Sportlich läuft es überraschend gut für den ;SV Duisburg. Der Aufstieg in die 2. Liag wäre wohl die Rettung. Ohne werden die Zebras mit ihren Altlasten noch lange zu kämpfen haben.

MSV Duisburg

02.10.14
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Der MSV Duisburg kämpft um seine Zukunft

Es grenzt an ein Wunder, dass es den MSV Duisburg noch gibt. Nach der dramatischen Rettung im Frühjahr steht jetzt die Suche nach neuen Geldgebern an. So billig wie beim letzten Mal werden die Zebras diesmal nicht davonkommen.

Die Blätter fallen, doch der MSV Duisburg erlebt seinen zweiten Frühling. Die Mannschaft spielt erstaunlich gut, siegehört zur Spitzengruppe der 3. Liga, und der im Frühjahr geglückte Schuldenschnitt hat auch das Insolvenzgespenst erst einmal vertrieben. „Man steht jetzt enger zusammen in Duisburg“, freut sich Bernd Maas, der Geschäftsführer der MSV Duisburg KGaA, der Kapitalgesellschaft, in die der Klub seine Profiabteilung ausgelagert hat.

Der Zusammenhalt ist so eng, dass die Vermarktungseinnahmen des MSV Duisburg im Vergleich zur vorherigen Saison um mehr als 50 Prozent von 3,7 auf 5,6 Millionen Euro gestiegen sind. Erstaunlich, standen zuletzt doch vor allem Schuldenkrise und schlechter Fußball für die Marke MSV Duisburg. „Aber es herrscht eine Riesenfreude, dass hier überhaupt noch Fußball gespielt wird“, sagt Maas.

Stärker noch als die Einnahmeseite hat sich die Kostensituation des Traditionsklubs entspannt. Zahlte der MSV früher laut Maas 3,8 Millionen Euro Stadionmiete im Jahr, sind es jetzt nur noch 0,9 Millionen – die Mietsenkung war ein Teil des Sanierungsbeitrags der Stadt zur Rettung des MSV. Zwar muss der MSV nach wie vor selbst für Reparaturen, Facility Management und Instandhaltung aufkommen, was die große Arena immer noch zu einer Belastung für den Klub macht – aber 2,9 Millionen Euro weniger Mietkosten sind ein Wort.

Die Bilanz des MSV Duisburg? „Tiefrot“

Die Lage muss demnach schlimm gewesen sein, wenn es dem MSV trotz 2 Millionen Euro höherer Werbeeinnahmen und 3 Millionen Euro geringerer Mietkosten noch immer schlecht geht. Auch in dieser Saison wird die KGaA noch Verluste schreiben, erwartet Maas. Man kann sich ausrechnen, wie die Zahlen davor ausgesehen haben müssen.

In der Bilanz haben die schlechten Zeiten ihre Spuren hinterlassen. Maas will die Zahlen noch nicht nennen, weil der Jahresabschluss erst in Kürze veröffentlicht wird. Aber das Eigenkapital sei noch immer „tiefrot“. Vor einem Jahr habe sich der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen, „jetzt aber nicht mehr“, sagt Maas.

Vereinskenner schätzen, dass der MSV zum Höhepunkt der Schuldenkrise Verbindlichkeiten von 20 Millionen Euro angehäuft hatte – im Frühjahr mussten die Gläubiger auf 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Und das Ganze bei einem Umsatz, der sich in der laufenden Saison laut Maas auf 10 bis 12 Millionen Euro belaufen wird.

Der MSV-Sanierer hofft, in der kommenden Saison 2015/16 wieder profitabel wirtschaften zu können – und insgeheim auf den Aufstieg, denn „für die 2. Liga bekommt man viel leichter eine Lizenz als für die 3. Liga“. Die Anforderungen seien fast gleich, die Einnahmen aber deutlich höher, „allein knapp 5 Millionen Euro an TV-Geldern“, rechnet Maas vor.

Holt sich der MSV Duisburg einen Investor?

Wahrscheinlich ist aber ein Verbleib in der 3. Liga, und dafür muss Maas den Klub erst noch zu Ende sanieren und vor allem die Finanzen neu ordnen. Eine Anleihe, wie sie der Mutterverein gerade über 660.000 Euro aufgelegt hat, hält Maas angesichts der Finanzlage der KGaG nicht für sinnvoll. Er sagt aber auch, dass es „keine Tabus“ gebe.

Der Blick dürfte zwangsläufig in Richtung Eigenkapital gehen, das der Klub nun, da die Liquidität notdürftig gesichert ist, dringend aufbauen muss. Eine Mezzanine-Finanzierung sei denkbar, meint Maas, bei der die Investoren an möglichen Zusatzumsätzen im Fall eines Aufstiegs beteiligt wären – oder gleich eine echte Equity-Transaktion.

Der Vorteil: Dank der ausgelagerten Kapitalgesellschaft wäre es jederzeit möglich, externe Investoren aufzunehmen, wie es gerade viele Bundesliga-Klubs tun, zum Beispiel Borussia Dortmund und Bayern München. Aktuell befinden sich noch 100 Prozent der KGaA-Anteile in den Händen des MSV Duisburg e.V. Maas will zum Thema Finanzierung nur so viel sagen: „Eine öffentliche Finanzierung ist für uns aktuell kein Thema“. Das riecht nach einem bilateralen Deal mit einem Investor.

Forderungen an die Wand genagelt

Es hat Maas‘ Verhandlungsposition nicht gerade gestärkt, dass Vereinspräsident Ingo Wald die nächstliegende Finanzierungsquelle bereits abgegraben hat – mit einem irren Deal. Tausende MSV-Fans zeichneten 660.000 Euro einer Fananleihe mit einer Verzinsung von 5 Prozent. Zwei Drittel der Bonds hängen jetzt als Schmuckpapiere an der Wohnzimmerwand der Fans.

Wald kalkuliert gar nicht damit, dass alle Fan-Gläubiger ihre Kupons abreißen und Zins und Tilgung einfordern werden: „Wir gehen nicht davon aus, dass wir die gesamte Summe am Ende zurückzahlen müssen.“ Solche Statements hört man sonst nur, wenn als Gläubiger die Europäische Zentralbank ins Spiel kommt.

„Die Fans sind gerade mit Anleihen des Muttervereins versorgt“, grämt sich Maas, der sich etwas Anderes überlegen muss. Denn egal ob Equity, Mezzanine oder Fremdkapital: Bei Profi-Investoren wird der MSV nicht so billig davonkommen wie bei seinen Fans und den Altgläubigern. Da können sie in der Ruhrmetropole noch so eng zusammenrücken.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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