Siemens AG

29.09.17
Deals

M&A-Deals: Siemens, Uniper, Delivery Hero

Siemens legt seine Zugsparte mit Alstom zusammen, E.on und Fortum schließen eine Vereinbarung zur Uniper-Übernahme und Rocket Internet macht mit Delivery Hero Kasse. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Siemens und Alstom schmieden neuen Bahnriesen

Viel wurde spekuliert, jetzt ist es offiziell: Der Technologiekonzern Siemens bringt seine Zugsparte in den Konzern des französischen Konkurrenten Alstom ein und erhält im Gegenzug 50,5 Prozent der Anteile an Alstom. Zunächst wird Siemens seine Bahntechniksparte aus dem Konzern schälen (Carve-out) und im nächsten Schritt die Mehrheit an dem französischen Konkurrenten erwerben. Der bisherige Alstom-Großaktionär Bouygues unterstützt die Transaktion und wird seinen Anteil bis mindestens Juli 2018 halten. Dann werden die Alstom-Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Deal abstimmen.

Der fusionierte Bahntechnikkonzern soll unter dem Namen Siemens Alstom firmieren und seinen Sitz in Paris haben. Chef des Konzerns wird der Alstom-CEO Henri Poupart-Lafarge. Der französische Staat hat der Fusion unter der Voraussetzung zugestimmt, dass Siemens die Anteile mindestens vier Jahre hält und bestimmte Auflagen einhält. Der Abschluss der Transaktion wird Ende 2018 erwartet. Latham & Watkins (Federführung: Patrick Laporte, Pierre-Louis Cléro und Rainer Traugott) stand Siemens bei der Transaktion beratend zur Seite.

E.on einigt sich mit Fortum über Uniper-Kauf

Der finnische Versorger Fortum kommt bei seiner beabsichtigten Übernahme des von E.on abgespaltenen Kraftwerksbetreiber Uniper voran. Der Energieversorger E.on hat nun eine Vereinbarung mit Fortum getroffen, die vorsieht, dass die Essener ihre Restbeteiligung an Uniper im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebots den Finnen Anfang 2018 andienen werden.

Fortum bietet den Uniper-Aktionären 22 Euro je Aktie, sodass E.on bei einem Verkauf der Uniper-Aktien 3,76 Milliarden Euro zufließen würden. Wenn der Energieversorger seine Anteile nicht andienen sollte, sieht die nun beschlossene Vereinbarung vor, dass Fortum alle angedienten Aktien an E.on verkaufen kann. Darüber hinaus müsste E.on eine Ausgleichszahlung leisten.

Rocket Internet verkauft 13 Prozent seiner Delivery-Hero-Aktien

Die Start-up-Schmiede Rocket Internet gab am Donnerstag bekannt, eine ihrer wichtigsten Beteiligungen zu reduzieren. 13 Prozent der Aktien von Delivery Hero sollen an die Mediengruppe Naspers verkauft werden. Schon bei dem Börsengang des Essenslieferanten Ende Juni hatte Rocket seinen Anteil von 35 auf 26 Prozent gesenkt.

Für Rocket hat sich das Investment gelohnt. Die Berliner dürften ihr Geld seit dem Einstieg 2015 in etwa vervierfacht haben. Der Verkauf füllt bei Rocket die Kriegskasse. Nach eigenen Angaben verfügte das Unternehmen Ende Juni über ein Nettofinanzguthaben von 1,1 Milliarden Euro. Der Verkauf von Delivery Hero ist hier noch nicht eingerechnet. Naspers wurde bei dem Kauf von der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller beraten. Die Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Sascha Leske) stand Rocket Internet beratend zur Seite. 

Lufthansa will offenbar 200 Millionen Euro für Air Berlin zahlen

Nachdem sich zuletzt im Bieterkampf um die Assets der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin die Lufthansa Medienberichten zufolge als Favorit abgezeichnet hat, wurde nun bekannt, mit welchem Finanzbedarf die Airline rechnet. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge plant Lufthansa mit einem Kaufpreis von 200 Millionen Euro für die Assets, für die sie geboten hat. Weitere 100 Millionen Euro Betriebskosten könne die Fluggesellschaft in der Übergangszeit übernehmen, heißt es.

Um den Erwerb weiterer Flugzeuge stemmen zu können, hat der Aufsichtsrat der Lufthansa am Dienstag einen Investitionsrahmen über rund 1 Milliarde Euro freigegeben, wie einer Unternehmensmitteilung zu entnehmen ist. Mit den Mitteln sollen bei einem positiven Verlauf der Air-Berlin-Verhandlungen 61 Flugzeuge erworben werden. Das Geld stammt aus vorhandenen liquiden Mitteln.

ABB übernimmt GE Industrial Solutions

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB erwirbt für 2,6 Milliarden US-Dollar den Unternehmensbereich GE Industrial Solutions vom US-amerikanischen Konkurrenten General Electric. GE Industrial Solutions umfasst das globale Geschäft für Elektrifizierungslösungen der Amerikaner und hat seinen Hauptsitz in Atlanta. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Sparte mit 13.500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden US-Dollar.

