Pokalkrimi am Bieberer Berg: Am Ende schied Kickers Offenbach gegen Borussia Mönchengladbach aus. Aber die Extra-Einnahmen aus dem DFB-Pokal waren extrem wichtig für den OFC.

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17.03.15
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DFB-Pokal saniert Kickers Offenbach

Das Insolvenzverfahren von Kickers Offenbach ist bald zu Ende, und dank der Teilnahme am DFB-Pokal dürfte der OFC in diesem Jahr sogar schwarze Zahlen schreiben. Doch über den Berg ist der Klub damit noch lange nicht.

Die guten Nachrichten für den traditionsreichen Fußballklub Kickers Offenbach häufen sich: Zuerst hat sich die Mannschaft bis ins Achtelfinale des DFB-Pokals vorgekämpft und ist dort nur knapp am Top-Klub Borussia Mönchengladbach gescheitert  – beachtlich für den Viertligisten, der als krasser Außenseiter gestartet ist. Und dann wird in wenigen Wochen wohl auch das seit Juni 2013 laufende Insolvenzverfahren abgeschlossen sein. Dann ist die ausgegliederte Profiabteilung von Kickers Offenbach auch offiziell zunächst de facto schuldenfrei.

Die unerwarteten Siege im DFB-Pokal haben das Fundament für den Neustart stärker gemacht. Allein die Überweisung des DFB für die TV- und Marketingrechte an den drei Heimspielen, die der OFC in dieser Pokal-Saison hatte, hat über 1 Million Euro auf das Konto der Offenbacher gespült. Die Zuschauereinnahmen kommen noch dazu. Bis auf den kleinen sechsstelligen Betrag aus der ersten Pokalrunde sind all diese Einnahmen nicht eingeplant gewesen.

Allerdings haben die Pokalerfolge auch zusätzliche Kosten erzeugt. Laut Kickers-Geschäftsführer David Fischer werden die Gesamtausgaben der Kickers für den Spielbetrieb in diesem Jahr nicht wie geplant 2,3 Millionen Euro, sondern über 3 Millionen Euro betragen. Zum Vergleich: Zu Drittligazeiten lag der Etat noch zwischen 4,5 und 5 Millionen Euro. Doch auch nach Abzug der Extra-Kosten dürfte der DFB-Pokal den Kickers in dieser Saison einen ungeplanten Zusatzgewinn von mehreren hunderttausend Euro beschert haben. Für einen Viertliigisten ist das eine Menge Holz. „In den beiden Saisons 2013/14 und 2014/15 zusammengenommen wird Kickers Offenbach sowohl einen Gewinn erzielen als auch einen positiven Cashflow ausweisen“, verspricht Fischer.

Gläubiger von Kickers Offenbach haben 13 Millionen Euro verloren

So viel zu den guten Nachrichten, denn für die früheren Gläubiger des hessischen Traditionsklubs ist das kein Trost: Als Kickers Offenbach vor zwei Jahren unter seiner über viele Jahre angehäuften Schuldenlast zusammenbrach, bilanzierte der Insolvenzverwalter Andreas Kleinschmidt Gläubigerforderungen in Höhe von 14,7 Millionen Euro. Nur 2 Prozent davon bekommen die Gläubiger zurück, plus ein paar Nachschläge, die sich nach aktueller Schätzung auf bis zu 7,5 Prozent  belaufen könnten. Damit hat die Pleite des OFC seine Gläubiger über 13 Millionen Euro gekostet.

Aus aktueller Sicht problematisch ist aber vor allem, dass ein Teil der Schulden eben nicht verschwunden ist: Über 4 Millionen Euro der GmbH-Schulden sind damals gesamtschuldnerisch auf den eingetragenen Verein Kickers Offenbach übergegangen, den Alleingesellschafter der Kickers-GmbH. Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden diese Schulden nach Abschluss des Insolvenzverfahrens wieder bei der Kickers-GmbH landen. Allerdings, und das ist die gute Nachricht, hat der Verein ebenfalls schon Gespräche mit den Gläubigern geführt. Damit dürfte zumindest die bittere Kuriosität abgewendet sein, dass die Kickers-GmbH unmittelbar nach Abschluss des Insolvenzverfahrens wieder in die Pleite schliddert.

Mit den Gläubigern der GmbH haben Fischer und Kleinschmidt derweil eine Regelung für Zuschläge ausgehandelt, die aus Klubsicht nicht allzu hart ist: Bis Juni 2017 muss Kickers Offenbach 25 Prozent seiner außerplanmäßigen Einnahmen aus Freundschaftsspielen, DFB-Pokal und Transfers an seine Gläubiger abtreten, dazu 75 Prozent aus Schenkungen.

„Nur mit wirtschaftlicher Vernunft hat der OFC eine Chance“

Wie genau aber jene Schulden abgestottert werden, die aktuell noch beim Verein liegen, ist noch nicht klar. Das ist eine Hypothek für Fischer, der aus den Ruinen des alten OFC, der laut Kleinschmidt „wie ein Zweitligist gelebt, aber nur in der 3. Liga gespielt hat“, einen wirtschaftlich erfolgreichen Verein aufbauen will, wie er sagt: „Wir stehen wieder auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament. Und nur wenn wir wirtschaftlich vernünftig arbeiten, hat Kickers Offenbach eine Chance.“

Für die endgültige Bereinigung der Altlasten wäre ein Aufstieg hilfreich, der auch in greifbarer Nähe ist. Aktuell steht die Mannschaft an der Tabellenspitze der 4. Liga. Außerdem verhandelt Fischer mit der Stadt Offenbach, dem Eigentümer des vor einigen Jahren grundsanierten Stadions am Bieberer Berg, über die Stadionmiete für die kommende Saison, die einer der größten Kostenblöcke ist.

Für den Lokalrivalen Eintracht Frankfurt sind die Mietverhandlungen mit dem stadteigenen Stadionbetreiber ein stetes Ärgernis, die Stadt Frankfurt bittet die Eintracht vergleichsweise üppig zur Kasse. Der Stadt Offenbach wird das angesichts der nach wie vor schwachen wirtschaftlichen Substanz der Kickers schwerfallen. Und man sollte auch nicht vergessen, dass auch die Stadt im Zuge der Kickers-Insolvenz Millionen verloren hat. Es würde in Offenbach nicht allen gefallen, wenn die Stadt dem OFC in Sachen Stadionmiete weit entgegen käme.

Doch dass der OFC nach wie vor finanzielle Unterstützung braucht, liegt auf der Hand. Die der Fans scheint dem Klub immerhin sicher zu sein. 6.100 Zuschauer kommen in dieser Saison im Schnitt zu den Heimspielen – ein enorm hoher Wert für die 4. Liga und genauso viel wie noch in der Dritten Liga. Die Fans werden in den nächsten Monaten nicht nur beim Geschehen auf dem Platz mitfiebern müssen.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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