Überraschung bei Bayer: Kein Pharma-Manager, sondern der Tech-Manager Wolfgang Nickl wird Nachfolger von Johannes Dietsch als Bayer-CFO.

Bayer

12.09.17
CFO

ASML-CFO Wolfgang Nickl wird Bayer-CFO

Keine Frau, kein Eigengewächs, kein Pharma-Manager: Bayer überrascht mit der Nachfolge für Finanzchef Johannes Dietsch. Der neue Bayer-CFO Wolfang Nickl kommt aus Holland – und kennt sich bestens in den USA aus.

Überraschender Ausgang der CFO-Suche bei Bayer: Der Dax-Konzern macht weder ein Eigengewächs noch eine Frau oder einen erfahrenen Pharma-Manager zum neuen Finanzchef. Stattdessen fiel die Wahl auf einen Tech-Spezialisten: Neuer Bayer-CFO wird der 48-jährige Wolfgang Nickl, aktuell Finanzchef des niederländischen Halbleiterproduzenten ASML.

Nickl wird Ende April kommenden Jahres in den Bayer-Vorstand einziehen, ehe er dann wenige Wochen später – Anfang Juni – Johannes Dietsch als Finanzvorstand beerben wird. Dietsch hatte im April überraschend für Mai 2018 seinen Rückzug angekündigt.

Zu den Gründen, warum die Wahl ausgerechnet auf Nickl fiel, lässt sich Bayer-Aufsichtsratschef Werner Wenning nicht viel entlocken: „Wir freuen uns, dass wir mit Wolfgang Nickl einen erfolgreichen Manager mit ausgewiesener Expertise im Finanzbereich und langjähriger Auslandserfahrung gefunden haben“ – so lässt sich der frühere Bayer-Chef zitieren. Sowohl Dietsch als auch dessen Vorgänger Werner Baumann waren noch Bayer-Eigengewächse und wechselten aus internen Positionen an die Spitze des Finanzressorts, so wie es bei vielen Dax-Konzernen üblich ist. 

Wolfgang Nickl verfügt über viel US-Erfahrung

Was für Nickl spricht, ist seine umfangreiche USA-Erfahrung. Dorthin würde sich auch der Geschäftsschwerpunkt von Bayer verlagern, sofern die Kartellbehörden der geplanten Mega-Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto grünes Licht geben. Nickl wechselte schon 1995 – kurz nach seinem Berufseinstieg bei dem deutschen IT-Dienstleister Sercon – zu dem US-Festplattenhersteller Western Digital nach San José ins Silicon Valley.

Im Jahr 2000 ging Nickl als Finanzchef zu dem US-IT-Unternehmen Converge, ehe ihn zwei Jahre später sein alter Arbeitgeber Western Digital wieder zurückholte. Acht Jahre lang durchlief Nickl dort mehrere Positionen im Finanz- und Strategiebereich, im Jahr 2010 schaffte er es dann auch an die Spitze des Finanzressorts von Western Digital. Im Dezember 2013 schließlich ging der im schwäbischen Hechingen geborene Manager zurück nach Europa und wurde CFO von ASML in Holland.      

Stramme Agenda für neuen Bayer-CFO Wolfgang Nickl

Sofern der Zeitplan der Bayer-Führung aufgeht und der Dax-Riese noch vor Jahresende die Kartellfreigaben für den Monsanto-Kauf erhält, könnte Dietsch selbst noch die wichtigsten Weichen für die Refinanzierung des 66 Milliarden US-Dollar (56 Milliarden Euro) schweren Monsanto-Deals stellen. Dafür muss Bayer noch rund 10 Milliarden Euro an Eigenkapital und sogar über 40 Milliarden Euro an Fremdkapital am Kapitalmarkt beschaffen.

Der erste Refinanzierungsschritt – die Ausgabe einer Pflichtwandelanleihe – hatte schon gezeigt, dass das kein Spaziergang werden wird. Dietsch tat sich überraschend schwer damit, den Investoren die 4 Milliarden Euro schwere Kapitalmaßnahme schmackhaft zu machen. Dass es Dietsch selbst noch schaffen wird, bis Frühjahr kommenden Jahres den Großteil der Refinanzierung abzuschließen, ist unwahrscheinlich. Eine lange Einarbeitungszeit kann der neue Bayer-CFO Wolfgang Nickl nicht erwarten.      

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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