Mit der Übernahme will ABB seine Marktposition und seine Reichweite insbesondere in Nordamerika verbessern. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Halbjahr 2018 erwartet. Credit Suisse, Dyal Co. und Davis Polk & Wardwell haben ABB bei der Transaktion beraten.

PE-Investor Chequers zahlt 300 Millionen für deutsche Kliniken

Der französische Private-Equity-Investor Chequers Capital soll für geschätzte 300 Millionen Euro den Großteil des operativen Geschäfts der Hamburger MK-Kliniken übernehmen. Das wäre der wohl größte Deutschland-Deal, den die Franzosen bisher gestemmt haben.

Chequers ist ein Mittelstandsinvestor, dessen deutsches Büro von dem früheren HgCapital-Partner Karsten Hartmann geleitet wird. Laut eines Berichts der „Süddeutschen Zeitung“ übernimmt Chequers den Betrieb von 46 Alten- und Pflegeheimen mit 5.400 Heim- und rund 4.000 Arbeitsplätzen. Diese Sparte erzielte im Geschäftsjahr 2015/16 der SZ zufolge einen Umsatz von 214 Millionen Euro. In einem zweiten Schritt will Chequers laut SZ auch die dazugehörigen Immobilien übernehmen, was das Dealvolumen um 200 Millionen auf rund eine halbe Milliarde Euro erhöhen würde.

Weitere M&A-Deals

Der deutsch-amerikanische Zusammenschluss der Industriegasekonzerne Linde und Praxair geht auf die Zielgerade. Laut Praxair haben 83 Prozent aller Aktionäre der Fusionsvereinbarung zugestimmt.

Das Softwareunternehmen SAP plant die Übernahme des US-Unternehmens Gigya, eines Spezialisten für stärkere Online-Beziehungen von Firmen zu ihren Kunden. Mehr als 300 Mitarbeiter sind bei dem kalifornischen Unternehmen beschäftigt. Der Abschluss der Transaktion wird im vierten Quartal dieses Jahres erwartet.

Der Pharmakonzern Bayer hat weitere 6,9 Prozent der Anteile der ausgegliederten Covestro verkauft. Die Leverkusener geben damit die Kontrolle über ihr Spin-Off endgültig ab, denn Bayer kontrolliert nun nur noch 33,5 Prozent der Covestro-Aktien. Laut Bayer ist das verkaufte Aktienpaket 1 Milliarde Euro wert. 

Der Ludwigshafener Chemieriese BASF will einen Teil des Geschäfts mit Papierdispersionen abgeben. Wie das Unternehmen mitteilte, werde der österreichische Produktionsstandort in Pischelsdorf für 30 Millionen Euro an den britischen Wettbewerber Synthomer verkauft.

Das Medienunternehmen Tele München hat sich mit einem Minderheitsanteil an dem digitalen Berliner Medienunternehmen Load Studios beteiligt. Zusammen wollen die Unternehmen für den Geschäftsbereich Digitale Contents neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Der Motorenhersteller Deutz hat Torqeedo übernommen. Das Münchener Unternehmen liefert Komponenten und Softwarelösungen für Elektroantriebe und sieht sich in diesem Bereich als Weltmarktführer für elektrische und hybride Bootsantriebe. Die Übernahme ist Teil der „E-Deutz-Strategie“ für die das Unternehmen rund 100 Millionen Euro investieren will (inklusive Torqueedo). Deutz wurde bei der Transaktion von der M&A-Beratung Acxit und der Kanzlei Freshfields beraten.

Der Private-Equity-Investor Hannover Finanz hat über eine Kapitalerhöhung 30 Prozent an Sportnahrung.at/Sportnahrung.de erworben. Der Unternehmenseigentümer Konrad Kreid besitzt die restlichen 70 Prozent. Mit der Unterstützung von Hannover Finanz will das Unternehmen seine Finanzkraft stärken sowie sein Filialnetz erweitern. Sportnahrung.at/Sportnahrung.de wurde 1999 von dem Kraft- und Kampfsportler Johannes Mitteregger gegründet und beschäftigt mittlerweile 100 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bluemont Consulting, TJP Advisory & Management Services und WMWP Rechtsanwälte begleiteten die Transaktion.

Die Beteiligungsgesellschaft DI Kapital übernimmt den insolventen Leuchtenbauer Vosla. Die Käufer wollen das Plauener Unternehmen in den nächsten Jahren neu ausrichten und als Anbieter von Lichtsystemlösungen für Automobil- und Industriekunden etablieren. Darüber hinaus wird es für die 210 Mitarbeiter in den nächsten drei Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Vosla hatte Anfang Februar Insolvenz anmelden müssen.

Die Werbe- und Digitalagentur Syzygy hat sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 70 Prozent an der Strategieberatung Different beteiligt. Mit der Übernahme beabsichtigt das Unternehmen seine Beratungs- und Strategiekompetenz auszubauen. Different beschäftigt rund 90 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 9,5 Millionen Euro.

