Dennis Bhogal/Air Berlin

01.09.17
Deals

Air Berlin kann zwei Mal für Niki kassieren

Eigentlich wollte Air Berlin seinen Ferienflieger Niki an Etihad verkaufen. Doch der Deal platzte. Für die insolventen Berliner ergibt sich jetzt eine kuriose Konstellation: Sie könnten zweimal für Niki kassieren – eine gute Nachricht für die Gläubiger.

Es gibt einen Grund, warum der Kaufpreis erst mit dem Closing einer Übernahme fließt: Der Käufer will sichergehen, dass ihm das Unternehmen auch wirklich gehört, bevor er dafür zahlt. Etihad hat dagegen bei der geplanten Übernahme des Ferienfliegers Niki Vorkasse geleistet. Das kristallisiert sich als sehr teurer Fehler heraus, denn jetzt haben die Araber kaum noch Chancen, den Kaufpreis von 300 Millionen Euro von der inzwischen insolventen Air Berlin zurückzubekommen.

Was ist passiert? Bereits im März überwiesen sie den Kaufpreis für knapp 50 Prozent der Niki-Anteile an Air Berlin. Es war ein weiteres Manöver des Großaktionärs, um der damals noch ums Überleben kämpfenden zweitgrößten deutschen Airline dringend benötigte Liquidität zuzuschustern. Im Juni kündigte Etihad dann jedoch ein geplantes Joint Venture mit Tui auf, das Voraussetzung für den Niki-Deal gewesen wäre, denn als Nicht-EU-Unternehmen dürfen die Araber nicht ohne Weiteres eine europäische Fluggesellschaft übernehmen.

Niki gehört weiter zu Air Berlin

Deshalb liegt die Niki-Transaktion seither auf Eis. Es kam zu einem Nicht-Eintritt des Vertrages, wie es im Juristendeutsch heißt. Rechtlich gehört der Ferienflieger somit noch zu Air Berlin, der Kaufpreis ist jedoch FINANCE-Informationen zufolge nie nach Abu Dhabi zurückgeflossen. Im Zuge des Insolvenzverfahrens muss sich Etihad nun hinten anstellen, sollten Araber dieses Geld zurückfordern. Aus Abu Dhabi heißt es dazu nur, man prüfe weiter Optionen für Niki.

Für Air Berlin ergibt sich nun eine kuriose, ausgesprochen günstige Konstellation: Die Airline könnte für ein und dasselbe Asset – und dazu auch noch das wertvollste des ganzen Konzerns – zwei Mal Geld kassieren. Insbesondere die Lufthansa und Ex-Formel-1-Star Niki Lauda, der den Ferienflieger gegründet hatte, sind an einem Kauf des Ferienfliegers interessiert.

Für die Anleihegläubiger ist das eine gute Nachricht: Wollen sie zumindest einen Teil ihres Geldes wiedersehen, müssen sie darauf hoffen, dass die Erlöse aus der Verwertung der Air-Berlin-Reste in die Nähe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags kommen. Grund: Einige Forderungen von Gläubigern würden nach dem sogenannten Wasserfallprinzip zuerst bedient, darunter vor allem der vorrangige Überbrückungskredit über 150 Millionen Euro, den  die Staatsbank KfW gewährt, damit der Flugbetrieb weiterlaufen kann. Die Mittel sind jedoch noch nicht geflossen. 

Air Berlin hat Bonds über 830 Millionen Euro ausstehen

Air Berlin hat knapp eine halbe Milliarde Euro direkt am Anleihemarkt eingesammelt. Dazu gehört eine 225 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe, die im kommenden Jahr fällig geworden wäre. Das Papier gehört zu den letzten Überbleibseln des inzwischen geschlossenen Mini-Bond-Segments der Börse Stuttgart.

Hinzu kommen Verbindlichkeiten aus zwei Sammelanleihen über insgesamt 230 Millionen US-Dollar. Diese Papiere hatte das Etihad-Finanzvehikel EA Partners in den Jahren 2015 und 2016 für diverse Partner-Airlines der arabischen Fluggesellschaften platziert. Air Berlin erhielt jeweils rund ein Fünftel der Mittel im Gesamtwert von 1,2 Milliarden Dollar.

Rechnet man zwei Wandelanleihen hinzu, in die allerdings hauptsächlich der Großaktionär Etihad investiert hat, summiert sich der Wert der ausstehenden Kapitalmarktinstrumente auf etwa 830 Millionen Euro.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

 

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ist insolvent. Wie es dazu kam und wie es nun weiter geht mit der FINANCE-Themenseite zu Air Berlin bleiben Sie auf dem Laufenden.

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