Feierstunde für Uli Hoeneß & Co. bei der Mitgliederversammlung: Mit ihrer Finanzkraft setzt sich Bayern München immer weiter vom Rest der Liga ab.

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20.01.17
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Fußball-Finanzen: So dominiert der FC Bayern die Liga

Mit ihren neuen Geschäftszahlen schocken die Bayern den Rest der Bundesligakonkurrenz. Bei der Finanzkraft geht selbst die Schere zu Borussia Dortmund und Schalke 04 immer weiter auf – und das nicht wegen der Champions-League-Millionen.

Die Erzrivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 profilieren sich mit smarten Transfergeschäften, und RB Leipzig hat sich viel früher zu einem ernsthaften Bayern-Jäger aufgeschwungen, als es die meisten Beobachter für möglich gehalten hätten. Dennoch ist die wirtschaftliche Dominanz von Bayern München in der Bundesliga so groß wie nie zuvor, wie die neuen Geschäftszahlen der Bayern zeigen.

Was der Rekordmeister in der abgelaufenen Saison erwirtschaftet hat, dürfte die Konkurrenz geschockt haben. Bayern-Finanzchef Jan-Christan Dreesen, ein ehemaliger Banker, präsentierte für die Saison 2015/16 neue Rekordwerte bei Umsatz und operativem Gewinn: Aus 626,8 Millionen Euro Umsatz (20 Prozent mehr als in der Vorsaison) machten die Bayern einen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 142,5 Millionen Euro. Das waren sogar 28 Prozent mehr als im vorherigen Geschäftsjahr. Das Ebitda ist in der Regel in etwa das, was nach Kosten, aber vor Investitionen als frisches Bargeld in der Kasse hängen bleibt.

Bayern-Finanzchef Jan-Christian Dreesen orientiert sich nur an der Elite

Daraus ergibt sich eine gewaltige Feuerkraft für Spielereinkäufe, vor allem weil die Bayern ihre Arenaschulden von anfangs fast 350 Millionen Euro inzwischen komplett abbezahlt haben. Auf dem berühmt-berüchtigten Festgeldkonto lagen zum Stichtag Ende Juni vergangenen Jahres mehr als 190 Millionen Euro. Das Eigenkapital der Bayern summiert sich sogar auf über 416 Millionen Euro. Damit liegt der FC Bayern „wirtschaftlich auf höchstem Champions-League-Niveau“, meint Finanzchef Dreesen.

Umsatzseitig liegen die Bayern nach neuesten Zahlen der Beratungsgesellschaft Deloitte zwar hinter Manchester United, dem FC Barcelona und Real Madrid zurück – aber nur, weil die spanischen und englischen Topklubs viel höhere TV-Gelder kassieren. Den französischen Topklub Paris St. Germain haben die Bayern hingegen wieder überholt.

Beim Vermögen dürfte die Position der Bayern in Europa mindestens so stark wie beim Umsatz sein, vielleicht sogar noch besser. Und an der Säbener Straße scheint der Ehrgeiz groß zu sein, sich mit den Weltklubs auch in den nächsten Jahren weiter auf Augenhöhe zu duellieren. Die Bayern-Führung will die Rekordeinnahmen nutzen, um zu klotzen: „Wir werden regelmäßig die notwendigen Investitionen in den Kader tätigen, um weiterhin zur europäischen Elite zu gehören“, gibt der Bayern-Finanzchef die Marschrichtung vor.

Umsatzvergleich: Der Vorsprung der Bayern wächst und wächst

Die deutschen Rivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 scheinen gar nicht mehr im Blickfeld der Bayern zu liegen, und das, obwohl auch dort die Verantwortlichen einen ziemlich guten Job machen. Beide Klubs haben zuletzt Rekordergebnisse vorgelegt: Dem BVB haben die Verkäufe diverser Leistungsträger im Sommer die Kasse prall gefüllt, während Schalke 04 beim Schuldenabbau erstaunlich schnell vorankommt. Im Sommer gelang Schalke-Finanzchef Peter Peters sogar eine Umschuldung über den Kapitalmarkt, was den Revierverein finanziell gesehen wohl auf Jahre hinaus in sicherem Fahrwasser halten wird. 

Doch der Rückstand der Reviergrößen auf die Bayern schrumpft nur gefühlt. Ein tieferer Blick in die Zahlen zeigt, dass die Bayern ihren Vorsprung mit ihrem Rekordergebnis sogar noch ausgebaut haben. Um Transfererlöse bereinigt, liegen die Bayern beim Jahresumsatz aktuell um 310,7 Millionen Euro vor dem BVB und gar um 378,4 Millionen Euro vor Schalke 04. Im vergangenen Jahr, als die Bayern ein wenig schwächelten, hatten sich der BVB und Schalke noch auf 210 beziehungsweise 269 Millionen Euro herangepirscht. Auch vor zwei Jahren war der bereinigte Umsatzvorsprung der Bayern mit 232 Millionen Euro (BVB) und 293 Millionen Euro (Schalke 04) deutlich kleiner als aktuell. 

Der BVB erlöst fast dreimal so viel aus Transfers wie die Bayern

Die große Kluft bei den Einnahmen wirkt sich natürlich auch auf die Finanzkraft aus: Gegen den operativen Gewinn der Bayern von 142,5 Millionen Euro können Dortmund und Schalke aktuell lediglich 86,7 beziehungsweise 64,5 Millionen Euro ins Feld führen – und auch das nur, weil sie hohe zweistellige Millionengewinne aus den Verkäufen von Mats Hummels (BVB) und Julian Draxler (Schalke) eingefahren haben.

