Ende der Fahnenstange bei der Personalkostenquote: BVB-CFO Thomas Treß im FINANCE-Interview.

Borussia Dortmund

08.09.17
CFO

CFO Thomas Treß: „BVB braucht weitere Erlössteigerungen“

Nach dem Dembélé-Transfer: Borussia-Dortmund-CFO Thomas Treß über explodierende Kosten, den Charme von 1,5 Milliarden Chinesen und den Grund, warum der BVB stärker als früher auf seine Liquidität achten muss.

Das wirtschaftliche Rad, das der BVB dreht, wird immer größer. Von den netto rund 90 Millionen Euro, die der BVB – zunächst einmal ohne Bonuszahlungen und nach Abzug der Zahlungen an seinen Ex-Klub Stade Rennes – für Dembélé kassiert, haben Sie ein Drittel umgehend wieder in Dembélés Nachfolger Yarmolenko investiert. Damit werden auch in dieser Saison die Kaderkosten und Abschreibungen wieder einen großen Sprung machen. Wie viel mehr Deals und Stars kann das Finanzfundament von Borussia Dortmund denn noch tragen?
Mit den vielen Transfers steigen die Abschreibungen, das stimmt. Es müssen dadurch zukünftig höhere Umsatzerlöse realisiert werden, um diese Abschreibungen zu verdienen. Aber das ist ein Buchhaltungsthema, unsere Liquidität bleibt von den steigenden Abschreibungen unberührt. 

Aber die Summen, die Sie bewegen, werden immer größer – Ihre Liquiditätsposition nicht.
Das ist bedingt richtig, wenn man von den ohnehin weiter steigenden Erlösen von Borussia Dortmund abseits des Transfergeschäfts absieht. Richtig ist, dass diese Entwicklung  auch  die Anforderungen an unser Cash Management und das Controlling erhöht. Mit steigenden Beträgen wird es schwieriger, die Liquiditätsströme in der Balance zu halten. Wir müssen Liquiditätseffekte aus Transferverpflichtungen und Transfereinnahmen präziser aufeinander abstimmen als früher, denn unsere Maxime steht nach wie vor: Wir wollen keine Finanzschulden aufnehmen, um Kader- oder Transferkosten zu finanzieren.

BVB-CFO Treß: „Es gilt nach wie vor: Keine Finanzschulden“

Borussia Dortmund hat keine harten Finanzschulden, lediglich Außenstände aus dem Finanzierungsleasing in Höhe von 19 Millionen Euro. Dem gegenüber steht eine Cash-Position von 49 Millionen Euro. Haben Sie einen Korridor, in dem Sie die Nettofinanzposition strategisch halten wollen?
Nein, es gilt lediglich unsere Maxime mit dem Verzicht auf neue Finanzschulden. Im Zentrum unseres Handels steht nicht das Bilanzmanagement, sondern das Erreichen unserer beiden strategischen Kernziele: Wir wollen unsere relative nationale Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen und uns im internationalen UEFA-Klub-Ranking nachhaltig in den Top 10 etablieren.  

Der operative Cashflow von Borussia Dortmund ist in der zurückliegenden Saison von 35 auf weniger als 5 Millionen Euro eingebrochen. Woran liegt das?
Wir haben im Vorjahr Transfereinnahmen auch in steigende Personalkosten reinvestiert. Das belastet den operativen Cashflow. Dafür war unser Investitions-Cashflow per Saldo leicht positiv. Dort spiegelt sich wider, dass wir in der abgelaufenen Saison Transfererlöse von über 77 Millionen erwirtschaftet haben.

Besorgt es Sie, dass der BVB aus dem Tagesgeschäft heraus so gut wie keinen Cashflow mehr erzeugen kann?
Nein, denn das wäre nur problematisch, wenn wir nachhaltig negative Transfersalden erwirtschaften würden. Und dieser Einnahmeposten ist ja zum Glück beeinflussbar. Außerdem werden die zu erwartenden steigenden TV-Erlöse in den nächsten Jahren auch unseren operativen Cashflow wieder stärken.

