Bayern-Präsident Karl Hopfner bei der Jahreshauptversammlung vom vergangenen Freitag: "Die anderen sind doch froh, wenn sie Zweiter werden."

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03.12.14
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Die Zahlenspiele des FC Bayern

Die Chefs von Bayern München lassen sich für ein Rekordergebnis feiern. Doch nicht in allen Details glänzen die Zahlen des Rekordmeisters so wie die Augen der Mitglieder bei der Erwähnung von Uli Hoeneß. Ein zweiter Blick hinter die Rekordzahlen des FC Bayern.

Standing Ovations für den verhinderten Uli Hoeneß, Vergleiche mit dem von den Nazis verfolgten Ex- -Präsidenten Kurt Landauer und im Rampenlicht Funktionäre, die mit breiterer Brust zum Rednerpult liefen als Manuel Neuer im WM-Finale durch seinen Strafraum. Mehr Zentralkomitee als Zahlenschau: Es war eine nicht ungroteske Hauptversammlung, die der FC Bayern am Freitag über die Bühne gebracht hat.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und seine Mitstreiter gaben dem Volk aber auch, wonach es verlangte: Viel Pathos, die obligatorischen Nickligkeiten in Richtung Dortmund und eine Zukunftsvision, bei der der Himmel nach Meinung der Münchner für den FC Bayern voller Geigen hängt.

In Schlagdistanz von Real Madrid

Tatsächlich belegen die Jahreszahlen der Saison 2013/14, in der die Bayern das deutsche Double holten und in der Champions League das Halbfinale erreichten, den wirtschaftlichen Vormarsch des Klubs. Inzwischen tauchen die Bayern sogar schon im Rückspiegel der Topklubs Real Madrid, FC Barcelona und Manchester United auf. Das hätten noch vor ein paar Jahren nicht viele für möglich gehalten, vor allem deshalb, weil die TV-Verträge der Auslandsrivalen massiv lukrativer sind als der TV-Deal der Bundesliga, dem auch die Bayern unterliegen.

Dennoch sprang der Umsatz der Bayern um 22 Prozent auf 528,7 Millionen Euro. Das ist kaum weniger als Real Madrid (603 Millionen Euro), ManU (540 Millionen Euro) und der FC Barcelona (530 Millionen Euro) einnehmen – und mehr als Borussia Dortmund (261 Millionen Euro) und Schalke 04 (207 Millionen Euro) zusammen.

Mit über 250.000 Mitgliedern sind die Bayern inzwischen sogar schon der größte Klub der Welt, was Präsident Karl Hopfner in typischer „Mia san mia“-Manier natürlich nicht ohne einen kleinen Gruß an die Rivalen in Spanien und England stehen lassen wollte. „Mit zweiten und dritten Plätzen sind die doch zufrieden“, tönte er. Ja, so wie die Bayern vor zweieinhalb Jahren im Champions-League-Finale „dahoam“.

FC Bayern: Auf dem Weg zu Europas Spitze

Umsatz und operativer Gewinn (Ebitda) in Mio. €

Quelle: FC Bayern München AG

„Wir verkaufen mehr Trikots als alle anderen zusammen“

Wo aber kommt das Wachstum her, das die Bayern-Funktionäre so stolz macht? Aus der Champions League nicht, dort haben die Bayern wegen des Ausscheidens im Halbfinale mit 52,8 Millionen rund 10 Millionen Euro weniger eingenommen als in der Vorsaison. Die Einnahmen aus Bundesliga und DFB-Pokal blieben konstant.

Sonst aber legten die Bayern überall stark zu: Im Merchandising um 27 Prozent auf 105,2 Millionen Euro („Wir haben mehr Trikots verkauft als alle anderen Bundesligavereine zusammen“), im Sponsoring um 15 Prozent auf 117,7 Millionen Euro, und bei den TV-Erlösen dank des ligaweiten neuen Sky-Vertrags um 24 Prozent auf 54,9 Millionen Euro. Den größten Sprung machte der FC Bayern aber bei den Transfererlösen: Dank der Verkäufe von Gomez, Luiz Gustavo und Can flossen 41 Millionen Euro in die Kasse des FC Bayern, in der Saison davor waren es nur 1,6 Millionen. 

Aber: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im Gegensatz zum Umsatz nur leicht um 3 Prozent auf 98,7 Millionen. Dort allerdings werden die Bayern in dieser Saison den großen Sprung nachholen, wenn nicht sportlich alles schief läuft. Schließlich wird Finanzchef Jan-Christian Dreesen dann die fast 50 Millionen Euro aus den Verkäufen von Kroos und Mandzukic nahezu voll als Gewinn verbuchen können. Dann werden die Bayern das 23. Jahr in Folge profitabel gearbeitet haben.

Die Geldströme des FC Bayern

Erlösaufteilung in % vom Umsatz

Quelle: FC Bayern München AG

Personalkosten des FC Bayern erreichen neuen Höchststand

Die Bayern machen keinen Hehl daraus, was sie damit machen wollen: „Wir sind nicht unterwegs, um unseren Gewinn zu maximieren“, sagte CFO Dreesen. Das sieht man: Die Personalkosten haben mit 215 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreicht. Da sie gegenüber dem Vorjahr mit 6 Prozent aber deutlich langsamer gestiegen sind als der Umsatz, war der Anteil der Personalkosten mit 44,8 Prozent so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Borussia Dortmund – ebenfalls schwer hochgerüstet – leistet sich einen Personaletat von 107,8 Millionen Euro und kommt damit auf eine Personalkostenquote von 41,3 Prozent. Schalke 04 kommt mit 98,3 Millionen Euro auf eine Personalkostenquote von 47,5 Prozent. Das zeigt: Im Bundesligavergleich leben die Bayern nicht auf größerem Fuß als ihre Konkurrenten. 

Und die schlechte Nachricht für alle, die sich eine spannende Meisterschaft wünschen: Die Bayern halten sich angesichts ihrer Reserven mit ihren Kaderkosten noch zurück. Das Eigenkapital ist im Lauf einer einzigen Saison von 286,8 auf 405 Millionen Euro angeschwollen, was nicht nur an der Eigenkapitalspritze von 110 Millionen Euro liegt, die die Allianz den Bayern vor einem Jahr gewährt hatte. Die Allianz Arena – einst 346 Millionen Euro teuer – ist abbezahlt und das berühmt-berüchtigte Festgeldkonto trotzdem von 135 auf fast 187 Millionen Euro angewachsen.

Die Eigenkapitaldecke der Bayern ist deutlich dicker als die des BVB (287 Millionen Euro nach Kapitalerhöhung) und vor allem des FC Schalke 04, der ein negatives Eigenkapital von 75 Millionen Euro aufweist.

Indes: Reich werden beim FC Bayern nur die Kicker. Als Dividende schütten die Bayern nur 8,6 Millionen Euro aus, das ist weniger als bei Borussia Dortmund. Davon fließen nur rund 2 Millionen an die drei Konzerne Audi, Allianz und Adidas, die zusammen fast 300 Millionen Euro in den Verein gepumpt haben. Damit beläuft sich die Dividendenrendite für die Investoren auf weniger als 1 Prozent. Solch ein Ausschüttungsniveau kennt man sonst eher von Silicon-Valley-Companies. Auch dort sind die Egos manchmal noch größer als der wirtschaftliche Erfolg.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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