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13.10.17
Deals

M&A-Deals: Ceramtec, Commerzbank, Galeria Kaufhof

Cinven verdreifacht mit dem Verkauf von Ceramtec den Einsatz, Crédit Agricole interessiert sich für die Commerzbank und es gibt neue Gerüchte um eine mögliche Galeria-Kaufhof-Übernahme. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Cinven verkauft Ceramtec für 2,6 Milliarden Euro

Der Finanzinvestor Cinven verkauft den Keramikspezialisten Ceramtec an den britischen Private-Equity-Investor BC Partners. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die in verschiedenen Medien kolportieren 2,6 Milliarden Euro wurden FINANCE aus Finanzkreisen bestätigt.

Ceramtec verbuchte in den vergangenen zwölf Monaten einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 196 Millionen Euro, woraus sich ein Ebitda-Multiple von 13x errechnet. 2013 hatte Cinven für Ceramtec nur 11x Ebitda bezahlt. Und auch den Kapitaleinsatz hat Cinven vervielfacht. Das Money Multiple liegt 3,2x. BC Partners will Ceramtec wachsen lassen – auch durch weitere Zukäufe. Dazu wird Ceramtec voraussichtlich kräftig verschuldet.

Bank of America Merrill Lynch, Morgan Stanley, Clifford Chance, McKinsey, PwC, Ernst & Young und ERM haben Cinven bei der Transaktion beraten, während Freshfields Bruckhaus Deringer BC Partners beratend zur Seite stand.

Crédit Agricole offenbar an Commerzbank interessiert

Auch die französische Großbank Crédit Agricole scheint an einer Übernahme der Commerzbank interessiert zu sein, wie der Vorstandsvorsitzende Philippe Brassac in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ durchblicken ließ. Durch eine Übernahme könnte die Crédit Agricole demnach ihre Präsenz in Deutschland stärken und ihr Privatkundengeschäft hierzulande etablieren.

Vor einigen Wochen waren Gerüchte aufgekommen, dass sich die Bundesregierung von ihrem 15,6-Prozent-Anteil trennen wolle. Bisher war der BNP Paribas und der italienischen Unicredit Interesse an einer Übernahme nachgesagt worden. Die BNP Paribas hat für die Fusionspläne sogar Rückendeckung von der französischen Regierung erhalten.

Weitere Gerüchte um Galeria-Kaufhof-Übernahme

Die kriselnde Warenhauskette Galeria Kaufhof will am Personal sparen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, erwägt das Management Lohnkürzungen, verlängerte Arbeitszeiten sowie Streichungen von Urlaubs- und Arbeitslosengeld. In einer eigenen Pressemitteilung erklärte das Unternehmen nur, dass sich das Management mit der Gewerkschaft Verdi und den Arbeitnehmervertretern in Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag befinde. Grund hierfür seien „existenzgefährdende“ Umsatz- und Ertragsentwicklungen, so das Galeria-Kaufhof-Management laut der SZ.

Gleichzeitig schürt eine Kapitalerhöhung von Signa Prima die Gerüchte um eine Übernahme Galeria Kaufhofs. Hinter der Immobiliengesellschaft steht der österreichische Investor René Benko, der bereits Karstadt besitzt. Der Erlös aus der Kapitalerhöhung soll laut des Unternehmens dazu genutzt werden, die Marktposition von Signa Prima auszubauen. Die Eigentümer von Galeria Kaufhof, der US-amerikanische Handelsriese Hudson’s Bay Company, hatte zuletzt jedoch immer wieder betont, die Warenhauskette nicht verkaufen zu wollen.

Bayer verkauft Geschäftsteile für 5,9 Milliarden Euro

Bayer trennt sich für 5,9 Milliarden Euro von seinem Geschäft mit Saatgut- und Unkrautvernichtungsmitteln. Der Pharma- und Chemiekonzern gibt die Sparte an BASF ab, um die kartellrechtlichen Freigaben für die 66 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto zu erhalten. Der Verkauf findet nur statt, wenn der Monsanto-Deal vollzogen wird, wie Bayer mitteilte. 

Auch finanziell lohnt sich der Deal für Bayer. Der Dax-Konzern erzielt mit dem Verkauf ein Ebitda-Multiple von 15,3. Das Umsatz-Multiple liegt bei 4,5x. Der Berechnung liegt ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 385 Millionen Euro und ein Umsatz von 1,3 Milliarden Euro des Geschäftsbereichs zugrunde.

