Der Berliner Flughafen ist jetzt möglichweise um einen Compliance-Skandal reicher.

Ludwig/Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Der Berliner Flughafen ist jetzt möglichweise um einen Compliance-Skandal reicher.

Ludwig/Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

30.05.14
Blogs

Korruption am BER? Peanuts!

Schmiergelder beim Bau des Berliner Flughafens? Die Schlagzeile hat dem Großprojekt noch gefehlt. Die finanziellen Folgen des möglichen Compliance-Vorfalls dürften aber im Schatten der explodierenden Projektkosten niemanden vom Hocker reißen.

Normalerweise beginnt ein Großprojekt mit einer Projektskizze. Die mündet dann in einen Ablaufplan, der im Idealfall auch verschiedene Szenarien abbildet – es kann ja nicht immer alles wie geplant laufen. Normalerweise. Beim Großprojekt Berliner Flughafen ist das anders. An so etwas wie eine wenigstens anfänglich valide Planung zu glauben, erfordert eine Menge Phantasie. Aber selbst wenn das Managementteam einen Plan mit Worst-Case-Szenarien entworfen hätte, die Realität sprengt in Berlin die Grenzen der Vorstellungskraft.

Wöchentlich, teils täglich kommen neue Schlagzeilen, der GAU wurde zum Super-GAU, längst sind der Öffentlichkeit die Superlative ausgegangen. Nun werden die Skandale noch um eine Facette reicher: Nach ungezählten technischen und organisatorischen Pannen steht jetzt auch ein Compliance-Fall im Raum. Technikchef Jochen Großmann ist beurlaubt worden, er soll für die Vergabe von Aufträgen Schmiergelder gefordert haben. Offenbar gibt es tatsächlich Baufirmen, die sich am BER engagieren. Man hätte es nicht für möglich gehalten.

Was an den Vorwürfen dran ist und ob tatsächlich Geld geflossen ist, weiß man natürlich noch nicht genau. Aber selbst wenn Großmann wirklich kassiert – oder besser: die Bestechungsgelder sogar zugunsten der Flughafengesellschaft gebucht hätte: Angesichts der auf mehr als 5 Milliarden Euro angestiegenen Gesamtkosten dürfte die im Raum stehende Summe allen Beteiligten kaum mehr als ein müdes Lächeln entlocken – es geht um „läppische“ 500.000 Euro. Und noch besser: Etwaige Folgekosten, die durch eine Rufschädigung des Projekts entstehen könnten, braucht Hartmut Mehdorn auch nicht aufzuschlagen. Der Misserfolg nährt seine Väter.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de