Whiskey und Hockeysticks: Frank Thelen im Gespräch mit dem Unternehmer Vural Öger bei "Die Höhle der Löwen"

Vox/Bernd-Michael Maurer

19.08.15
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Deutschland gründet, Frank Thelen säuft

Das Unternehmer-Casting „Die Höhle der Löwen“ ist wieder da. Reiche Juroren, hibbelige Gründer und abseitige Geschäftsideen – alles wie gehabt. Wenn da nur nicht der neue Werbepartner von Venture-Investor Frank Thelen wäre.

Liebe Marketingstrategen der Whiskeybrennerei „Chivas“,

gestern war endlich mal wieder Fernsehabend, es startete die neue Staffel der Gründer-Casting-Show „Die Höhle der Löwen“ bei Vox. Das DSDS des denkenden Mannes – kann man sich zumindest einreden. Mit dabei in der Jury: Frank Thelen, der erfolgreiche Startup-Investor aus Bonn. Er ist zum Beispiel als einer der Ersten bei der App-Schmiede Wunderlist eingestiegen, die erst vor kurzem für mehrere hundert Millionen Euro an Microsoft verkauft worden ist.

Guter Mann eigentlich: Zielstrebig, sympathisch, authentisch. Keiner, der sich anbiedert oder die Schwächen der Kandidaten zum Anlass nimmt, um sich selbst größer zu machen als er ist. Dem einen Gründer nimmt er seinen Businessplan auseinander, dem anderen rechnet er vor, dass die erhoffte Bewertung selbst für Start-up-Verhältnisse Wahnsinn ist. Am Ende tobt der Nerd Thelen mit einem Skateboard durchs TV-Studio. Beim Boarden hat er angeblich gelernt, „hinzufallen und wieder aufzustehen“. Das muss man sich nicht anschauen, kann man aber.

Frank Thelen und Chivas? Passt überhaupt nicht

Doch dann diese Werbung! Auftritt Thelen: Im Schlabberhemd sitzt der Nerd in irgendeiner gediegenen Hotelbar, deren Ambiente an die legendäre Bierwerbung aus den Neunzigern erinnert. „Silicon Valley? Da hatte ich mal ein Lager“, hört man den IT-Unternehmer gedanklich schon sagen. Thelen und Chivas: Die Kombi wirkt in etwa so authentisch wie seinerzeit Franz Beckenbauer und die Nudelsuppe.

Thelen macht also Werbung für die Whiskey-Marke, die – passend zu ihrem neuen Markenbotschafter – ebenfalls einen Gründerwettbewerb ausgerufen hat. „The Venture“ heißt das Ding. Dort können sich Unternehmer bewerben, die nicht nur eine smarte Geschäftsidee haben, sondern damit auch noch Gutes tun. Til Schweiger mit seinem Flüchtlingsheim zum Beispiel, oder Angela Merkel mit ihrem 20-Milliarden-Investment in griechische Banken.

Dank der finanziellen Unterstützung von Chivas sitzt Thelen jetzt in dieser Yuppie-Bar, schwadroniert über Pioniergeist und kippt seinen Whiskey. Am Tresen sind schon viele Investitionsideen geboren worden, die wenigsten zu Recht. Das gilt auch für diesen Werbespot. Aber soll sich Thelen die Hockeystick-Businesspläne seiner neuen Investments ruhig steil saufen – solange er anschließend nicht mit dem Skateboard des jungen Österreichers nach Hause fährt, in dessen Firma er gerade investiert hat. Glaubt man dem Gründer, sollen dessen handgemachte Skateboards ja aus mehr Hightech-Material bestehen als die Mondlandefähre – mindestens.

Der Hype um den Start-up-Hype

Das alles ist nicht schlimm, eher lächerlich bis skurril. Aber dass einer der bekanntesten deutschen Venture-Investoren sich von einer Whiskey-Firma sponsern lässt, die sich erhofft, dadurch ein Bisschen von dem Glanz des neuen Hype-Themas Start-ups abzubekommen, ist eine Warnung, dass bei dem vermeintlichen neuen deutschen Gründerboom nach wie vor Vorsicht geboten ist.

Denn spätestens wenn Thelen den letzten Tropfen Whiskey aus der Chivas-Flasche gesüffelt hat, wird man merken, dass die Rocket-Internet-Aktie nach wie vor auf Talfahrt ist, die German Startups Group noch immer nicht an der Börse und dass noch mehr von der „Crowd“ finanzierte Jungunternehmen schlapp gemacht haben, wie erst gestern berichtet worden ist.

Das ist alles normal und gehört zur Gründerszene einfach dazu. Positiv für das Land ist der Gründerboom allemal, und die fünf Juroren aus der „Höhle der Löwen“ haben allein wahrscheinlich mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung generiert als der halbe deutsche Bundestag zusammen. Beim Drumherum hingegen wünscht man sich, dass Trittbrettfahrer wie Chivas ihren Whiskey künftig wieder im Lions Club bewerben. Mehr Businessplan und weniger Hotelbar, das wäre schön. Aber bitte mit Thelen!     

Mit freundlichen Grüßen

FINANCE

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Michael Hedtstück ist Online-Chefredakteur von FINANCE. Hier finden Sie weitere Meinungsbeiträge seines Blogs "Das ist doch Mist!".