Der Mischkonzern Hörmann Industries plant die Übernahme des Geschäftsbereichs „Development Road and Rail, ohne Prototyping“ von Leadec Engineering, eines Anbieters technischer Dienstleistungen für Schlüsselindustrien. „Development Road and Rail“ ist ein Dienstleister in der Entwicklung und technischen Konstruktion von Schienen- und Straßenfahrzeugen. Hörmann Industries beabsichtigt mit dem Erwerb seine Fahrzeugentwicklung im Bereich Engineering auszubauen.

Der Private-Equity-Investor Perusa hat 51 Prozent an MBN übernommen. MBN wurde 1988 gegründet und ist auf die Entwicklung und Herstellung von LED-Beleuchtung spezialisiert. DLA Piper (Federführung: Florian Hirschmann und Silvio McMiken) stand Perusa bei der Transaktion beratend zur Seite.

Die M&A-Beratung Clearwater International plant offenbar den Verkauf des sauerländischen Mittelständlers Kettler, wie „die Welt“ unter Berufung auf einen „Bilanz“-Artikel berichtet. Kettler ist insbesondere für sein Tretauto „Kettcar“ bekannt und hatte 2015 Insolvenz beantragen müssen. Der Kaufpreis soll dem Bericht zufolge bei 100 Millionen Euro liegen, allerdings werde die Transaktion durch eine Schwarzgeldaffäre belastet. Den Informationen von „Bilanz“ zufolge soll der verstorbene Firmengründer Heinz Kettler 2005 Millionenbeträge in die Schweiz geschleust haben.

Der Düsseldorfer Technologiekonzern Gea übernimmt den italienischen Nahrungsmittelverarbeitungsspezialisten Pavan. Bisheriger mehrheitlicher Eigentümer war der Private-Equity-Investor Alpha. Pavan beschäftigt rund 680 Mitarbeiter und verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 155 Millionen Euro. Mit der Übernahme will Gea das Technologieportfolio stärken. Der Abschluss der Transaktion wird im Laufe des Jahres erwartet.

Die Beteiligungsgesellschaft Nord Holding hat Wemas Absperrtechnik, einen Hersteller von Straßenabsperrtechnik, an die Beteiligungsgesellschaft Gimy und an das Wemas-Management verkauft. Dabei hat Gimy die Mehrheit an dem Unternehmen erworben. Wemas gehörte seit 2011 zur Nord Holding. Damals übernahm die Beteiligungsgesellschaft das Unternehmen im Zuge der Nachfolgeregelung des Unternehmensgründers Siegfried Kwasny. Ashurst (Federführung: Holger H. Ebersberger) hat die Verkäufer bei der Transaktion beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft Quantum Capital Partners hat Mdexx, einen Zulieferer für den Eisenbahnsektor, an das chinesische Unternehmen Zhuzhou Lince verkauft. Mdexx war seit 2016 ein Portfoliounternehmen von Quantum. Lince will mit der Übernahme die Position im europäischen Markt ausbauen. Rödl & Partner (Federführung: Thomas Fräbel, Klaus Martin Haussmann, Matthias Zahn, Achim Kestler) stand den Käufern bei der Transaktion beratend zur Seite, während Tracc Legal (Federführung: Thomas Lotz) die Verkäufer beraten hat.

Der PE-Investor Waterland Private Equity hat sein Portfoliounternehmen Atos um die Klinik Fleetinsel in Hamburg erweitert. Die Klinik Fleetinsel ist auf orthopädische Gebiete wie beispielswiese Wirbelsäulenchirurgie spezialisiert. Die Fachklinikgruppe Atos beabsichtigt mit der Übernahme ihre Kompetenz in der elektiven Chirurgie auszubauen.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler übernimmt das Darmstädter Unternehmen Flinc, einen Anbieter von Mitfahrgelegenheiten. Daimler will damit das Zukunftsgeschäft mit Mobilitätsdiensten ausbauen.

Der Rückversicherer Munich Re verliert offenbar die Geduld mit seiner Lebensversicherungssparte. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, stehe der bereits stillgelegte Bereich nun zum Verkauf.

Der Private-Equity-Investor Carlyle hat das deutsche Säge- und Holzbearbeitungsunternehmen Klenk an Binderholz aus Österreich verkauft. Die Transaktion soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. 

Der Versicherungskonzern Talanx übernimmt die Gesellschaft für Finanz- und Versorgungsberatung (FVB) aus Osnabrück. Der MDax-Konzern will damit sein Geschäft mit Privat- und Firmenversicherungen in Deutschland stärken. Talanx wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Hogan Lovells beraten (Federführung: Birgit Reese). 

Der Georg-Fischer-Konzern hat Symmedia übernommen, einen Anbeiter für Dienstleistungen im Maschinenbau. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Der Käufer wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO (Federführung Lars Günther und Jan Odewald) beraten. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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