Gute Nachrichten? Die Schalke-Macher Clemens Tönnies (links) und Peter Peters freuen sich über sinkende Schulden.

picture alliance / Schwörer Pressefoto

24.03.15
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Schalke: Die nächste Baustelle bremst den Schuldenabbau

Kaum war der sündhaft teure Dachschaden an der Veltins-Arena repariert, hat es Schalke 04 geschafft, einen ordentlichen Teil seines großen Schuldenbergs abzutragen. Das zeigt, was für ein wirtschaftliches Potential der Klub hat. Nur leider rollen bald schon wieder die Bagger an.

Den Überschuss von 0,5 auf 4,2 Millionen Euro gesteigert, dazu mit 215,3 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte erzielt – 2014 lief für Schalke 04 aus wirtschaftlicher Sicht deutlich besser als 2013, als die Königsblauen eine Bilanz mit pikanten Details und einigen Negativbotschaften vorgelegt hatten. Wie immer bei Schalke sind es aber auch im aktuellen Zahlenwerk wieder die Details, die noch interessanter sind als die Eckdaten.

Es gibt gute Gründe, bei einem so hoch verschuldeten Verein wie Schalke 04 die Gewinn- und Verlustrechnung erst einmal zu überblättern und gleich in die Bilanz zu schauen. Dort sind die Knappen im abgelaufenen Kalenderjahr gut vorangekommen: Die Finanzverbindlichkeiten konnten um knapp 15 Millionen Euro abgebaut werden, sind mit 163,9 Millionen Euro aber noch immer hoch. Die Gesamtverbindlichkeiten sind um mehr als 25 Millionen auf 204 Millionen Euro gesunken, vor allem weil Schalke die Arena-Hypothek weiter abgetragen und die noch offenen Transferverbindlichkeiten von 17,0 auf 6,2 Millionen Euro reduziert hat.

Bis Ende 2019 sollen die Finanzschulden auf unter 100 Millionen Euro sinken, gibt Schalke-Finanzchef Peter Peters als Ziel vor. Schreibt man die Entwicklung von 2014 fort, klingt das wenig ambitioniert. Aber 2015 und 2016 wird es mit einem weiteren Schuldenabbau wohl leider nichts werden, wie Peters warnt – Schalke muss mal wieder viel Geld in die Modernisierung seiner Infrastruktur stecken.

Zweitbestes Jahr der Vereinsgeschichte

Umsatz von Schalke 04 in Mio. €

Quelle: Schalke 04

Nach dem neuen Dach kommt nun das „Tor auf Schalke

Hatte von 2011 bis 2013 die Beseitigung des Dachschadens an der Veltins-Arena über 25 Millionen Euro verschlungen, wird Schalke in den nächsten beiden Jahren wieder 25 Millionen Euro investieren müssen, diesmal in sein Trainingsgelände und ein neues Fanzentrum („Tor auf Schalke“). Die Schalke-Chefs räumen ein, dass der Klub bei seinem Trainingsgelände den Anschluss an die europäischen Top-Vereine verloren hat.

Dass solche Großinvestitionen den Schuldenabbau regelmäßig unterbrechen, ist die logische Folge aus dem Klub-Konsens, dem Einstieg von Investoren eine klare Absage zu erteilen. Während der BVB die Millionenausgaben für die neue Fan-Welt nachträglich durch frische Investorengelder refinanziert hat, stemmt Schalke die Erneuerung seines Vereinsgeländes so, wie man es eben tut, wenn man alleiniger Herr im Haus bleiben will: Zu 90 Prozent, so Peters, würden das neue Trainingsgelände und das Tor auf Schalke fremdfinanziert.

