BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Wie will er bei dieser Kapitalmarktbewertung große Partner an Land ziehen?

Borussia Dortmund

21.05.14
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BVB: Watzke sucht den Super-Sponsor

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke neidet den Bayern ihren Sponsoren-Coup mit der Allianz. Dass Borussia Dortmund da nicht nachziehen kann, liegt vor allem an der Börsennotiz des Klubs. Um das zu ändern, müsste Watzke einen irren Doppelpass spielen.

Nicht nur Jürgen Klopp, auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ist im Moment immer mal wieder für einen schönen Wutausbruch gut. Erst die Angriffe auf die „Plastikklubs“ Hoffenheim und Wolfsburg, dann das hässliche Scharmützel mit den Bayern um den Charakter des 2-Millionen-Euro-Notkredits, den die Bayern dem BVB in der Krise gegeben hatten, schließlich vor wenigen Wochen das Herummäkeln am Aktienkurs. „Völlig unterbewertet“ sei der BVB an der Börse, klagte Watzke.

Jetzt hat Watzke das nächste Fass aufgemacht: „Die Dax-Konzerne sollten sich ruhig fragen, ob es im Sinne des Wettbewerbs ist, sich nur auf Bayern München zu konzentrieren“, ätzte Watzke in Richtung FC Bayern, der im Februar gegen einen kleinen Obulus von 110 Millionen Euro die Allianz als langfristigen Partner und Aktionär mit an Bord geholt hatte.

Wenn Watzke der Wettbewerb aber tatsächlich so am Herzen liegt, dann könnte er ruhig auch mal BVB-Großsponsoren wie Evonik und Signal Iduna fragen, ob sie ihre Millionen zur Abwechslung nicht auch mal nach Braunschweig, Paderborn oder Freiburg überweisen wollen. So oder so hat man das Gefühl, dass Watzke bei all seinen Polemiken vor allem eine Sache antreibt: Was Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat, will er auch. Aki Watzke sucht den Super-Sponsor.

Watzkes Problem ist die Börse

Die Ironie der Geschichte: Genau dabei wird der Aktienkurs tatsächlich zum Problem für ihn. Borussia Dortmund bringt aktuell einen Börsenwert von rund 240 Millionen Euro auf die Waage. Will Watzke – wie Rummenigge – über eine Kapitalerhöhung von 10 Prozent einen strategischen Sponsor an Bord holen, kämen nur einmalig 24 Millionen Euro zusammen. Auf dem Niveau, auf dem der BVB inzwischen kickt, reicht das gerade mal für einen neuen Spieler. „Strategisch“ wäre das nicht, nachhaltig schon gar nicht.

Watzkes Problem sind also nicht die Konzerne, die ja alle nur zu den Bayern wollen, sondern die Börsennotiz der Borussia. Natürlich könnte ein Sponsor theoretisch auch weit mehr als den Börsenkurs für eine Beteiligung bezahlen. Aber wieso sollte er das tun? Und vor allem: Wenn der Sponsor selbst börsennotiert ist, wie will er seinen eigenen Aktionären stichhaltig erklären, dass er nicht zu viel bezahlt, sich der Untreue schuldig gemacht hat?

Billig, billiger, BVB

Watzke hätte zwei naheliegende Möglichkeiten, das Problem zu lösen: Indem er ganz einfach einen normalen Sponsorenvertrag ohne Kapitalbeteiligung abschließt, oder indem er den Aktienkurs nach oben jazzt.

Bei letzterem spräche einiges für Watzke: Da der BVB praktisch schuldenfrei ist, entspricht der Börsenwert auch in etwa dem Unternehmenswert. Allein der Kader ist laut Transfermarkt.de 324 Millionen Euro und damit deutlich mehr als das ganze Unternehmen wert. Nur: Wie sehr man sich auf diese fiktiven Marktwerte ein Ei pellen kann, erlebt der BVB just in diesen Tagen. Von den 50 Millionen Euro, die Torjäger Robert Lewandowski wert sein soll, sieht der BVB keinen Cent, wenn der ablösefrei zu den Bayern wechselnde Pole in ein paar Wochen die Lederhosen überstreift.  

Der Wert des Stadions von rund 200 Millionen Euro ist da schon handfester, und auch die Marke BVB dürfte einen guten zweistelligen Millionenbetrag wert sein. Selbst wenn man die Transferwerte also mit großer Vorsicht genießt, hat Watzke in einem Punkt Recht: Der Wert der Assets liegt weit über dem aktuellen Unternehmenswert des BVB.

Auch am Ertrag gemessen wirkt die BVB-Aktie nicht teuer: Auf Basis des Rekordgewinns der Saison 2012/13 kostet das BVB-Papier nur knapp den dreifachen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Selbst gemessen an der Saison davor läge das Ebitda-Multiple immer noch unter fünf. Das ist extrem wenig, viele börsennotierte Unternehmen sind doppelt so hoch bewertet. Und die Allianz hat beim Einstieg bei den Bayern FINANCE-Recherchen zufolge ein Ebitda-Multiple zwischen 12 und 13 zugrunde gelegt – viermal so viel, wie die BVB-Anteile derzeit kosten.

Watzkes geheimer Trumpf: Ein Finanzinvestor

Doch es gibt auch einen guten Grund, Wasser in das Dortmunder Pils zu gießen: Die Gehaltskosten der Mannschaft fressen sich langsam aber sicher wieder in die zuletzt deutlich ausgebaute Vereinssubstanz hinein. In den ersten drei Quartalen steckte der BVB mit 78,2 Millionen Euro fast 11 Millionen Euro mehr in die Lohntüte seiner Kicker als in den ersten drei Quartalen der Vorsaison. Folge: Trotz eines deutlich steigenden Umsatzes ging der operative Gewinn (Ebitda) von 39,6 auf 35,7 Millionen Euro zurück.

So solide die Zahlen nach wie vor sind, zeigen sie an, dass auch beim BVB die Gesetze des Profifußballs gelten: Die Erfolge von heute sind die Risiken von morgen. Es braucht nur leicht weiter steigende Spielergehälter und ein Ausscheiden in der Champions-League-Vorrunde, damit der Gewinn empfindlich schrumpft. Das wissen auch die Investoren an der Börse, und deshalb bezahlen sie auch nicht den vollen Preis auf den Gewinn der beiden Ausnahmejahre, die der BVB gerade hatte.

Einen zugegeben krassen Doppelpass könnte Watzke aber noch auf den Rasen zaubern: Sich mit einem Finanzinvestor zusammentun und den BVB im Zuge eines Leveraged Buy-outs von der Börse nehmen. Aber auch Borussia Dortmund müsste sich an die 50+1-Regel halten und ausschließen, dass ein Investor die Mehrheit übernimmt. Eine BVB-Hauptversammlung, die über einen Buy-out abstimmt, stellen wir uns lustig vor – und auch das, was Watzkes umsichtiger Finanzchef Thomas Treß seinem Chef zu einem solchen Coup zu sagen hätte.

Am besten verfolgt Watzke Plan Nummer Vier: Aufhören mit der Holzerei und normale Sponsorenverhandlungen führen. So haben die Bayern auch mal angefangen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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