Insolvenzalarm bei SKW Stahl: Finanzinvestor Olaf Marx torpediert den geplanten Schuldenschnitt, SKW-Chef Michel schäumt.

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13.09.17
Deals

Rettung von SKW Stahl droht zu scheitern

Insolvenzalarm bei SKW: Ein alternativer Rettungsvorschlag von Großaktionär Olaf Marx bringt den Stahlzulieferer zurück an den Rand der Pleite. SKW-Chef Kay Michel attackiert Marx auf das Schärfste.

Der Rettungsplan für den süddeutschen Stahlzulieferer SKW Stahl droht zu scheitern. Wie das Unternehmen mitteilte, hat Großaktionär Olaf Marx einen Gegenantrag zu dem geplanten Debt-Equity-Swap gestellt, mit dem der Private-Equity-Investor Speyside die Mehrheit bei SKW erlangen will. Die US-Amerikaner haben mit den Hausbanken eine Übereinkunft über die Übernahme von deren SKW-Krediten geschlossen und wollen diese Darlehen nun in einen Anteil von mehr als 95 Prozent an SKW eintauschen. Den Altaktionären droht somit der Verlust nahezu ihres kompletten Einsatzes. Dazu gehört auch die Investorengruppe um Marx, die nach letzten Informationen rund 20 Prozent an SKW hält.

Den Verlust will die Aktionärsgruppe nicht hinnehmen. Marx will auf der außerordentlichen Hauptversammlung, auf der am 10. Oktober über den Speyside-Deal abgestimmt werden soll, eine eigene Agenda durchsetzen. Der Münchener Investor hat nicht nur zum Ziel, die Neubesetzung des Aufsichtsrats zu verhindern, sondern möchte auch SKW-Alleinvorstand Kay Michel das Vertrauen entziehen lassen.

Besonders brisant ist aber Marx‘ Vorschlag eines alternativen Rettungsplans. Der Münchener Turnaround-Investor schlägt eine große Kapitalerhöhung vor, an der sich alle bisherigen Aktionäre beteiligen könnten. Auf diesem Wege sollen aus den derzeit rund 6,5 Millionen SKW-Aktien mehr als 19,6 Millionen Aktien werden. Die gut 13 Millionen neuen Aktien sollen zu einem Preis von mindestens 1 Euro ausgegeben werden. Marx‘ Investmentvehikel MCGM bietet sich als Underwriter für alle nicht gezeichneten Aktien an.

SKW-Chef Michel attackiert Investor Marx scharf

Alleinvorstand Michel kritisiert die HV-Anträge von Marx auf das Schärfste: „Das ist der Versuch, im Handstreich die Kontrolle über die SKW zu erlangen. Zugleich sollen die einzigen realistischen und mit den finanzierenden Banken abgestimmten Maßnahmen zur Rettung unserer Gesellschaft blockiert werden“, warnt Michel.

Eine Barkapitalerhöhung, wie sie MCGM vorschlägt, führe „nicht einmal ansatzweise zu der dringend notwendigen Entschuldung unseres Unternehmens. Damit wäre die SKW unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Für die Aktionäre würde dies den Totalverlust bedeuten“, fürchtet der Vorstand. Michel appelliert, dass SKW „in dieser existenziellen Phase nicht zum Spielball von undurchsichtigen Interessen Einzelner werden“ dürfe. Er kritisiert den aktivistischen Investor hart: „Olaf Marx und seine Mitstreiter nehmen das Insolvenzrisiko billigend in Kauf.“

Marx hat genug Stimmen, um Speyside-Deal zu Fall zu bringen

Die Zuspitzung des Investorenkonflikts treibt SKW zurück an den Rand der Pleite. Das Unternehmen geht davon aus, dass durch Marx‘ Vorstoß „die positive Fortführungsprognose entfällt und damit der Insolvenzgrund der Überschuldung vorliegt“. Es sind die aktuellen Stimmverhältnisse, die die Konstellation so gefährlich machen. Mit ihren rund 20 Prozent verfügt die Gruppe um Marx über genügend Stimmen, um die Dreiviertelmehrheit, die der Speyside-Deal benötigt, zu verhindern. Die HV-Präsenz bei SKW lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei 35 Prozent. Ohne die Stimmen aus dem Marx-Lager wäre eine Mehrheit für den Speyside-Rettungsplan damit kaum zu erreichen.

Ohne positive Fortführungsprognose hat SKW-Chef Michel jetzt nur noch drei Wochen Zeit, einen Insolvenzantrag zu vermeiden. Da die Hauptversammlung erst in vier Wochen stattfindet, muss er im Vorfeld schleunigst eine Einigung zwischen den verschiedenen Investorengruppen finden, um die Insolvenz noch abzuwenden.

Marx sagte gegenüber FINANCE: „Wir werden in den nächsten Tagen zu den Äußerungen des Vorstands ausführlich Stellung nehmen und sind zuversichtlich, das Alleinvorstand Kay Michel in den nächsten Wochen seiner Organ-Verantwortung gerecht werden wird.“ Ferner kündigte Marx an, dass in Kürze das Ergänzungsverlangen seiner Gruppe für die Hauptversammlung veröffentlicht wird.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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