Fortuna-Düsseldorf-Finanzchef Paul Jäger geht hart mit sich ins Gericht. Der Gewinn sei auf falsches Ausgabeverhalten zurückzuführen. Doch wohin führt die Fortuna sein neuer offensiverer Weg?

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25.09.15
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Fortuna Düsseldorf: Keine Lust mehr auf Sparkurs

Der Finanzchef von Fortuna Düsseldorf ärgert sich, dass er zu wenig Geld ausgegeben hat. Kaum steht die Fortuna finanziell nicht mehr mit dem Rücken zur Wand, nimmt der Klub schon wieder Kurs auf das nächste Finanzabenteuer.

Paul Jäger, Finanzchef und Sanierer von Fortuna Düsseldorf, ist immer für eine Überraschung gut. Das jüngste Highlight war die Präsentation der aktuellen Geschäftszahlen. Die Abscheu konnte man ihm fast im Gesicht ablesen, als er verkündete, dass die Fortuna mit 1,17 Millionen Euro schon wieder eine Saison mit Gewinn abgeschlossen hatte. Aber: „Gewinne zu verkünden tut weh, wenn der Sport nicht Schritt hält“, klagte Jäger. Er wirft sich vor, nicht genug Geld in die Mannschaft gesteckt zu haben, die nach dem enttäuschenden Abschneiden der Vorsaison auch derzeit wieder uninspiriert im unteren Mittelfeld der Zweiten Liga herumkickt.

Deshalb soll jetzt Schluss sein mit dem Sparkurs der Fortuna, der den Verein immerhin vom Pleitekandidaten zum solide finanzierten Mittelklasseklub gemacht hat: Stand die Fortuna vor zehn Jahren noch mit einer Bilanzunterdeckung von 9 Millionen Euro da, hat Jäger inzwischen ein Eigenkapital von 6 Millionen Euro angespart. Dies entspricht fast genau dem Gewinn, den die Fortuna in den vergangenen drei Spielzeiten erzielt hat.

Damit könnte man doch was machen, denkt man sich anscheinend in Düsseldorf. Bereits in der Winterpause will die Fortuna am Transfermarkt zuschlagen, den Personaletat für die laufende Saison hat Jäger schon einmal von 11 auf 12 Millionen Euro aufgestockt. Der Finanzchef glaubt, dass der Klub damit „auf Platz 3,4 oder 5 in der Liga steht“. Sportlich ist es aktuell aber nur Platz 15. 

Sportliche Malaise kostet Fortuna Düsseldorf TV-Millionen

Die gute Nachricht für Fortuna-Fans: Dank der angesparten Millionen kann sich die Fortuna den Offensivkurs leisten, zumal sie mit einer Personalkostenquote von knapp 40 Prozent im soliden Ligaschnitt liegt und mit dem Bau eines neuen Jugendleistungszentrums auch in die Zukunft investiert. Die schlechte Nachricht: Die Offensive läuft Gefahr, sich als Strohfeuer zu entpuppen. Denn auf die Fortuna kommen potentielle Millionenlasten zu, die dazu führen könnten, dass sich das Sparschwein schneller leert, als Jäger den Stöpsel wieder draufsetzen kann.  

Ein großes Risiko lauert bei den TV-Geldern. Aktuell rangiert die Fortuna auf Rang 6 der TV-Tabelle der Zweiten Liga, zwei Plätze niedriger als in der vergangenen Saison. Damit ist ein Rückgang der TV-Gelder von 8,9 auf 8,5 Millionen Euro verbunden. Und der nächste Platzverlust kündigt sich bereits an: Wäre die Saison heute vorbei, würde die Fortuna im TV-Ranking auf Rang 9 zurückfallen und dadurch eine weitere Million im Jahr verlieren.

Dieses Szenario ist nicht unrealistisch, und es hat auch nicht nur mit der aktuellen sportlichen Flaute zu tun. Kern des Problems ist, dass die Fortuna im TV-Ranking momentan noch von den vielen Punkten profitiert, die sie im Aufstiegsjahr 2011/12 und in der Bundesligasaison 2012/13 gesammelt hat. Diese Punkte werden aber bald aus der Zählung herausfallen, während die Verfolger der Fortuna im TV-Ranking deutlich weniger Punkte verlieren werden.

