13.05.14
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Middelhoff-Prozess: Meister der Sabotage

Thomas Middelhoff macht seinen Anklägern gerne das Leben schwer. Nun nimmt das Gericht ihm diese Aufgabe ab.

Thomas Middelhoff kann sich vor Aufmerksamkeit kaum retten. Und genau das ist es, was dem früheren Arcandor-Chef so gefällt. Optisch haben seine zahlreichen Prozesse keine Spuren hinterlassen, Middelhoff sonnt sich buchstäblich in der Rolle des gut gebräunten Lebemanns, der aus Saint-Tropez eingeflogen kommt (auf eigene Kosten, wie er übrigens betont), um die lästigen Pflichtaufgaben im grauen Deutschland zu absolvieren. Da zeigt er sich mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Und gibt entweder seine teils kuriose Sichtweise auf die ihm vorgeworfenen Sachverhalte zum Besten – oder er schweigt, wenn er damit eine wohl kalkulierte noch größere Provokation anzetteln kann.

Wahlweise spielt Middelhoff den Strahlemann oder das trotzige Kind, zum Beispiel, wenn es um die Verweigerung einer Aussage aufgrund einer kurzen Nachricht geht. So hatte er als Zeuge im Prozess gegen die frühere Führungsriege der Bank Sal. Oppenheim auf seinem Schweigerecht bestanden, weil der Focus über ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Insolvenzverschleppung berichtet hatte, das allerdings schon seit 2009 läuft. Da müsse der Manager nun an seine eigenen Interessen denken, teilte sein Anwalt mit – für den Oberstaatsanwalt eine „Unverschämtheit“.

Mit welcher Taktik auch immer: Er lässt nichts unversucht, um Richter und alle anderen Beteiligten zu brüskieren. Das nimmt ihm das Gericht in seinem Prozess wegen Untreue und Steuerhinterziehung jetzt wenigstens teilweise ab. Etwas spät fiel auf, dass eine Schöffin möglicherweise nicht so ganz geeignet für ihre Aufgabe war. Sie war vor Urzeiten Sekretärin bei dem früheren Karstadt-Vorstand Klaus Eierhoff, der als Zeuge im Zivilprozess aufgetreten war und damit eben auch ein nicht ganz unwahrscheinlicher Zeuge im Strafverfahren gegen Middelhoff wäre. Das Gericht wischte die Bedenken zwar weg, aber der Prozess musste neu angesetzt werden, die Anklage nochmals verlesen und auch Middelhoff durfte sich abermals erklären.

Ein doppeltes Geschenk, denn anschließend ließ er sich vor Journalisten nicht lange um einen Kommentar zum Geschehen bitten: „Krank, oder?“ Krank, oder?

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de