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10.02.16
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Eintracht Frankfurt stoppt Genussscheinemission

Eintracht Frankfurt hat die geplante Ausgabe von Genussscheinen im Wert von 10 Millionen Euro abgeblasen. Aufsichtsratsboss Steubing begründet das mit dem Börsenumfeld und der prekären sportlichen Situation. Jetzt wird die Eintracht wohl Spieler verkaufen müssen.

Der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt wird vorerst nicht wie erhofft sein Eigenkapital um mindestens 10 Millionen Euro stärken. Die dafür geplante Ausgabe von Genussscheinen wurde von Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing – Gründer und Inhaber der gleichnamigen Frankfurter Bank – gestoppt. „Die Börsensituation ist auf Crash-Niveau, und das Produkt Eintracht Frankfurt hängt momentan“, sagte Steubing zur Begründung. Nach einer schwachen Hinrunde steht die Eintracht derzeit nur auf Platz 15 der Bundesligatabelle und droht am Wochenende gar auf einen Relegationsplatz abzurutschen.

Die sportlichen Ziele waren eigentlich andere gewesen: Um ins obere Mittelfeld zu kommen, hatte die Eintracht zu Saisonbeginn stark in den Kader investiert und den Etat von 36 auf fast 39 Millionen Euro ausgeweitet. Vor zwei Jahren waren es noch 31 Millionen gewesen. Den Lizenzspieleretat von 39 Millionen Euro bezeichnete der scheidende Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen ganz offen als „aus dem operativen Geschäft nicht refinanzierbar“. Bruchhagen stand eher für den vorsichtigen Finanzkurs, der die Eintracht in der Saison 2013/14 zu einem hohen Gewinn geführt hatte.

Trapp-Transfer kaschiert Millionenminus

Kurzfristig können die Löcher, welche die wachsenden Spielergehälter in die Kasse reißen, durch Transfererlöse gestopft werden. Seit dem Verkauf von Torwart Kevin Trapp im Sommer für rund 9 Millionen Euro nach Paris ist klar, dass die Eintracht das für diese Saison geplante operative Minus von 4,5 Millionen Euro unterm Strich wohl in einen Gewinn drehen kann. Der Umsatz wird erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke knacken. Die in den Jahren danach wahrscheinlich anfallenden Verluste sollte auf Bilanzseite eigentlich das Genussrechtskapital abpuffern.

Treibende Kraft hinter dem Projekt war der Eintracht-Manager Axel Hellmann, der bis vor einem halben Jahr noch Finanzchef war. Er setzte sich mit seinem Plan, zur Finanzierung der höheren Ausgaben weitere Kapitalgeber von außen in den Klub zu holen, unter anderem gegen den Widerstand Bruchhagens und des ebenfalls als eher konservativen geltenden damaligen Aufsichtsratschefs Wilhelm Bender durch, dem früheren CEO von Fraport. Dessen Nachfolger Steubing galt bislang jedoch als Unterstützer des Genussscheinprojekts.

Die Eintracht wollte die Papiere bei wohlhabenden Personen oder Unternehmen aus dem Umfeld des Vereins platzieren. Diese sollten eine enge Bindung an den Verein haben und nicht in erster Linie aus Renditeerwägungen oder zum Zweck der Einflussnahme investieren, so Hellmanns Plan. Noch im Spätsommer war sich Hellmann sicher, „dass wir auch Genussscheine für 20 Millionen Euro platzieren könnten, wenn wir wollten“.

Zambrano-Millionen statt Genussscheine

Nun wird die Eintracht andere Wege finden müssen, um ihr Kapitalpolster zu stärken. Der Klub ist zwar schuldenfrei, doch der in der vergangenen Saison angefallenen Jahresverlust von 6,1 Millionen Euro hat die Eigenkapitaldecke von 12 auf 5,7 Millionen Euro ausgedünnt. Eine nennenswerte Entlastung auf der Kostenseite dank des Auslaufens nachteiliger Miet- und Marketingverträge wird es erst 2020 geben.

Sofern Steubing und Hellmann die Genussscheinemission im Fall einer sportlichen Erholung nicht doch wiederbeleben, wird die Eintracht die Löcher wohl durch Transfererlöse stopfen müssen. Diese hatte Bruchhagen von Anfang an explizit als Bestandteil der neuen Investitionsoffensive bezeichnet.

Gut für die Finanzen der Eintracht ist, dass sich die nächsten Millionentransfers bereits abzeichnen: Für Verteidiger Carlos Zambrano und Stürmer Haris Seferovic gibt es millionenschwere Angebote, beide gelten als wechselwillig. Sowohl bei Zambrano als auch bei Seferovic dürfte die erhoffte Ablösesumme jedoch unter dem Rekordwert des Trapp-Transfers liegen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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