Dies wiegt schwer, denn die TV-Einnahmen sind inzwischen der wichtigste Umsatzposten der Fortuna geworden. Teilten sich die Einnahmen bis vor kurzem noch etwa zu gleichen Teilen auf TV, Ticketing und Werbung auf, bewegt sich der TV-Anteil laut Jägers Angaben aktuell in Richtung 40 Prozent. Und Rückgänge beim stärksten Umsatzposten kann kein Unternehmen ohne weiteres wegstecken, vor allem dann nicht, wenn es sich dabei – wie bei der Verteilung der TV-Gelder – um ein Nullsummenspiel handelt, bei dem die Konkurrenten in genau dem gleichen Maße gewinnen, wie die Fortuna verliert.

Fortuna Düsseldorf befreit sich aus den Fängen von Kölmel

Der zweite große Finanztreiber ist hingegen eine klare Chance für Fortuna Düsseldorf – die es aber auch rasch zu nutzen gilt. Vor zwei Jahren hat Jäger einen klugen Deal mit der Investorengruppe Kölmel abgeschlossen, der der Fortuna auf Sicht wieder vollen Zugriff auf die Einnahmen aus der Verwertung der audio-visuellen Rechte verspricht. Diese hatte der Klub im Jahr 1999 zusammen mit den Marketingrechten zum Teil an Kölmel abgetreten, um dafür eine Finanzspritze über 15 Millionen D-Mark zu erhalten.

Damals verpflichtete sich die Fortuna neben der Rückzahlung des Kredits auch darauf, unbefristet jedes Jahr 15 Prozent der Einnahmen aus den audio-visuellen Rechten an Kölmel abzutreten. Als Gegenleistung für die Änderung dieses Vertrags musste die Fortuna im Herbst 2013 insgesamt 3 Millionen Euro an Kölmel zahlen, bis spätestens 2023 werden weitere 4,5 Millionen fällig. Sobald diese Restsumme abgestottert wäre, müsste die Fortuna keine 15 Prozent mehr an Kölmel abtreten. Das würde Mehreinnahmen von mindestens 400.000 Euro im Jahr bedeuten.

Das Geld, das die Fortuna jetzt in den Kader pumpt, könnte ihr jedoch fehlen, um Kölmel schleunigst loszuwerden. Es gibt Vereine, die es genau andersherum machen, zum Beispiel Hertha BSC Berlin. Nachdem der Finanzinvestor KKR 61 Millionen Euro in den Klub gepumpt hatte, hat das Hertha-Management einen Teil der Gelder dazu verwendet, mit sofortiger Wirkung alle Rechte zurückzukaufen und damit wieder vollen Zugriff auf die Einnahmen zu bekommen. Die zusätzlichen Einnahmen reinvestiert die Hertha in die Mannschaft.   

Mit aller Macht zurück in die Bundesliga

Fortuna Düsseldorf will stattdessen mit Macht wieder zurück in die Erste Liga. Nur: Dass Geld nicht immer Tore schießt, beweist im Moment kaum ein Profiklub besser als die Fortuna, wo sich die Diskrepanz zwischen Kader-Investment und sportlichem Erfolg nun schon seit einer ganze Weile auftut. 

Hinzu kommt, dass der Weg zurück in die Bundesliga keine gemähte Wiese ist. Dazu müsste sich Fortuna Düsseldorf an Klubs wie RB Leipzig und SC Freiburg vorbei schieben, die sportlich und wirtschaftlich klares Bundesliga-Format haben und der Fortuna damit um Längen voraus sind. Dazu kommen noch die Kurzzeit-Erstligisten SC Paderborn und Eintracht Braunschweig, die sich in ihrem Bundesligajahr wirtschaftlich gestärkt haben und inzwischen finanziell auf Augenhöhe mit Fortuna Düsseldorf sind.

Noch dazu ist die Fortuna nicht der einzige Traditionsklub, der zurück in die Bundesliga will – das gilt mindestens auch für den 1.FC Nürnberg und den 1.FC Kaiserslautern. Es könnte also irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem sich Finanzchef Jäger nicht mehr nur über die schwache Leistung auf dem Platz ärgern muss, sondern dann auch über einen schlechten Trend in seinem Zahlenwerk.     
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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