Uniper

11.09.17
CFO

Uniper-CFO Delbrück schaltet in Angriffsmodus

Ein Jahr nach dem Börsengang geht der Energieversorger Uniper in die Offensive. CFO Christopher Delbrück plant Zukäufe im dreistelligen Millionenbereich. Die finanziellen Voraussetzungen dafür hat der Finanzchef geschaffen.

Uniper-CFO Christopher Delbrück  fasst Zukäufe ins Auge. Der Energieversorger könne sich Übernahmen im „dreistelligen Millionenbereich“ vorstellen, sagte der Finanzchef im Interview mit der F.A.Z.. „In der ersten Phase haben wir uns auf die Entschuldung und Kostensenkungen fokussiert. Damit sind wir praktisch durch“, sagte der 51-jährige der Zeitung. Nun werde die Entwicklungsphase eingeläutet.

In welchen Bereichen die frühere E.on-Tochter zukaufen würde, ließ der Finanzchef offen. Im Gegenzug würde sich Uniper von bestehende Engagements in der Gasinfrastruktur trennen. „Solche reinen Finanzbeteiligungen könnten wir abgeben“, sagte Delbrück.

Uniper-CFO senkt Kostenbasis um 400 Millionen Euro

Nach dem Börsengang vor exakt einem Jahr war der CFO vor allem darauf fokussiert, den Schuldenberg von Uniper abzutragen: Der im März beschlossene Verkauf der 25-Prozent-Beteiligung an dem russischen Gasfeld Juschno Russkoje war dabei ein wichtiger Schritt. Die 1,75 Milliarden Euro sollen noch in diesem Jahr in Kasse des Energieversorgers fließen, wie Delbrück bekräftigte. Damit dürfte sich die Nettofinanzverschuldung, die zum Halbjahr bei 1,6 Milliarden Euro lag, noch einmal deutlich verbessern.

Auch das Sparprogramm Voyager, mit dem Uniper vor allem in der Beschaffung und in der IT kürzt, greift: Ab 2018 werde die Kostenbasis um 400 Millionen Euro sinken, erklärte Delbrück gegenüber der F.A.Z..

Angesichts der verbesserten Finanz- und Ergebniskennzahlen rechnet Delbrück nun fest damit, dass die Ratingagentur Standard & Poor‘s die Bonitätseinschätzung um eine Stufe auf BBB anhebt. Im April hat S&P den Ausblick von stabil auf positiv gesetzt.

Eon will Uniper-Anteile ab 2018 verkaufen

Derweil steht Uniper selbst weiter im Fokus von Übernahmespekulationen. Hintergrund: Die frühere Mutter E.on hält noch immer 47 Prozent der Aktien und will diese ab Anfang 2018 verkaufen. Spekuliert wird aktuell über eine Komplettübernahme durch einen Konkurrenten oder einen Verkauf über die Börse.

Letzteres wäre Delbrück lieber. Der Uniper-CFO erteilte den Konsolidierungsszenarien eine Absage. Er sehe „bei fortlaufend steigendem Stromangebot aus erneuerbaren Energien in der puren Erweiterung konventioneller Kraftwerksparks keine industrielle Logik“. Sollte E.on seine Anteil dagegen über den Markt platzieren und Uniper eigenständig bleiben, darf der Energieversorger auf einen Aufstieg in den Dax hoffen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Der heutige Uniper-CFO war über viele Jahre für die ehemalige Mutter E.on tätig. Mehr über den Karriereweg von Christopher Delbrück finden Sie in seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.