Großer Deal in der Altenpflegebranche: Der Finanzinvestor Chequers Capital kauft einen Großteil der Marseille-Kliniken.

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25.09.17
Deals

Chequers kauft Großteil der Marseille-Kliniken

Der französische Finanzinvestor Chequers legt rund eine halbe Milliarde für den Kauf der Alten- und Pflegeheimsparte der Marseille-Kliniken auf den Tisch. Synergien zu anderen Chequers-Investments deuten sich an.

Der französische Private-Equity-Investor Chequers Capital wagt den wahrscheinlich größten Zukauf, den er je in Deutschland getätigt hat: Für geschätzte 300 Millionen Euro übernimmt der Mittelstandsinvestor, dessen deutsches Büro von dem früheren HgCapital-Partner Karsten Hartmann geleitet wird, den Großteil des operativen Geschäfts der Hamburger MK-Kliniken AG, deren Hauptaktionär der Unternehmer Ulrich Marseille ist.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, übernimmt Chequers den Betrieb von 46 Alten- und Pflegeheimen mit 5.400 Heim- und rund 4.000 Arbeitsplätzen. Diese Sparte erzielte im Geschäftsjahr 2015/16 der SZ zufolge einen Umsatz von 214 Millionen Euro. In einem zweiten Schritt will Chequers laut SZ auch die dazugehörigen Immobilien übernehmen, was das Dealvolumen um 200 Millionen auf rund eine halbe Milliarde Euro erhöhen würde.

Chequers hat schon in andere Pflegeheimketten investiert

Für Chequers ist diese Transaktion nicht das erste Investment im deutschen Pflegemarkt. Schon 2013 erwarb der Finanzinvestor die Deutsche Fachpflege Holding, einen stark wachsenden Betreiber von ambulanten Intensivpflegeeinrichtungen. Beim Einstieg 2013 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 87 Millionen Euro, der nach Angaben von Chequers inzwischen auf 130 Millionen Euro angestiegen ist. Vor wenigen Monaten refinanzierte Chequers die Fremdkapitalseite mit einer neuen Unitranche-Finanzierung, die der Kreditfonds Bluebay und die Berenberg Bank zur Verfügung stellten. Dies deutet darauf hin, dass sich das Geschäft nach wie vor gut entwickelt.

Auch der Alten- und Pflegeheimbetreiber Silver Care zählt zum Chequers-Portflio. Inwieweit die Franzosen diese beiden Unternehmen mit den Marseille-Kliniken zusammenlegen möchten, ist nicht bekannt.

Daneben tritt Chequers auch in klassischen Sektoren des deutschen Mittelstands als Käufer auf. So übernahm der Finanzinvestor in den vergangenen Jahren beispielsweise den Werkzeugbauer Metabo sowie Cordenka, ein Spezialchemieunternehmen, das Werkstoffe für die Produktion von Autoreifen produziert.

Ulrich Marseille will Healthcare-Investor werden

Ulrich Marseilles Konzern verliert durch den Deal rund zwei Drittel seines Umsatzes. Im Unternehmen verbleiben noch 20 stationäre Pflegeeinrichtungen sowie rund 1.500 Wohnungen in Heimen für betreutes Wohnen. Marseille, dem gut drei Viertel der Anteile der MK-Kliniken AG gehören, begründete den Spartenverkauf mit persönlichen Gründen: „Ich will nach so vielen Jahren nicht mehr die Verantwortung für so viele Mitarbeiter tragen“, zitiert die SZ den 61-jährigen Unternehmer, der nun stattdessen mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen will.

Daneben will sich Marseille aber offenbar auch als Investor betätigen und so die sehr hohe Cash-Position wieder reinvestieren, über die die MK-Kliniken nach dem Chequers-Deal verfügen werden. Der SZ zufolge plant Marseille, eine Beteiligungssparte aufzubauen, um in andere Unternehmen aus der Gesundheitsbranche einzusteigen. Zudem will er das Geschäft mit Klinik-IT ausbauen, das die MK-Kliniken in kleinerem Maßstab bereits entwickelt haben.      

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de