Nach einem Jahr Übernahmekampf gibt Knorr-Bremse auf: Die Münchener blasen die Haldex-Übernahme ab.

Knorr-Bremse

19.09.17
Deals

Knorr-Bremse gibt bei Haldex-Übernahme auf

Mehr als ein Jahr lang hat der Autozulieferer Knorr-Bremse versucht, den schwedischen Wettbewerber Haldex zu übernehmen. Jetzt geben die Münchener auf.

Am 5. September 2016 war der Münchener Autozulieferer Knorr-Bremse in den Übernahmepoker um den schwedischen Wettbewerber Haldex eingestiegen. Jetzt ist der Kampf vorbei: Die Münchener ziehen ihr Übernahmeangebot an die Haldex-Aktionäre zurück. Als Grund nennt Knorr-Bremse die fehlende Unterstützung durch das Management des Zukaufskandidaten.

Die Führungsriege von Haldex ließ Knorr-Bremse, das im Übernahmepoker die Wettbewerber SAF-Holland und ZF Friedrichshafen ausgestochen hatte, zuletzt immer wieder auflaufen. „Für den erfolgreichen Abschluss des Kartellfreigabeverfahrens sind die Unterstützung und die Kooperation des Haldex Verwaltungsrats, die überraschend zurückgezogen wurden, unabdingbar und die zentrale Voraussetzung“, monieren die Münchener jetzt. Das Haldex-Management hatte seine anfängliche Unterstützung für den Deal im Sommer nach erstem Widerstand der Kartellbehörden zurückgezogen.

Der Rückzug von Knorr-Bremse hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Die schwedische Börsenaufsicht hatte sich zuletzt geweigert, die Annahmefrist für das Übernahmeangebot wie von Knorr-Bremse gewünscht erneut zu verlängern. Damit wäre das Angebot am kommenden Dienstag verfallen. Knorr-Bremse fehlte dadurch die Zeit, die erforderlichen kartellrechtlichen Freigaben rechtzeitig einzuholen.

Knorr-Bremse ließ bei Haldex nichts unversucht

Offenbar versuchte das Knorr-Bremse-Management um CEO Klaus Deller und CFO Lorenz Zwingmann bis zuletzt, die Transaktion zu retten. Nach der Entscheidung der Börsenaufsicht, die Annahmefrist nicht zu verlängern, sei man erneut auf den Haldex-Verwaltungsrat zugegangen und habe um Unterstützung gebeten, erklären die Münchener. Der Verwaltungsrat habe die Kooperation jedoch erneut verweigert. Die Haldex-Aktionäre standen dem Deal positiver gegenüber, sie hatten sich vor wenigen Wochen noch für eine verlängerte Übernahmefrist für Knorr-Bremse ausgesprochen.

Knorr-Bremse wolle nun „andere Alternativen verfolgen“, teilte das Unternehmen mit. Ergänzend zu eigenen Innovationen werde man „weiter auf anorganisches Wachstum setzen und im Markt Ausschau nach passenden Akquisitionen halten“, kündigten die Münchener an.

Knorr-Bremse bleibt vorerst Aktionär bei Haldex

Für Haldex ergibt sich mit dem Scheitern der Übernahme eine eigenartige Eigentümerstruktur: Mit ZF Friedrichshafen und Knorr-Bremse bleiben gleich zwei Wettbewerber als Großaktionäre an Bord. ZF hätte mit seinen Anteilen im Falle eines erfolgreichen Übernahmeangebots einen Gewinn einstreichen können, die Friedrichshafener hatten ihre Haldex-Aktien deutlich unter dem Preis des Knorr-Bremse-Angebots erworben. ZF hielt Ende August rund 17 Prozent der Haldex-Aktien.

Knorr-Bremse war zu Beginn des Übernahmepokers mit rund 15 Prozent bei Haldex eingestiegen. Das Unternehmen kündigte bislang nur vage an, man werde hinsichtlich der Haldex-Beteiligung „als verantwortungsbewusster Aktionär auftreten und alle unsere Optionen im besten Interesse des Unternehmens und von Knorr-Bremse nutzen".

Der Haldex-Aktienkurs war seit Bekanntwerden des Widerstands der schwedischen Börsenaufsicht vor zwei Wochen bereits von umgerechnet 11,30 Euro auf 10,80 Euro gefallen. Zuletzt hatte er sich auf rund 11 Euro erholt, verlor aber zu Börsenstart bereits mehr als 5 Prozent.  

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de


Alles über die weiteren Pläne des Knorr-Bremse-CFOs, der das Unternehmen zum Jahresende verlassen wird, lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Lorenz Zwingmann.