Lufthansa schlägt bei Air Berlin zu

Nach wochenlangen Verhandlungen übernimmt Deutschlands größte Airline Lufthansa einen Großteil der insolventen Air Berlin. Beide Airlines haben Donnerstag Mittag den Kaufvertrag für „bestimmte Unternehmensteile“ unterzeichnet und sich auf einen Kaufpreis von 210 Millionen Euro geeinigt. Dazu gehören auch Flugzeuge der österreichischen Tochter Niki und der Regionaltochter LG Walter.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in einem Interview mit „RP Online“ gesagt, dass die Kranich-Airline voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 neue Mitarbeiter einstellen und insgesamt 1,5 Milliarden Euro investieren wolle. Unklar bleibt, was mit den übrigen rund 50 Maschinen von Air Berlin geschieht. Die insolvente Airline verhandelt parallel mit dem britischen Billigflieger Easyjet.

Für den Verkauf der Techniksparte von Air Berlin gehen die Verhandlungen ebenfalls weiter. Die kleine Berliner Spedition Zeitfracht hat immer noch Interesse an der Sparte und am Mittwoch einen neuen Anlauf unternommen: „Wir haben in einer Bietergemeinschaft ein angepasstes Angebot für große Teile der Air Berlin Technik und für die Leisure Cargo vorgelegt“, sagte das Unternehmen, ohne Details zu nennen. Reuters zufolge bietet Zeitfracht zusammen mit dem Kölner Wartungsunternehmen Nayak und dessen Eignern.

Elliott beteiligt sich mit 3 Prozent an Gea

Der Hedgefonds des US-Investors Paul Singer, Elliott, hat sich mit drei Prozent am Düsseldorfer Maschinenbauer Gea beteiligt. Auf FINANCE-Anfrage erklärte ein Gea-Sprecher, man sei mit Singer vor dem Einstieg während einer Roadshow in Kontakt gewesen. Die genauen Pläne des Investors seien allerdings nicht bekannt. Ob Gea Singers Engagement begrüßt oder kritisch sieht, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Zuletzt war Singer mit seinem Hedgefonds während der Stada-Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven beim Arzneikonzern eingestiegen und hatte einen kräftigen Nachschlag für Elliott erpresst, nachdem das öffentliche Übernahmeangebot schon abgelaufen war.

Der Maschinenbauer Gea hat darüber hinaus in dieser Woche seine französische Produktion von Eismaschinen, Gea Geneglace, verkauft. Serge Vidal, der Head of Supply Chain and Production für Eismaschinen bei Gea in Frankreich, hat Gea Geneglace über einen Management Buy-out erworben. Das Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 12,5 Millionen Euro.

Highlight Communications widerspricht Gerüchten

Highlight Communications, die Schweizer Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Constantin Medien, widerspricht Gerüchten, demnach die Schweizer ein Übernahmeangebot für Constantin Medien vorgelegt hätten. Ein solches Angebot werde derzeit zwar geprüft, eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen, heißt es in einer Presseerklärung. Die Gerüchte seien infolge einer Kapitalerhöhung aufgekommen, die auch eine Sachübernahmeklausel enthalten habe, so Highlight Communications. Zuletzt hatte sich Bernhard Burgener, CEO von Highlight Communications, in einem Machtkampf mit dem Constantin-Großaktionär und ehemaligen Aufsichtsratschef Dieter Hahn durchgesetzt, den Aufsichtsrat mit seinen Vertrauensleuten besetzt und den Verkauf von Sport1 gestoppt. 

Weitere M&A-Deals

Die europäische Kommission hat das geplante Joint Venture zwischen dem Technologiekonzern Siemens und dem US-Stromkonzern AES genehmigt. Die Brüsseler Behörde sah bei den Geschäftsaktivitäten nur wenig Überschneidungen. Somit würden keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken vorliegen. Das Gemeinschaftsunternehmen firmiert unter dem Namen Fluence Energy und soll Energiespeicherlösungen entwickeln und vermarkten.

Die RWE-Tochter Innogy wird alleinige Eigentümerin des Offshore-Windprojekts Triton Knoll vor der englischen Ostküste. Innogy hat den 50-Prozent-Anteil an dem Projekt vom norwegischen Staatskonzern Statkraft übernommen mit dem das Windparkprojekt entwickelt worden war. Triton Knoll besitzt eine geplante Kapazität von 860 Megawatt und soll 2021 in Betrieb gehen.