Der Aufstieg des BVB in Zahlen

(Angaben in Mio. €)

Quelle: Borussia Dortmund

Neue TV-Deals bringen Borussia über 50 Millionen mehr Umsatz

21 Millionen Euro bringt Ihnen in der laufenden Saison alleine der neue TV-Vertrag der Bundesliga an Mehreinnahmen. Ein Jahr später greift dann der neue Champions-League-TV-Vertrag. Wie viele Millionen mehr Umsatz erwarten Sie daraus?
Die Details sind noch nicht ausreichend bekannt. Zum Beispiel wissen wir nicht, welche Klubs mit welchen Klub-Koeffizienten dann in der Champions League spielen werden und wie hoch tatsächlich das Gesamterlösvolumen der UFEA Champions League ausfallen wird. Aber nach dem, was wir bislang wissen, können wir davon ausgehen, dass die TV-Erlöse aus einer Champions-League-Teilnahme ab der Saison 2018/19 für Borussia Dortmund um ungefähr 30 bis 40 Millionen Euro wachsen würden.

Zündet danach dann die nächste Wachstumsstufe Internationalisierung?
Vom Timing her könnte das der Fall sein. Aktuell sind die internationalen Erlöse noch keine so signifikante Größe. Wir erzielen aus der internationalen Vermarktung jährlich unmittelbar einen siebenstelligen Betrag, der jedoch Jahr für Jahr wachsen wird. Aber auch die Erlöse aus der internationalen TV-Vermarktung der Bundesliga sind stark angestiegen und werden weiter stark steigen. Davon profitiert – außer Bayern München – mittelbar im Wesentlichen Borussia Dortmund. Zudem wird die virtuelle Werbung, die die Bundesliga demnächst startet, auch unsere Werbeerlöse im Ausland in den nächsten Jahren deutlich ansteigen lassen. In unseren internationalen Zielmärkten wie beispielsweise in China, wo 1,5 Milliarden Menschen leben, liegt ein riesiges Potential für Borussia Dortmund. Je mehr Fans wir dort gewinnen, desto mehr erhöhen sich unsere Reichweite und unsere Attraktivität für internationale Werbepartner. Das wird sich in den nächsten Jahren auch deutlich in unseren Umsatzerlösen widerspiegeln.

Treß will Anteil des Spieleretats am Umsatz nicht ausufern lassen

Werden die Kosten in den nächsten Jahren genauso schnell steigen?
Bei den Transfersummen und den Spielergehältern muss man tatsächlich mit einem weiteren deutlichen Anstieg rechnen. Um das zu kompensieren, sind Erlössteigerungen nötig. Der Schlüssel dafür ist der Wert der Marke, und dafür gilt es, dauerhaft in der Champions League zu spielen. Das wird in Zukunft noch entscheidender sein.

Inzwischen ist die transferbereinigte Personalkostenquote des BVB auf 54 Prozent gestiegen. 2015/16 waren das noch 50 Prozent, in den Jahren davor niedrige 40er-Werte. An welchem Punkt bekommt der Finanzchef bei diesem Trend Bauchschmerzen? 
Entscheidend ist doch am Ende, dass wir positive Ergebnisse schreiben und den sportlichen Erfolg nicht fremdfinanzieren – und nicht so sehr, welche Erlösquellen dazu im einzelnen Jahr herangezogen werden. Der „transferbereinigte Personalkostenquotient“ ist da nicht das Maß der Dinge, auch wenn es natürlich sinnvoll ist, diesen nicht unbedingt weiter zu erhöhen. Ansonsten käme der Realisierung von Transfers eine deutlich höhere Wichtigkeit zu. Entscheidend ist das weitere Wachstum, damit eng verknüpft ist die kontinuierliche Teilnahme an der Champions League. Sollten wir mehr als einmal in Folge die Champions League verpassen, müssten wir wahrscheinlich bei den Personalkosten auf die Bremse treten. Über die Bank werden wir den sportlichen Erfolg auf keinen Fall finanzieren.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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