Schon Zeit für den Feierabend? Für CFOs endet der Arbeitstag in der Regel nicht mit der Stechuhr.

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28.12.15
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Robert Half erschafft die 40-Stunden-Woche für CFOs

Eine neue Studie entlarvt: CFOs bleibt kaum Zeit für strategische Themen. Das gilt besonders, wenn man den Arbeitseinsatz auf eine geregelte 40-Stunden-Woche herunterrechnet.

Immer häufiger ist die Rede vom CFO als strategischem Sparringspartner des CEOs, und dann das: Nur 5,2 Stunden pro Woche beschäftigen sich deutsche CFOs mit unternehmensstrategischen Aufgaben, so die Auswertung einer Arbeitsmarktstudie von Robert Half, für die deutschlandweit 200 Finanzchefs befragt wurden. Das sind der Beratung zufolge gerade einmal 13 Prozent der Arbeitszeit.

Das überrascht in doppelter Hinsicht: Nicht nur, weil andere Bereiche wie Teamführung bei den CFOs einen unerwartet großen Anteil einnehmen. Sondern umso mehr noch, weil die Arbeitsstunden offenbar auf eine geregelte 40-Stunden-Woche hochgerechnet wurden. Die Gewerkschaften wären sicher froh über eine derart stabile Work-Life-Balance in Führungspositionen, wie Robert Half sie suggeriert.

An der Realität dürfte das aber deutlich vorbeigehen – selbst die Praktikanten in vielen Unternehmen würden andernfalls wohl länger arbeiten als ihr CFO. Und tatsächlich: Für das FINANCE CFO Panel geben deutsche Finanzchefs regelmäßig Auskunft über ihre Arbeitszeiten. Bei der jüngsten Befragung arbeiteten 38 Prozent der Teilnehmer zwischen 55 und 60 Stunden. Nur rund 13 Prozent der CFOs gaben an, mit weniger als 50 Arbeitsstunden auszukommen. Auch wenn dies nicht mehr detailliert erfasst wurde, dürfte die Wahrheit selbst in diesem Segment zumeist näher an 50 als an 40 Stunden liegen. 

Zeigt uns den CFO, der eine Stechuhr hat!

Die Umrechnung auf einen Arbeitsalltag nach der Stechuhr wäre darüber hinaus völlig verzichtbar gewesen. Denn befragt wurden die Finanzchefs klugerweise danach, wie sie ihre Arbeitszeit prozentual einsetzen. Und die Verteilung, die sich daraus ergibt, ist allemal interessant genug. 23 Prozent der Zeit entfallen auf Teamführung, 19 Prozent auf Finanzreporting und Audit. Für Adhoc-Anfragen planen die CFOs 11 Prozent ihrer Zeit ein. Damit entfällt mehr als die Hälfte der Arbeitszeit auf operative Aufgaben und auf Mitarbeiterführung.

Tatsächlich stehen strategische Belange damit hintenan. 14 Prozent entfallen auf die Zusammenarbeit mit anderen Managern und Abteilungen, 15 Prozent auf die Umsetzung der Finanzstrategie, und nur 13 Prozent ihrer Arbeitszeit nutzen die CFOs der Umfrage zufolge, um die Unternehmensstrategie zu unterstützen.

Das ist sicherlich noch steigerungsfähig. Allerdings dürfen die Investoren beruhigt sein: Selbst wenn der Finanzchef nur 13 Prozent seiner Zeit mit strategischen Zielen verbringt, dann sind das mit ziemlich hoher Sicherheit zumindest mehr als 5,2 Stunden in der Woche.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Aufgeblähte Formulierungen, Doppeldeutigkeiten, Verwirrendes: Im Blog „Subtext“ durchstöbert FINANCE-Redakteurin Sabine Reifenberger die Untiefen der Nachrichtenwelt und ergründet verborgene Botschaften, die vermutlich niemand je so tätigen wollte.