Die Brauereigruppe Radeberger verkauft die alkoholfreien Getränkemarken Bionade und Ti Erfrischungstee an den Getränkekonzern Hassia. Dieser will so sein Portfolio weiter ausbauen, wohingegen sich Radeberger auf sein Kerngeschäft mit Bier konzentrieren wolle.

Der Private-Equity-Investor Equistone hat über sein Portfoliounternehmen Vivonio Furniture FM Büromöbel Franz Meyer übernommen. Der Büromöbelanbieter war zuvor Teil der FM Unternehmensgruppe. Vivonio beabsichtigt mit dem Erwerb seine Position im europäischen Möbelmarkt auszubauen. Die Käufer wurden bei der Transaktion von der Anwaltssozietät Ashurst (Federführung: Benedikt von Schorlemer) beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft Radial Capital Partners erwirbt Lindenfarb Textilveredelung Julius Probst. Das Aalener Unternehmen konnte damit gleichzeitig sein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung abschließen. Lindenfarb setzt jährlich rund 30 Millionen Euro um.

Die Private-Equity-Gesellschaft Capiton hat sich an BWTS, einem Service- und Wartungsdienstleister für Windkraftanlagen, beteiligt. In Zukunft will Capiton das Unternehmen beim Unternehmenswachstum und der Internationalisierung unterstützen. Die Gründer von BWTS haben sich im Zuge der Transaktion an dem Unternehmen rückbeteiligt und werden es weiterhin leiten. Deloitte, BMH, Willis und Keystone haben Capiton bei der Transaktion beraten.

Die Ruthmann Beteiligungsgesellschaft erwirbt Hubitec, einen Schweizer Anbieter für fahrzeuggebundene Hubarbeits- und Hubrettungsbühnen. Das Unternehmen wird zukünftig unter dem Namen Ruthmann Schweiz firmieren. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner (Federführung: Dirk Halm) stand Ruthmann bei der Transaktion beratend zur Seite.

Der Verpackungsspezialist Südpack Holding hat den US-amerikanischen Konkurrenten Seville Flexpack Corporationen übernommen. Mit der Akquisition will Südpack das US-Geschäft ausbauen. Rödl & Partner (Federführung: Peter Längle) hat die Käufer bei der Transaktion beraten.

Die PPS-Gruppe, ein Anbieter von Digitaldruckerzeugnissen für die Inneneinrichtung und für die Außenwerbung, übernimmt den Geschäftsbetrieb von Klebefieber.de. Das Berliner Unternehmen vertreibt auf seiner Website unter anderem Wanddekorationen, Wohnzubehör, Fotoprodukte und Geschenkideen. Durch die Übernahme will PPS das B2C-Online-Geschäft ausbauen.

Porcher Industries, ein französischer Hersteller technischer Textilien, hat P-D Interglas Technologies übernommen. Interglas ist ein Hersteller von Glas-, Karbon- und anderen synthetischen Geweben. Die Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Andreas Dietl und Christof Alexander Schneider) hat den Käufer bei dem Erwerb beraten.

Der Münchener Private-Equity-Investor Arcus Capital hat Spitznas Maschinenfabrik und Transtools von den privaten Eigentümern gekauft. Spitznas entwickelt, produziert und vertreibt hydraulische Industriewerkzeuge. Transtools vertreibt diese Teile in Polen. Clairfield International (Federführung: Albert Schander) und Deloitte Legal (Federführung: Michael von Rüden) haben den Verkäufer bei der Transaktion beraten, während SKW Schwarz Arcus Capital beratend zur Seite gestanden hat.

Der Finanzinvestor Apex hat zusammen mit zwei Partnern als Nachfolgelösung über einen Asset Deal sämtliche Vermögensgegenstände und Mitarbeiter der Fa. Wilhelm Wiegmann übernommen. Die Fa. Wiegmann ist ein Installationsfachbetrieb für Gebäudetechnik und beschäftigt rund 30 Mitarbeiter. Apex verfolgt mit Wiegmann eine Buy-and-Build-Strategie.

Der Immobilieninvestor Patrizia hat den globalen Dachfondsanbieter Sparinvest Property Investors (SPI) aus Kopenhagen übernommen. Aktuell beläuft sich das betreute Eigenkapital von SPI auf 1 Milliarde Euro.

Die britische Bank Lloyds übernimmt das Rentenplan- und Anlagengeschäft von Zurich mit einem verwalteten Vermögen von rund 19 Milliarden Pfund. Damit werde das aktuelle Angebot der Lloyds-Tochter Scottish Widows gestärkt, teilte Lloyds mit.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.