PE-Investor Aurelius gibt die Mehrheit an der MS Deutschland an Callista Private Equity ab.

MS Deutschland

09.01.14
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PE-Investor Callista übernimmt Mehrheit an MS Deutschland

Deutschlands wohl bekanntestes Schiff hat einen neuen Mehrheitseigentümer. Der erst seit Spätsommer im Markt präsente PE-Investor Callista Private Equity hat eine Mehrheitsbeteiligung an der MS Deutschland Holding von Aurelius übernommen. Aurelius bleibt mit einer Minderheit investiert. Auch Neubesitzer Callista kündigte bereits eine Kapitalspritze an.

Secondary Buy-out bei MS Deutschland: Aurelius reduziert seine Beteiligung und verkauft eine Mehrheit an den auf Sondersituationen fokussierten Investoren Callista Private Equity. Das Münchner PE-Haus hält nun die Mehrheit an der MS Deutschland Holding, die wiederum 95 Prozent an der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft hält, zu der die Reederei Peter Deilmann und das aus der TV-Serie „Das Traumschiff“ bekannte Kreuzfahrtschiff MS Deutschland gehören. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Einer Mitteilung zufolge waren der Transaktion ein mehrwöchiger Due Diligence Prozess und „intensive Gespräche“ vorausgegangen. Für PE-Investor Callista ist die Transaktion das erste abgeschlossene Investment, wie ein Sprecher auf Nachfrage von FINANCE bestätigte. Weitere seien in Vorbereitung.

Callista übernimmt die Mehrheit an der MS Deutschland vom PE-Investor Aurelius, der 2010 eingestiegen war und als Minderheitsgesellschafter beteiligt bleibt. Auch Christopher Nolde, seit Anfang 2013 Mitglied der Geschäftsführung der MS Deutschland GmbH, beteiligt sich im Rahmen der Transaktion als Minderheitsgesellschafter. Zuletzt musste Aurelius die schwächelnde MS Deutschland finanziell stärken und stellte ein Kapitalpaket in Höhe von 10 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses bleibt einer Mitteilung zufolge vom Mehrheitsverkauf unberührt, mit den Mitteln sollen unter anderem geplante Investitionen in das Schiff finanziert werden. Wie berichtet war eine im September von Aurelius bereitgestellte Kreditlinie über 5 Millionen Euro für die im Dezember fällige Kuponzahlung für die Mittelstandsanleihe sowie für Renovierungsarbeiten am Schiff genutzt worden. Aurelius erließ dem Portfoliounternehmen zudem ein weiteres im Dezember fälliges Gesellschafterdarlehen über 5 Millionen Euro.

Aurelius-Kredit sichert 2014 Zinszahlung für Mittelstandsanleihe

Callista Private Equity plant ebenfalls eigenen Angaben zufolge für das Unternehmen „eine weitere Kapitalzufuhr mit einer Stärkung der Eigenkapitalkomponente, um den eingeschlagenen Wachstumskurs nachhaltig zu unterstützen“. Details zum Umfang der neuen Kapitalspritze nannte ein Callista-Sprecher auf Nachfrage nicht.

Die MS Deutschland betonte, die Transaktion habe keinerlei Auswirkungen auf das bestehende Besicherungskonzept der Unternehmensanleihe. So sei die Zinszahlung 2014, wie bereits 2013, im Bedarfsfall nach wie vor durch entsprechende Kreditlinien von Aurelius abgesichert. Nach aktueller Planung will die MS Deutschland die Zinszahlungen für die Anleihe spätestens ab dem Jahr 2015 vollständig aus eigener Kraft bedienen können. Die im Dezember 2012 begebene Mittelstandsanleihe im Volumen von insgesamt 50 Millionen Euro ist zudem mit der Schiffshypothek erstrangig besichert. Das Papier war Ende Dezember von einem Kurs um die 60 auf den Wert 45 eingebrochen. Die Ratingagentur Scope hatte am 23. Dezember sowohl das Emittentenrating von CCC+ der Beteiligungsgesellschaft der MS Deutschland als auch das Anleiherating von BBB- zurückgezogen und dies mit einem nicht ausreichenden Informationsstand begründet. Bereits im September hatte die Agentur das Rating der Mittelstandsanleihe gleich um vier Notches gesenkt.

Die Anleihe hat sich nach ihrem Absturz im Dezember kontinuierlich erholt und notiert heute bei Werten über 60. Das Unternehmen zeigte sich für das Geschäftsjahr 2014 zuversichtlich. Laut Orderbuch seien zum 6. Januar 2014 rund 30 Prozent mehr Vorbuchungen für das laufende Geschäftsjahr eingegangen als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Der PE-Investor Callista

Callista Private Equity ist seit dem Spätsommer 2013 am Markt aktiv. CEO Olaf Meier arbeitete zuvor als CFO bei der ADC African Development Corporation. Die Beteiligungsgesellschaft hat ihren Sitz in München und will sich auf Mehrheitsübernahmen von Unternehmen in Sondersituationen mit einem Umsatz von 10 bis 200 Millionen Euro konzentrieren. Der PE-Investor arbeitet einem Sprecher zufolge nicht mit einem dauerhaften Fonds, sondern greift im Einzelfall zum Fundraising auf Investorennetzwerke zurück. Callista könne sich auch vorstellen, im Tourismusbereich oder der Reedereibranche weitere Opportunitäten zu prüfen.