US-Präsident Donald Trump schießt gerne mal über das Ziel hinaus. CFOs sollten das nicht tun.

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28.04.17
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Was CFOs von Trump lernen müssen

Donald Trump, der Top-Manager? Er hat sicher seine Qualitäten. Aber es gibt eigentlich nicht viel, was man nicht woanders auch finden kann. Die Lehren, die Manager aus der US-Präsidentenwahl wirklich ziehen müssen, sind ganz andere.

100 Tage Donald Trump. Und in dieser Zeit stand er nicht nur als US-Präsident, sondern auch als Wirtschaftsmann regelmäßig auf dem Medien-Prüfstand. Gerne wurden dabei stets ein paar Lehren für den modernen Manager – im Guten wie im Schlechten – abgeleitet.

Aber ganz ehrlich, wer nüchtern Trumps bisheriges Managementwirken analysiert, der kann konstatieren: Er hat eine gute Karriere gemacht und ein großes Firmennetz aufgebaut. Doch ansonsten gibt es da nicht viel, was wirklich besonderen Vorbild- oder Abschreckungscharakter hat. Für ein Kapitel im ernstzunehmenden BWL-Lehrbuch dürfte es wohl nicht reichen.

Bei langen Wirkungszeiten treffen die Menschen die Mitte nicht

So neutral das Ergebnis dieser Bestandsaufnahme ist, so langweilig ist es auch. Schwarz oder weiß ist sicher beliebter in den Medien, aber deswegen noch lange nicht richtiger. Und auch sonst haben die Menschen generell ein Problem mit der ausgewogenen Mitte – was uns nun zu den eigentlichen Manager-Lehren aus der Causa Trump führt. Doch auf dem Weg dahin müssen wir uns zunächst mal Mütze und Handschuhe überziehen. Es geht ins Kühlhaus.

Dort haben nämlich die Psychologen Reichert und Dörner 1988 ein interessantes Experiment gestartet. Probanden wurden gebeten, die Temperatur in dem Kühlhaus manuell durch Öffnen oder Drosseln eines Reglers auf einen bestimmten Zielwert zu justieren, da sonst die gelagerten Lebensmittel verderben. Das Problem dabei war, dass die Temperaturanpassung nur mit deutlicher Verzögerung erfolgte – ein Effekt, den man auch von der Regelung der heimischen Heizung kennt.

Und die Probanden trafen einfach die Mitte nicht. Sie überschossen regelmäßig mit Ihren Regelungsversuchen und mussten dann (abermals überschießend) in die andere Richtung ausgleichen. Im Ergebnis konnten nur etwa 20 Prozent der Teilnehmer nach zahlreichen Regelungsvorgängen das Gemüse vor der Ungenießbarkeit retten.

Die gelebte Globalisierung hat teilweise bereits überschossen

Dieses Experiment rührt an einer äußerst empfindlichen Stelle des menschlichen Handelns: Wir tun uns schwer mit langen Feedback-Zeiten und neigen in solchen Situationen zu überschießenden Entscheidungen. Und das gilt nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen – sprich, im gesellschaftlichen Kontext – denn gerade für Wirtschaftssysteme sind solch lange Wirkungsverzögerungen charakteristisch. Egal welche Systemrichtung: Lange Zeit schaut es da meist gut aus, doch wenn erste Zweifel aufkommen, dann ist es schon fast zu spät für die Korrektur.

Beispiel: Die freie Marktwirtschaft und die Globalisierung können zwar sehr wohl den aggregierten Wohlstand steigern. Sie öffnen aber – in unbalancierter Form – auch langsam die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern. Wenn hier Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft zu lange überschießen und nicht den Weg zur ausgewogenen Mitte, sprich, zu einer fairen Verteilung zurückfinden, dann droht das System zu kippen, was meist schmerzhaft für die bisherigen Profiteure ist. Und genau das lässt sich gerade in den USA beobachten.

Nachdem die freie Marktwirtschaft in den vergangenen Jahren teilweise überschossen und dadurch auch einige Verlierer hervorgebracht hat, antwortet Donald Trump jetzt seinerseits überschießend, nämlich mit einer weitgehenden Abkehr vom Freihandel (anstatt das System durch sinnvolle kleinere Anpassungen zukunftsfähig zu machen). Und wir können heute schon sicher sein, dass hier irgendwann auch wieder in die andere Richtung überschossen wird. Somit schließt sich nun der Kreis aus Kühlhaus und dem US-Präsidenten.

CEOs haben eine große gesellschaftliche Verantwortung

Doch die Probleme liegen nicht nur in den USA. CEOs und CFOs sollten daher aus den internationalen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen dreierlei Erkenntnisse ziehen. Erstens: Stehen Sie zu Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmensentscheider! Der Einfluss der Wirtschaft auf und damit auch die Verantwortung für das Wohl und Wehe unserer Gesellschaft sind heute so groß wie nie. Wenn Ihnen also etwas an den Vorzügen einer offenen Welt liegt, dann stellen Sie sicher, dass die Regeln der Meritokratie im Unternehmen eingehalten werden und ein angemessener ausgleichender sozialer Beitrag geleistet wird. Hierzu gehört eine gesunde Steuer-Ethik, ein adäquates Auftreten als Corporate Citizen sowie die Vergütung der Mitarbeiter entsprechend ihres Beitrags zum Unternehmenserfolg.

Zweitens: Das heißt aber nicht, dass Sie andere beschenken sollen. Sie sollen nur fair sein. Denn Fairness ist längst eine wirtschaftliche Kernvariable geworden. Wohin unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren driftet, liegt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil daran, wie Sie diese Variable mit Leben füllen.

Drittens: Sie machen dann weniger Gewinn? Kurzfristig vielleicht, langfristig wohl nicht. Und da die Uhr sowieso schon auf Fünf vor Zwölf steht (erste Verfärbungen des Gemüses sind bereits erkennbar), werden sich bei weiterem Überschießen die negativen Konsequenzen recht bald zeigen. Legen Sie also lieber schnell los, damit die Gesellschaft sich wieder Richtung Wohlfühltemperatur bewegen kann.

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Wann schadet ein Skandal einem Unternehmen wirklich? Treiben Nachhaltigkeitsprojekte den Unternehmenswert nach oben? Wie wichtig ist Risikomanagement? In seinem Blog „Was wirklich zählt“ zeigt Bewertungsexperte Matthias Meitner wann Soft Facts tatsächlich einen Einfluss haben – und wann der CFO getrost darauf verzichten kann.