Die Bayern dagegen halten sich seit Jahren mit großen Spielerverkäufen zurück. Ihre Finanzkraft ist offensichtlich groß genug, um den Kader zusammenzuhalten. In der abgelaufenen Saison haben beide Revierklubs wesentlich mehr Einnahmen am Transfermarkt erzielt als die Bayern. Mit Transfereinnahmen von 95 Millionen Euro übertrifft der BVB die Bayern (34,8 Millionen) fast um das Dreifache, auch Schalke lag mit Erlösen von 50,9 Millionen Euro komfortabel vor den Bayern.

Bayern verdient sechsmal so viel mit Merchandising wie Schalke 04

Wo kommt die Dominanz der Bayern dann aber bloß her, wenn nicht von der Versilberung ihres Luxuskaders am Transfermarkt? Es sind vor allem zwei Einnahmeposten, bei denen die Bayern in einem anderen Orbit unterwegs sind als ihre einheimischen Konkurrenten: Werbung/Sponsoring und Merchandising. Die Bayern haben in der abgelaufenen Spielzeit fast 170 Millionen Euro mit Werbung und Sponsoring eingefahren. Dortmund (84,6 Millionen Euro) und Schalke (67 Millionen Euro) hängen dort meilenweit hinterher.

Noch größer ist der Abstand beim Merchandising. Mehr als 108 Millionen Euro spült der Verkauf von Fanartikeln und allerlei Krimskrams mit Vereinslogo den Bayern pro Jahr in die Kassen. Der BVB schafft mit 39,8 Millionen Euro nicht einmal die Hälfte davon, Schalke 04 findet bei diesem Vergleich mit 18,4 Millionen Euro fast schon gar nicht mehr statt.

Und doch muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dass selbst die Schalker mit ihrem Merchandisingumsatz fast alle übrigen Bundesligaklubs weit in den Schatten stellen. Andere Klubs mit großen Namen wie der 1.FC Köln, der wieder ins Taumeln geratene Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC oder der VfB Stuttgart bewegen sich beim Fanartikelverkauf bei Umsätzen im hohen einstelligen Millionenbereich. 

Der riesige Vorsprung der Bayern vor dem Rest der Liga erklärt sich mit einem Blick über die Grenzen: Der FC Bayern hat nicht nur deutschlandweit die meisten Anhänger, sondern vor allem international eine wesentlich größere Zugkraft bei Fans uns Sponsoren als die Arbeiterklubs aus dem Revier und die übrigen Traditionsklubs der Bundesliga.

Trotz ihres Luxuskaders sind die Bayern sogar noch sparsam

Welche Möglichkeiten sich den Bayern durch den riesigen Vorsprung bei Werbe- und Merchandising-Einnahmen bieten, zeigt der Spieleretat. Wenig überraschend überweisen die Bayern ihrem kickenden Personal erheblich mehr als alle anderen Bundesligaklubs: Satte 260,3 Millionen Euro verbuchte der FC Bayern in der zurückliegenden Saison an Personalkosten, fast 15 Prozent mehr als in der Vorsaison. Damit sind die Gehälter bei den Bayern fast doppelt so schnell gestiegen wie im Schnitt der vergangenen drei Jahre.

Im gleichen Tempo wachsen die Kaderkosten aber auch beim BVB, der in der abgelaufenen Saison gegenüber der Vorsaison sogar 19 Prozent obendrauf gepackt hat. Insgesamt pumpten die Borussen rund 140 Millionen Euro in ihr Personal. Schalke hingegen hat seine Gehaltskosten im Jahr 2015 sogar leicht auf 111 Millionen Euro gedrückt – die Mehrjahresgehaltsinflation der Knappen ist damit auf 4 Prozent gesunken.

Die Bayern können es sich ohne weiteres leisten, schneller als ihre Rivalen aufzurüsten. Obwohl sie sich ihr Personal 120 beziehungsweise 150 Millionen Euro pro Jahr mehr kosten lassen als Dortmund und Schalke, müssen sie deutlich weniger von jedem verdienten Euro für ihren Kader zur Seite legen als die Revierklubs. Die um Transfererlöse bereinigte Personalkostenquote der Bayern beträgt gerade einmal 44 Prozent und damit so wenig wie bei nur wenigen Bundesligaklubs.

Beim BVB, wo der abgeklärte Finanzchef Thomas Treß dafür sorgt, dass das Geld beileibe nicht zum Fenster hinausgeworfen wird, liegt die bereinigte Personalkostenquote bei 49,8 Prozent. Die ebenfalls seriös wirtschaftenden Schalker kommen auf 52,1 Prozent – beides Werte, die im internationalen Vergleich durchaus konservativ sind, aber eben nicht so niedrig wie beim Münchener Serienmeister.

Wie hart träfe die Bayern ein frühes Champions-League-Aus?

Schlecht für die Spannung in der Bundesliga: Ereignisse, die die finanzielle Dominanz der Bayern schmälern könnten, sind nicht in Sicht. Selbst ein frühes Champions-League-Aus im Achtelfinale gegen Arsenal London könnten die Bayern gut verschmerzen, da die Champions-League-Einnahmen nur rund 10 Prozent ihrer Gesamterlöse ausmachen.

Selbst wenn es zur Blamage käme und die Bayern überraschend früh ausschieden, dürfte dies auf Jahressicht nur zu einem minimalen Umsatzrückgang im Gesamtkonzern führen, wenn überhaupt. Schwer treffen würde es die Bayern nur, wenn ihr Markenwert unter die Räder käme. Doch es gibt keinerlei Anzeichen, dass dies in absehbarer Zeit passieren könnte .    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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