. Im TecDax werden noch drei Unternehmen von den kleinen WPs geprüft: Software AG von BDO, RIB Software von BW Partner und Cancom von dem Wirtschaftsprüfer S&P.

Die überwältigende Mehrheit der Mandate von rund 94 Prozent liegt damit in der Hand der Big Four. Wie das Beispiel Stada zeigt, dürfte die Prüferrotation auch nicht dazu beitragen, dass der Markt aufgebrochen wird – im Gegenteil. Diese Tendenz spiegelt sich auch in der aktuellen Lünendonk-Studie wider, laut der die Big Four die Next Ten immer weiter nach hinten drängen. Demnach sind KPMG, PwC, EY und Deloitte im vergangenen Geschäftsjahr um knapp 12 Prozent gewachsen, während es bei den Next Ten im Schnitt nur rund 5 Prozent waren.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb zwischen KPMG, Deloitte, PwC und Ernst & Young (EY) so hart wie jetzt. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu den Big Four.