Schalke schwankt zwischen Gewinn- und Verlustzone

Nettoergebnis von Schalke 04 in Mio. €

Quelle: Schalke 04

Schalke fährt seine Personalkostenquote hoch

Je nachdem, wie man zum Thema Investorengelder in der Bundesliga steht, kann man das für aufrecht oder für waghalsig halten. Aber die 2014er-Zahlen deuten darauf hin, dass Schalke die fragile Balance zwischen hohen Schulden, vielen Investitionen und einem teuren Kader aktuell ganz gut managt: Der Schuldenabbau und die Gewinnsteigerung im vergangenen Jahr gelangen dem Revierklub, obwohl die Personalkosten von 98,3 auf 114,4 Millionen Euro zugelegt haben. Damit kletterte die Personalkostenquote von 47,5 auf 53 Prozent des Umsatzes. Das ist – in Relation zum Umsatz – spürbar mehr, als sich zum Beispiel die Bayern ihren Luxuskader kosten lassen.

Der Puffer, den Schalke braucht, um auch bei einem Verpassen der Champions League seine Mannschaft zusammenhalten zu können, wird damit kleiner. Auf der anderen Seite enthält der 2014er-Umsatz lediglich Transfererlöse von 10,1 Millionen Euro (Vorjahr: 11,5 Millionen Euro), was sich vermutlich recht einfach nach oben treiben ließe, wenn einmal als Reaktion auf Umsatzrückgänge die Personalkosten gekürzt und die Kassen gefüllt werden müssten.

Peters jedenfalls will keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass Schalke nach unten einigermaßen abgesichert sei: „Schalke verfügt heute über einen Grundumsatz, der unabhängig ist vom sportlichen Erfolg und der dem Verein – mit den gesetzten Zielen in der Finanzierungsstruktur – eine im Kampf um die internationalen Plätze wettbewerbsfähige Mannschaft ermöglicht.“ Dazu passt, dass Schalke für das laufende Jahr einen weiteren Umsatzzuwachs um 10 Millionen Euro und einen erneuten Jahresgewinn erwartet. Allerdings fußt diese Erwartung auf der Prämisse einer erneuten Champions-League-Teilnahme, was seit dem vergangenen Spieltag mit der Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen und dem Auswärtssieg von Gladbach bei den Bayern ziemlich unsicher geworden ist.

Schalke rüstet auf

Personalaufwand (in Mio. €) und Personalkostenquote (in %)

Quelle: Schalke 04

Finanzchef Peter Peters wird zur Schlüsselfigur

Wie stark Schalke wirklich ist, werden die Jahre 2017 bis 2019 zeigen. In diesen drei Jahren nämlich muss Peters über 65 Millionen Euro Schulden abbauen, ohne dafür neue aufzunehmen. Nur dann kann es ihm gelingen, die Finanzschulden bis Ende des Jahrzehnts wie versprochen unter die 100-Millionen-Euro-Marke zu drücken.

Eine Champions-League-Teilnahme würde dabei kräftig helfen, ist aber offenbar keine Bedingung. „Durch langfristige Sponsorengelder und die zentral vermarkteten TV-Verträge ist ein Teil der Zusatzeinnahmen bereits jetzt plan- und absehbar“, sagt Peters. Aber das wird nur aufgehen, wenn nicht ein Großteil davon in die Spielertaschen fließt, und da wird auch das Ausgabeverhalten der anderen Bundesligaklubs eine Rolle spielen.

Immerhin hat der Schalker Finanzchef auf beides großen Einfluss: Er wacht bei Schalke über den Spieleretat und wird als Vertreter der DFL den neuen TV-Vertrag mit aushandeln. Peters könnte so zur Schlüsselfigur bei dem ambitionierten Vorhaben der Schalker werden, als letztes gallisches Dorf mit e.V.-Status dem Sturm der Investorenklubs auf die Bundesliga-Spitze standzuhalten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Investorenansturm beim BVB, Rekordjagd beim FC Bayern, Überlebenskampf bei Werder Bremen: Mehr Beiträge aus dem FINANCE-Blog „3. Halbzeit“ finden Sie hier. Folgen Sie 3. Halbzeit auch auf Facebook und diskutieren Sie mit.

Mehr Hintergründe zur aktuellen wirtschaftliche Lage des Bundesligaklubs und zur ausstehenden Mittelstandsanleihe gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu Schalke 04.