MBB-Chef Christof Nesemeier hat ein Luxusproblem.

MBB SE

12.04.17
Deals

MBB-Chef Nesemeier nimmt größere Zukäufe ins Visier

Die Mittelstandsholding MBB hat den Maschinenbauer Aumann an die Börse gebracht – und sitzt plötzlich auf 170 Millionen Euro Bargeld. CEO Christof Nesemeier reagiert, indem er die Höchstgröße pro Deal verdoppelt.

Mit Aumann ist die Industrieholding MBB buchstäblich über sich hinausgewachsen: Aumann ist gut zwei Wochen nach dem IPO an der Börse knapp 700 Millionen Euro wert – 150 Millionen Euro mehr als Mehrheitseigentümer MBB.

Die Berliner Industrieholding hat im Zuge des Börsengangs ihren Anteil an Aumann von 93,5 auf 53,6 Prozent reduziert und damit 176 Millionen Euro eingespielt. Auch Aumann ist dank einer Kapitalerhöhung nun finanziell dafür gerüstet, sein Wachstum voranzutreiben. Die Ausgangslage für MBB-CEO Christof Nesemeier hat dieser Deal dramatisch verändert: Die Holding sitzt jetzt auf rund 170 Millionen Euro Net Cash, und die  Bargeldvorräte der Portfoliofirmen sind dort noch nicht einmal mit einberechnet.

Eine Art, das Geld zu verwenden, hat der Konzern schon skizziert: Zusätzlich zur regulären Dividende soll im Sommer eine Sonderdividende gleicher Höhe gezahlt werden. Auf diese Weise wird MBB 8 Millionen Euro ausschütten, wenn die Aktionäre das Ende Juni absegnen. 

MBB-CEO Nesemeier plant auch Aktienrückkauf

Im Interview mit FINANCE sagt Nesemeier, dass er zusätzlich auch einen Aktienrückkauf in Erwägung zieht. MBB habe das in der Vergangenheit mehrmals getan, „und ich will das im überschaubaren Rahmen auch jetzt nicht ausschließen“, so der CEO. Schließlich sei MBB an der Börse niedrig bewertet, rechnet Nesemeier vor: Zieht man vom Marktwert von 540 Millionen Euro den des Aumann-Anteils von 324 Millionen Euro ab und subtrahiert die 170 Millionen Euro Net Cash auf Holdingebene, landet man bei knapp 50 Millionen Euro.

Das restliche Portfolio mit einem Umsatz von knapp 200 Millionen Euro und einer Ebitda-Marge von knapp 10 Prozent sei „aktuell nicht eingepreist in der Aktie“, folgert Nesemeier. „Da kann es schon Sinn für uns machen, uns selbst zu kaufen.“

MBB stellt Equity-Investments von 40 Millionen Euro in Aussicht

Doch auch eine doppelte Dividende kombiniert mit einem Aktienrückkauf dürften das Luxusproblem von MBB nicht lösen. Für eine Holding, die in kleine mittelständische Firmen investiert, bedeuten über 170 Millionen Euro Net Cash Veränderungsbedarf. Darum kündigt Nesemeier an: „Unsere Targets können größer werden.“ Bisher habe MBB pro Transaktion nicht mehr als 20 Millionen Euro Eigenkapital investiert, „jetzt sind bis zu 40 Millionen Euro denkbar“, sagt Nesemeier, der MBB von 21 Jahren gemeinsam mit dem heutigen Verwaltungsratschef Gert-Maria Freimuth gegründet hat.

Die Strategie bleibe aber die gleiche, betont Nesemeier: „Unsere Geschäftspolitik leiten wir nicht von den Trends und Erwartungen des Kapitalmarkts, sondern von unserer über 20-jährigen Erfahrung im mittelständischen Beteiligungsgeschäft  ab.“ Nach wie vor schaue MBB also nach mittelständischen Unternehmen, deren Geschäftsmodell sich „dem gesunden Menschenverstand erschließt.“ Eine Expansion in exotische Nischen schließt Nesemeier aus. 

Arbeitet MBB an einer zweiten Aumann?

Die Investoren werden darauf hoffen, dass MBB den exorbitanten Erfolg bei Aumann wiederholen kann. Die Holding hatte den Maschinenbauer für Komponenten von Elektroauto-Motoren erst 2015 zugekauft und mit dem bestehenden Portfoliounternehmen MBB Fertigungstechnik fusioniert. Aumann lieferte das heiß begehrte Zukunftsprodukt, während das etablierte Industrieunternehmen MBB Fertigungstechnik es ermöglichte, die Produktion zu skalieren.

Dass MBB erneut ein Unternehmen heranzüchten kann, das über die Holding hinauswächst, ist unwahrscheinlich – allein schon deswegen, weil MBB durch den Aumann-Erfolg jetzt rund dreimal so viel wert ist wie noch vor einem Jahr. Aber Nesemeier ist entschlossen, das Aumann-Prinzip weiter anzuwenden: „Wir haben gelernt, dass Unternehmen mit zunehmender Größe interessanter und wertvoller werden. Darum werden wir auch in Zukunft versuchen, bestehende Portfoliofirmen durch Zukäufe auszubauen.“

Entsprechend sind die Anreizsysteme gesetzt: „Die Manager unserer Beteiligungen sind incentiviert, nach Wachstumsgelegenheiten und Zukaufszielen zu suchen“, erklärt der Holding-Chef. „Denn wenn sie das tun, kommt das erwirtschaftete Geld der Entwicklung ihrer Unternehmen zugute – im anderen Fall diskutieren wir eine Ausschüttung an die Holding.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de