Der Recycler Alba öffnet sich gleich mehreren potentiellen Investoren und stellt die Mehrheit an seinem China-Geschäft zum Verkauf. Steht das Berliner Unternehmen vor der Zerschlagung?

Alba

01.02.16
CFO

Alba droht die Zerschlagung

Der Recycler Alba öffnet sich gleich mehreren potentiellen Investoren und stellt die Mehrheit an seinem China-Geschäft zum Verkauf. Steht das Berliner Unternehmen vor der Zerschlagung?

Das Recyclingunternehmen Alba kommt bei seiner seit rund einem Jahr laufenden Suche nach einem Investor offenbar voran. Wie das Unternehmen mitteilt, ist die Suche nach einem Käufer für das China-Geschäft „weit fortgeschritten“. „Der Vertragsabschluss soll wie angekündigt im ersten Halbjahr dieses Jahres erfolgen“, sagte Co-CEO Axel Schweitzer.

Offenbar muss das familiengeführte Unternehmen aber weitaus mehr Anteile an seinem China-Geschäft abgeben als bislang erwartet. Schweitzer sagte in einem zusätzlichen Interview gegenüber dem „Handelsblatt“, Alba könne sich nun vorstellen, mehr als 50 Prozent seiner Anteile an einen asiatischen Investor abzutreten. Auch die Mehrheitsverhältnisse in der europäischen Dienstleistungssparte seien noch nicht geklärt. Auch dort könnte es demzufolge zu einem Eigentümerwechsel kommen. Das klassische Müllabfuhrgeschäft werde Alba hingegen in der eigenen Hand behalten.

Alba-CEO Axel Schweitzer sucht Investor für China

Ursprünglich hofften die Berliner auf eine integrierte Lösung – das Familienunternehmen, das auch eine Highyield-Anleihe ausstehen hat, wollte gruppenweit einen Minderheitsgesellschafter aufnehmen. Das China-Geschäft sah Alba bislang als zentral für die Unternehmenszukunft an: „Ich sehe große Wachstumschancen in Asien, vor allem in China. Es ist schon heute der weltweit größte Markt für Umwelttechnologien – und es ist der größte Abfallproduzent“, sagte Co-CEO Axel Schweitzer noch vor einem knappen Jahr.

Auf FINANCE-Anfrage sagte ein Unternehmenssprecher, man habe sich entschieden, den Verkaufsprozess nun auf einzelne Bereiche zu konzentrieren. Wie viele Anteile Alba am Ende jeweils abgebe, sei unklar.

Alba stärkt Bilanz mit M&A-Deals

Dass Alba bereit ist, die Mehrheit an seinem Geschäft im auserkorenen Zukunftsmarkt China abzugeben, ist eine überraschende Kehrtwende im M&A-Prozess. Wenn sich das Alba-Management rund um die Gründer-Söhne und Co-Chefs Axel und Eric Schweitzer sowie CFO Markus Guthoff dazu entscheidet, jeweils mehr als die Hälfte des China-Geschäfts und der europäischen Dienstleistungssparte abzugeben, käme das einer Zerschlagung der Gruppe gleich. Der Dienstleistungssektor machte zuletzt rund ein Viertel des Unternehmensumsatzes aus. In China erwirtschaftet Alba laut eigenen Angaben circa 500 Millionen Euro.

Das neue Design des M&A-Prozesses dürfte auch auf das schwierige Marktumfeld zurückzuführen sein. Zahlreiche Recycler sind in den vergangenen Monaten noch weiter unter Druck geraten – auch Alba: In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 war der Umsatz der Alba SE, vormals Interseroh, um knapp 80 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Allerdings verdoppelte sich im gleichen Zeitraum der Vorsteuergewinn (Ebt) auf fast 27 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr sanken vor allem die Aufwände aus Zinsen und Abschreibungen.

Trotzdem leidet besonders Albas Sparte Stahl- und Metallrecycling unter den niedrigen Rohstoffpreisen. Alba reagierte darauf bereits mit kleineren M&A-Deals: Die Berlinern veräußerten im dritten Quartal ihr Geschäft auf dem Balkan sowie die Beteiligung an der polnischen Tom-Gruppe. Wie viel Alba durch die Verkäufe  genau einnahm, ist nicht bekannt.

Alba-Anleihe: Rating und Kurs weiterhin unter Druck

Alba kämpft seit dem Herbst 2014 auch um den Rückhalt seiner Fremdkapitalinvestoren. Seinerzeit war der Kurs der 203 Millionen Euro schweren Anleihe auf 70 Prozent eingebrochen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet Alba seitdem mit B, den Bond sogar nur mit CCC+. S&P waren vor allem die hohen Schulden ein Dorn im Auge, die zwischenzeitlich wohl jenseits von 5x Ebitda lagen.

Nachdem Alba im März 2015 bekanntgegeben hatte, sich für Investoren öffnen zu wollen, konnte sich der Anleihekurs allerdings wieder beinahe auf Par erholen. Doch seit dem Herbst gibt der Kurs wieder sukzessive nach und notiert derzeit bei 88 Prozent.

jakob.eich[at]finance-magazin.de